Wild­tiere in Deutsch­land

Wer für Schä­den durch Wölfe auf­kommt

Immer öfter greifen Wölfe Nutztiere an, wie ein aktueller Fall in Schleswig-Holstein zeigt. Für gerissene Schafe oder Ziegen erhalten Landwirte zwar eine Entschädigung vom Land. Dennoch ist auch eine private Versicherung für sie unverzichtbar.

Seit geraumer Zeit steigt die Zahl der Wölfe in Deutschland. Gab es im Jahr 2000 lediglich ein Rudel, so leben mittlerweile 105 von ihnen in heimischen Wäldern. Niedergelassen haben sich die Tiere vor allem in Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Während sich Naturschützer über die wachsende Population freuen, sind Bauern zunehmend besorgt. Sie verzeichnen immer mehr Angriffe auf ihre Nutztiere, wie ein aktueller Fall in Schleswig-Holstein zeigt. Ein „Problem-Wolf“ riss dort Dutzende Schafe, ehe er Anfang 2020 mutmaßlich von einem Auto angefahren wurde und verstarb. Insgesamt gab es 2018 bundesweit über 600 Wolfsattacken, vor allem auf Schafe und Ziegen. Rund 2.000 Tiere waren betroffen.

Damit die Nutztierhalter nicht auf Schäden sitzen bleiben, erhalten sie von den Landesregierungen finanzielle Hilfe. Bundesweit wurden 2018 knapp 2,4 Millionen Euro für Präventionsmaßnahmen ausgezahlt, rund 230.000 Euro bekamen Landwirte als Ausgleich für getötete Tiere.

Schäden durch Nutztiere versicherbar

Nutztierhalter können ihren Tierbestand aber auch selbst gegen Angriffe von Wölfen und anderen Wildtieren versichern. Denn für Schäden, die anderen Personen beispielsweise durch den Ausbruch der Tiere entstehen, müssen Nutztierhalter selbst aufkommen. Schreckt ein Wolf beispielsweise Rinder oder Schafe auf, die bei ihrer anschließenden „Flucht“ benachbarte Grundstücke verwüsten, kann das ein Fall für die Betriebshaftpflicht-Versicherung sein. Für den Versicherungsschutz spielt es keine Rolle, ob die Tiere von einem Wolf aufgeschreckt wurden oder einem lauten Knall. Was genau und in welcher Höhe der Versicherer leistet, ist im jeweiligen Vertrag geregelt.

Jagdpächter haften nicht für Schäden

Jagdpächter haften indes nicht für Schäden, die Wölfe anrichten. Denn es handelt sich um streng geschützte Tiere, die nicht ohne weiteres gejagt werden dürfen. Anders ist es beispielsweise bei Wildschweinen: Hier muss der Jagdpächter dafür sorgen, dass der Bestand nicht zu groß wird. Unterlässt er dies und zu groß gewordene Rotten richten Schäden an, haftet der Jagdpächter unter Umständen dafür.

Ende 2019 hat der Bundestag jedoch den Abschuss von Wölfen erleichtert, um Schafe und andere Nutztiere besser vor Übergriffen zu schützen. Danach soll ein Abschuss künftig auch dann möglich sein, wenn unklar ist, welcher Wolf genau eine Schafherde angegriffen hat. Es sollen so lange Wölfe in der Gegend gejagt werden können, bis es keine Attacken mehr gibt – auch wenn dafür ein ganzes Rudel getötet wird. Die Landesbehörden müssen jedoch jeden Abschuss einzeln genehmigen.

Text: Stephan Schweda

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