Stellungnahmen
Kapi­tal­an­lage

Wirt­schafts­ver­bände und Kom­mu­nen für Nach­hal­tig­keit­sof­fen­sive

Die Europäische Union, Bund und Länder wollen den Neustart nach der Corona-Krise mit milliardenschweren Investitionsprogrammen in eine nachhaltige und digitale Infrastruktur vorantreiben. Damit dies gelingt, sollte die Privatwirtschaft einen wichtigen Beitrag zu Planung, Finanzierung und Umsetzung leisten. Wirtschaftsverbände und Kommunen sprechen sich daher gemeinsam für eine „Initiative nachhaltige Infrastruktur Deutschland“ (INID) aus.

Getragen wird die Initiative vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), dem Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB), dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sowie unterstützend den kommunalen Spitzenverbänden (Deutscher Städtetag, Deutscher Landkreistag, Deutscher Städte- und Gemeindebund).

Finanzierungsmodelle erleichtern

Allein um die – noch vor der Corona-Krise - festgelegten
EU-Klima- und Energieziele bis 2030 zu verwirklichen, müssen nach Angaben der EU-Kommission in Europa eine Billion Euro investiert werden. Das wirft auch in Deutschland die Frage auf, wie mehr privates Kapital für nachhaltige Infrastruktur zeitnah bereitgestellt werden kann. „Die Bekämpfung des Klimawandels kann nur gelingen, wenn mehr nachhaltige Infrastrukturprojekte auf den Weg gebracht werden. Die Versicherungswirtschaft ist bereit sich bei geeigneten grünen Infrastrukturprojekten stärker zu engagieren“, betont Dr. Klaus Wiener, Mitglied der Geschäftsführung im GDV. Unter anderem sollten nationale Förder- und Garantieinstrumente erweitert werden, um zusätzliche Investitionen in nachhaltige Infrastrukturprojekte zu generieren. Zudem könnten kleinere Projekte auf kommunaler Ebene in Fonds gebündelt werden, um für institutionelle Investoren attraktive Losgrößen zu schaffen – zudem ließen sich Skalen- bzw. Effizienzeffekte realisieren. Vor allem aber braucht es faire und vergleichbare Rahmenbedingungen für  kredit- und kapitalmarktorientierte Finanzierungen.

Föderale Strukturen stärker berücksichtigen

Die Bauinvestitionen der Kommunen machen rund 60 Prozent der gesamten Bauinvestitionen aller Gebietskörperschaften aus. Die übrigen 40 Prozent entfallen zu etwa gleichen Teilen auf den Bund und die Länder. Diese Verantwortung der Länder und Kommunen ist im aktuellen Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung nicht ausreichend reflektiert. Die kommunale Ebene mit ihren spezifischen Anforderungen, aber auch die Länder sollten deutlicher als bisher einbezogen werden.

Kompetenznetzwerk für Nachhaltigkeit erweitern

Für ökologisch und ökonomisch nachhaltige Infrastrukturprojekte müssen Klima- und Ressourceneffizienz bereits bei der Planung über den gesamten Lebenszyklus der Investition analysiert und bewertet werden. Das wiederum setzt eine enge Abstimmung aller Projektbeteiligten – Bauherren, Bauindustrie, Nutzer und Kapitalgeber – voraus. Öffentlich initiierte, einheitlich organisierte, interdisziplinäre und überregional vernetzte Kompetenz- und Beratungszentren könnten bei der Investitions- und Realisierungsentscheidung unterstützen, den Wissenstransfer zur Integration innovativer grüner Technologien fördern und nachhaltige Infrastrukturfinanzierungen durch standardisierte Bedingungen erleichtern.

 

Zur Startseite