Über­füllte Rast­höfe

Wie Tru­cker-Nöte auch die Ver­kehrs­si­cher­heit gefähr­den

Nicht nur auf Deutschlands Autobahnen steigt die Brummi-Dichte. Auch an Raststätten finden Fahrer in Stoßzeiten kaum noch Platz für ihre Lastzüge. Das sorgt für Gefahren im Straßenverkehr - und ruft Kriminelle auf den Plan.

Es ist ein Bild, das auf Deutschlands Autobahnen Normalität geworden ist: Tag für Tag drängen sich zu viele Lkw auf den Raststätten oder Parkplätzen. Weil der Platz nicht für alle Brummis ausreicht, weichen Fahrer vor allem abends immer wieder auf Standstreifen aus oder parken an den Aus- und Auffahrten. „So etwas gab es früher nicht“, sagt Martin Bulheller, vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL).

Der steigende Warenverkehr – Folge der Globalisierung und des boomenden Online-Handels – führt zu immer mehr Lastwagen auf Deutschlands Autobahnen. Die längst nicht alle auf den vorhandenen Parkplätzen unterkommen. Zwar sind seit 2010 etwa 15.000 Stellplätze entlang der Fernstraßen neu entstanden, so dass die Gesamtzahl inzwischen bei rund 51.000 liegt. Der Bedarf ist damit jedoch nicht gedeckt. Der BGL schätzt, dass bundesweit zwischen 35.000 und 40.000 Stellplätze fehlen.

Gefährliches Zustellen von Einfahrten

Der Mangel hat Folgen. Zum Beispiel für die Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer. „Gefährlich wird es vor allem, wenn Einfahrten zugestellt sind und davor geparkt wird“, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Gerade auf den stark befahrenen Transitstrecken kommt es wegen überfüllter Parkplätze oft zu brenzligen Situationen. So etwa im Juni auf der A5 bei Weingarten, nahe Karlsruhe. Weil die Einfahrt zum Parkplatz blockiert war, scherte ein Lkw wieder auf die Autobahn aus. Ein mit 40 Personen besetzter Fernbus konnte nicht mehr ausweichen und fuhr auf. Sieben Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Laut Statistischem Bundesamt waren 2018 rund 8600 Lkw auf Autobahnen in Unfälle mit Verletzten oder Toten beteiligt. Wie oft dabei ein überfüllter Parkplatz die Ursache war, kann auch die Polizei nicht sagen. Dass aber Falschparker ein größeres Sicherheitsproblem darstellen, wissen die Verkehrshüter durch ihre täglichen Patrouillenfahrten nur zu gut. „Das nimmt zu“, sagt Lothar Batschauer, Leiter der Polizei Karlsruhe.

Parkplatzmangel macht es Ladungsdieben leichter

Bislang behandelt die Polizei Falschparker mit Nachsicht, sie belässt es zumeist bei Ermahnungen und der Aufforderung zur Weiterfahrt. Denn auch die Beamten wissen um die Nöte der Trucker. „Die Fahrer sind die ärmsten Hunde“, sagt Batschauer. Ihr Dilemma: Sie müssen einerseits Lenk- und Ruhezeiten einhalten, sonst riskieren sie ein Bußgeld. Doch wo sollen sie hin, wenn alle Parkplätze voll sind? „Letztlich lässt sich das Problem nicht mit der Polizei lösen, sondern nur durch eine drastische Kapazitätserhöhung“, urteilt UDV-Chef Brockmann.

Mehr Rastplätze, die idealerweise auch bewacht sind, wären nicht nur wegen der Verkehrssicherheit wichtig, sondern auch im Kampf gegen Ladungsdiebstahl. „Wenn Lkw auf ungesicherte Stellflächen ausweichen, werden sie für kriminelle Banden zu einer leichten Beute“, sagt Björn Kupfer, Experte für Transportsicherheit beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Schon jetzt werden in Deutschland jährlich etwa 26.000 Ladungen von Lastwagen gestohlen, der Schaden geht in die Milliarden Euro. Kupfer befürchtet, dass das Problem künftig noch zunehmen könnte.

Keine Aussicht auf schnelle Lösung des Parkproblems

Eine schnelle Lösung des Parkproblems ist nicht in Sicht. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat in einer Studie den künftigen Bedarf ermittelt, derzeit wertet das Verkehrsministerium das Papier aus. Wie auch immer die Prognose ausfällt, eines steht fest: Der Bau neuer Stellplätze würde Jahre dauern. „Der Bund müsste für neue Rasthöfe erst die Flächen ankaufen, dazu kommen lange Planungs- und Genehmigungsverfahren“, so Brockmann. In der Zwischenzeit nehme der Güterverkehr weiter zu.

Neben dem Aus- und Neubau von Rastanlagen setzen die Verkehrsplaner deshalb auch auf eine intelligentere Steuerung der Lkw. Mit einer elektronischen Erfassung der An- und Abfahrtzeiten sollen die vorhandenen Parkplätze beispielsweise besser ausgelastet werden. Gleichzeitig sollen Trucker über Apps in Echtzeit freie Parkplätze abrufen können. Für Brockmann sind aber auch diese Maßnahmen nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Wenn Sie fünf volle Parkplätze hintereinander haben, wird es mit einer App auch nicht schöner.“

Den Fahrern bliebe so immerhin die vergebliche Anfahrt eines Rastplatzes erspart. Wo sie ihren Brummi in der Nähe abstellen können, wissen sie dann aber immer noch nicht.

Text: Karsten Röbisch (mit dpa)

 

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