Abseits der Piste

Wor­auf Sport­ler auf Ski­tou­ren ach­ten soll­ten

Mit dem Skilift die Berge hoch? Für immer mehr Menschen kommt das nicht infrage. Sie bezwingen die Gipfel lieber aus eigener Kraft. Skitourengehen boomt, doch dafür brauchen Sportler einen ausreichenden Versicherungsschutz.

An diesem Wochenende erlebt Pfronten in den Allgäuer Alpen eine Premiere. Rund 300 Wintersportler haben sich zur ersten “Skimo-Challenge“ angesagt. Auf speziellen Tourenski ziehen die Teilnehmer los, um gleich mehrere Berggipfel zu bezwingen. Drei Tage dauert die Veranstaltung, dabei bewältigen die Sportler mehr als 4000 Höhenmeter.

Was viele für unnötige Schinderei halten, findet immer mehr Anhänger: Der Deutsche Alpenverein (DAV) schätzt, dass es hierzulande rund 400.000 Skitourengeher gibt. Damit hat sich ihre Zahl innerhalb von zehn Jahren fast verdoppelt. Im Unterschied zu Pistenfahrern erklimmen Skitourengeher die Berge aus eigener Kraft. Dabei bewegen sie sich oft abseits der Skigebiete im freien Gelände. Die Motive der Sportler sind ganz verschieden. Die einen reizt das Naturerlebnis in unberührten Bergregionen, andere die Abfahrt im Tiefschnee oder einfach die sportliche Herausforderung – mit Aufstiegen von bis zu 1000 Höhenmetern und mehr.

Skitourengehen nicht riskanter als andere Bergsportarten

Skitourengehen ist an sich nicht gefährlicher als andere Bergsportarten. Die Bergwachten in Deutschland rückten 2013 zu insgesamt rund 13.000 Einsätzen aus, davon entfielen knapp 5800 auf Skifahrer, rund 1700 auf Wanderer und lediglich 156 auf Skitourengeher. Selbst wenn man berücksichtigt, dass es in den anderen Disziplinen mehr Aktive gibt, die in der Regel auch länger im Gelände sind, tragen Skitourengeher kein höheres Risiko. Laut Alpenverein passieren die meisten Unfälle mit Verletzungsfolgen beim alpinen Skilauf gefolgt vom Alpinklettern. Skitourengehen folgt an vierter Stelle.

Skitouren bergen jedoch andere Gefahren als Abfahrten auf präparierten Pisten. „Am größten ist die Lawinengefahr“, sagt Thomas Bucher vom DAV. Auf dem Weg zum Gipfel und wieder hinab passieren Skitourengeher mitunter sehr steile Hänge mit hohen Schneedecken. Diese können durch Witterungseinflüsse so instabil geworden sein, dass schon ein Tritt ein gefährliches Schneebrett auslösen kann. Vor allem im Frühjahr ist die Lawinengefahr besonders hoch. Auch Stürze im freien Gelände ziehen wegen des felsigen Untergrunds mitunter schwerere Verletzungen nach sich.

Bergekostenversicherung ist unverzichtbar

Da Tourengeher zudem meist in unwegbarem Gelände unterwegs sind, müssen sie bei Notfällen oft mit Hubschraubern gerettet werden – vor allem dann, wenn es um Minuten geht wie bei der Bergung von Lawinenopfern. Für solche Fälle sollten Sportler abgesichert sein. „Jeder, der regelmäßig in die Berge geht, braucht eine Bergekostenversicherung. Das gilt gerade für Skitourengeher“, betont Bucher. Die Kosten für eine einfache Rettung beziffert er auf 2000 Euro pro Person. Bei Großeinsätzen mit mehreren Helikoptern könne es aber auch deutlich darüber hinausgehen. Und ohne separaten Versicherungsschutz bleiben Sportler unter Umständen auf den Kosten sitzen.

Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten bei Unfällen im Inland die Kosten für die Rettung erkrankter oder verletzter Bergsportler, die im Anschluss ärztlich behandelt werden müssen. Bei einer schweren Verletzung, die eine schnelle medizinische Versorgung nötig macht, ist die Kostenübernahme unstrittig. Anders sieht es aus, wenn sich ein Sportler nur leicht verletzt und mit dem Hubschrauber lediglich zu einer für den Krankenwagen zugänglichen Stelle geflogen wird. Dies gilt als Bergung, die Kosten dafür werden in der Regel nicht erstattet. Lawineneinsätze oder eine aufwändige Vermisstensuche übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in den meisten Fällen ebenfalls nicht.

Medizinische Leistungen variieren im Ausland

Auch in anderen Alpenländern gibt es keinen Rundumschutz. Gesetzlich Versicherte haben zwar in allen EU-Ländern Anspruch auf medizinische Versorgung und Sachleistungen. Der Umfang richtet sich aber nach den Gesetzen des Aufenthaltslandes – und die lassen Lücken. Beispiel Schweiz, die mit der EU assoziiert ist: Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten dort die Rettungskosten inklusive der Transportkosten nur zur Hälfte – bis zu einem Maximalbetrag von 5000 Franken. Suchkosten werden generell nicht erstattet. „Es empfiehlt sich deshalb, einen zusätzlichen Versicherungsschutz abzuschließen“, sagt Paul Rhyn von Santésuisse, dem Verband der Schweizer Krankenversicherer.

Dieser kann auch für privat Krankenversicherte nötig sein. Denn während manche Anbieter die Kosten für Bergung und Rettung sowohl im In- und Ausland übernehmen, sehen andere Tarife keinen solchen Rundumschutz vor.

Vorbereitung und Ausrüstung entscheidend

Ein umfangreicher Versicherungsschutz befreit Skitourengeher aber nicht von ihrer Eigenverantwortung. So sollte jeder vor einer geplanten Tour die Lawinenberichte studieren und bei hoher Gefahrenstufe Ausflüge meiden. Tourengeher sollten auch nie allein losziehen, sondern immer in einer Gruppe. Zum Sport gehört auch eine gute Ausrüstung. Sie sollte Schaufel, Lawinensonde und ein sogenanntes LVS-Gerät umfassen, mit dem Verschüttete schnell aufgespürt werden können. Und ein Helm schützt vor schweren Verletzungen bei einem Sturz.

Die Teilnehmer der „Skimo-Challenge“ muss man daran nicht erinnern. Denn ohne Helm darf sowieso niemand starten.

Text: Karsten Röbisch

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