Risi­ko­dif­fe­ren­zie­rung

Wel­che Rolle spie­len Geschlecht und Alter in der pri­va­ten Unfall­ver­si­che­rung?

1. Differenzierung nach Geschlecht

In Versicherungsverträgen, die ab dem 21. Dezember 2012 geschlossen werden, darf bei Beiträgen und Leistungen nicht mehr nach dem Geschlecht differenziert werden. Das heißt, Männer und Frauen erhalten grundsätzlich für denselben Beitrag dieselben Leistungen. Das hat der Europäische Gerichtshof in seinem Urteil vom 1. März 2011 festgelegt. 

In Versicherungsverträgen, die vor dem 21. Dezember 2012 geschlossen wurden, sind nach wie vor unterschiedliche Beiträge für Männer und Frauen zulässig. Voraussetzung sind statistische Daten, die zeigen, dass das Geschlecht bei ihrer Berechnung ein bestimmender Faktor für die Risikobewertung ist. 

2. Differenzierung nach Alter

Unterschiedliche Beiträge und Leistungen nach dem Alter sind zulässig, wenn bei der Berechnung „anerkannte Prinzipien risikoadäquater Kalkulation“ und insbesondere entsprechende statistische Erhebungen berücksichtigt werden. Anders als bei der Unterscheidung nach dem Geschlecht gilt das für alle Versicherungsverträge, auch wenn sie nach dem 21. Dezember 2012 geschlossen werden. 

3. Statistik

Die folgende Grafik stellt den sogenannten Statistischen Grundbedarf (das Verhältnis zwischen Schadenaufwand und vereinbarter Versicherungssumme) für die Invaliditätsleistung dar. Die Invaliditätsleistung ist die zentrale Leistungsart in der Unfallversicherung. 

Die Auswertungen basieren auf den Daten von durchschnittlich 23 Mio. Versicherten aus fünf Statistikjahren (2012 bis 2016). Es haben sich Unternehmen mit einem Marktanteil von ca. 86% an dieser Statistik beteiligt:

  • Es ist deutlich zu erkennen, dass das Geschlecht das Schadengeschehen in der Unfallversicherung maßgeblich mitbestimmt: Männer und Frauen weisen in allen Altersgruppen einen unterschiedlichen statistischen Grundbedarf auf.
  • Außerdem ist zu sehen, dass der statistische Grundbedarf mit steigendem Alter deutlich zunimmt. Das liegt nicht zwingend daran, dass wir im Alter mehr Unfälle erleiden, sondern dass die Unfallfolgen im Alter häufig schwerer sind und die Verletzungen schwerer ausheilen. Im Durchschnitt führt das zu mehr und höheren Invaliditätsleistungen.
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