Aus­zahl­plan vs Ren­ten­ver­si­che­rung

Wie der Nied­rig­zins die Leib­rente (rela­tiv) attrak­ti­ver macht

Die niedrigen Zinsen beeinflussen nicht nur den Vermögensaufbau, sondern wirken sich auch auf den Entsparprozess aus. Die lebenslange Rente wird im Vergleich zum Auszahlplan dadurch vorteilhafter.

Wer den Ruhestand finanziell absichern möchte, steht vor einer kniffligen Frage: Wie umgehen mit der Unsicherheit über den eigenen Tod? Das Ersparte in gleichmäßigen Raten aufzehren – mit dem Risiko, dass es vor dem Lebensende aufgebraucht ist? Oder besser eine private Rentenversicherung abschließen? Die leistet bis zum Lebensende, bei einem frühen Tod geht das verbleibende Vermögen aber an die übrigen, länger lebenden Versicherten.

Eine generelle Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Die Entscheidung hängt von mehreren Faktoren ab, allen voran dem Gesundheitszustand. Für alle jene aber, die mindestens mit einem durchschnittlich langen Leben rechnen dürfen, liefert der Niedrigzins zumindest ein Argument mehr für eine lebenslange Rente – auch Leibrente genannt. Zwar sinken im Niedrigzinsumfeld auch die Erträge einer privaten Rentenversicherung. Verglichen mit der Alternative aber – dem Auszahlplan – wird die Leibrente jedoch attraktiver. „Der Vorteil einer lebenslangen Rente ist umso größer, je niedriger die Zinsen sind“, sagt Peter Schwark, Geschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Aus 19 Prozent werden 25 Prozent mehr

Dazu ein Beispiel: Ein 65-jähriger will sein Vermögen von 100.000 Euro bis zum Tod aufbrauchen. Um sicher zu gehen, nimmt er eine Lebensdauer von 95 Jahren an. Immerhin 14 Prozent der 65-jährigen Männer werden so alt und fast ein Viertel der Frauen. Bei einer unterstellten Verzinsung von vier Prozent ließen sich vom Vermögen jährlich 5.686 Euro abzwacken, damit es bis zum unterstellten Lebensende reicht. Bei einer Leibrente – berechnet mit der Sterbetafel der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV 2004 R 2. Ordnung) – gäbe es 6.790 Euro – also 19 Prozent mehr. Sinkt nun die Verzinsung auf ein Prozent, wirft die Leibrente sogar 25 Prozent mehr ab: nämlich 4.711 Euro verglichen mit 3.768 Euro beim Auszahlplan.

Der Effekt resultiert aus den unterschiedlichen Erlösquellen. Beim Auszahlplan entstehen Erträge einzig aus der Anlage des Restvermögens. Wegen der niedrigen Zinsen werfen insbesondere sicherere Kapitalanlagen, die in der Entsparphase dominieren, weniger ab, der Zinseszinseffekt verliert an Kraft. Das betrifft zwar auch die Rentenversicherung, bei ihr kommt jedoch eine weitere Ertragsquelle hinzu: das Vermögen der früh Verstorbenen. Diese vererbten Mittel sind weitgehend  unabhängig vom Börsengeschehen und treten umso stärker hervor, je niedriger die Kapitalerträge ausfallen.

Die Vererbung von Vermögen ist charakteristisch für die private Rentenversicherung. Ein Versicherer kalkuliert die monatliche Rente für alle Kunden auf Basis einer mittleren Lebenserwartung. Diejenigen, die früher sterben, hinterlassen ihr übrig gebliebenes Vermögen denen, die überdurchschnittlich alt werden. Das finanzielle Risiko eines langen Lebens, das für einen Einzelnen nicht zu handeln ist, lässt sich auf diese Weise beherrschen.

Je älter der Kunde wird, desto größer der relative Vorteil

Das bedeutet aber auch: Wer aufgrund seiner Gesundheit erwartet, vor der mittleren Lebenserwartung zu sterben, profitiert nicht vom Vererbungseffekt und würde mit einem Auszahlplan besser fahren. Umgekehrt gilt: Je älter der Kunde wird, desto mehr bekommt er aus der Rentenversicherung. Und desto größer fällt auch der relative Vorteil der Leibrente gegenüber dem Auszahlplan aus, wenn die Zinsen fallen.

Nehmen wir an, die 100.000 Euro aus dem obigen Beispiel sollen nicht bis zum 95., sondern bis zum 100. Lebensjahr reichen. Bei einer Verzinsung von vier Prozent könnte ein Verbraucher über einen Auszahlplan jährlich rund 5.289 Euro seines Vermögens ausgeben, um bis zum kalkulierten Lebensende abgesichert zu sein. Die Leibrente bringt ihm 6.790 Euro pro Jahr – also 28 Prozent mehr. Fällt der Zins auf ein Prozent, stellt sich das Verhältnis so dar: 3.321 Euro aus dem Auszahlplan gegenüber einer Leibrente von 4.711 Euro. Die Differenz ist also auf rund 42 Prozent gestiegen.

Alternativen zur klassischen Leibrente

Wer dennoch vor einer klassischen Leibrente zurückschreckt, um bei einem frühen Tod den Angehörigen noch etwas hinterlassen zu können, findet unter den Rentenversicherungen Alternativen. Viele Anbieter bieten beispielsweise eine Rentengarantiezeit an – in der Regel von zehn Jahren. So lange fließt dann mindestens Geld. Stirbt der Versicherte früher, geht das noch nicht ausgezahlte Vermögen in monatlichen Raten oder als Einmalzahlung an die Hinterbliebenen. Alternativ kann auch eine lebenslange Witwen- oder Witwer-Rente vereinbart werden.

Text: Karsten Röbisch

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