Fak­ten und Hin­ter­günde

Wel­che Bedeu­tung haben "Ster­be­ta­feln" in der pri­va­ten Ren­ten­ver­si­che­rung?

Lebensversicherungsunternehmen können nicht einfach die vom statistischen Bundesamt berechnete Lebenserwartung übernehmen. Denn anders als das statistische Bundesamt geben sie für Millionen Menschen garantierte Leistungsversprechen ab, an die sie über viele Jahrzehnte gebunden sind. Was aber genau unterscheidet die „Sterbetafeln“ der Lebensversicherer von denen des statistischehn Bundesamtes? GDV.DE hat die zentralen Aufgaben zusammengestellt, was ein Versicherer bei der Kalkulation von Lebenserwartungen zu berücksichtigen hat.

  • Bei Vertragsbeginn angenommene Werte zur Lebenserwartung sind für viele Jahrzehnte gesetzt:Das statistische Bundesamt teilte zuletzt Anfang Oktober 2012 mit , dass die Lebenserwartung erneut um zwei Monate für Mädchen bzw. um drei Monate für Jungen gestiegen ist. Betrachtet man den Zeitraum von Anfang der 1960er-Jahre bis 2010, so ermittelten die Statistiker einen Wert von plus elf Jahren. In den vergangenen Jahrzehnten hat das statistische Bundesamt nahezu bei jeder Erhebung der Bevölkerungssterblichkeit eine gestiegene Lebenserwartung festgestellt und aktualisierte die Angaben zum tatsächlich erreichten Lebensalter.

 

  • Es gibt Unterschiede zwischen Menschen, die freiwillig zusätzlich vorsorgen und der Gesamtbevölkerung: Menschen, die etwa wegen einer schweren chronischen Erkrankung befürchten, nicht besonders alt zu werden, schließen seltener eine Rentenversicherung ab. Wenn doch, so wählen sie zu Rentenbeginn eher die einmalige Kapitalzahlung – davon ausgehend, dass sich für sie eine lebenslange Rente weniger lohnt. Diejenigen, die eine Rentenversicherung abschließen und sich dann auch für eine lebenslange Rentenzahlung entscheiden, haben statistisch eine höhere Lebenserwartung als die Bevölkerung im Durchschnitt. 

  • Versicherer kalkulieren im Interesse ihrer Kunden vorsichtig: Bei der Kalkulation von Rentenversicherungen über die nächsten 30 bis 60 Jahre ist es von entscheidender Bedeutung, Trends nicht zu unterschätzen. Steigt die Lebenserwartung stärker als vom Versicherer kalkuliert, ist die Erfüllbarkeit der Versicherungsverträge gefährdet. Deswegen haben Versicherte ein Anrecht darauf, dass die berechneten – und garantierten – Versorgungsleistungen vorsichtig kalkuliert werden. Sie erwarten, dass die Versicherer den Stand der Wissenschaft bei ihren Projektionen bestmöglich berücksichtigen.

 
Dass das Zusammenwirken von steigendem Wohlstand, Bildung, gesunder Ernährung, humaneren Arbeitsbedingungen, verbesserter Hygiene, sozialer Fürsorge und medizinischer Versorgung im Ergebnis dazu führte, dass die Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten fast linear gestiegen ist, muss sich folglich beim Blick in die Zukunft angemessen widerspiegeln. Zumal keine Zeichen von Abflachungen des Trends erkennbar sind. Wohl kaum jemand konnte sich vor 40 Jahren vorstellen, dass sich die Überlebenschance nach einem Herzinfarkt verfünffachen würde.



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