Natur­ge­fah­ren

Was­ser­wehr – wenn Frei­wil­lige gegen Flu­ten kämp­fen

Bei Feuer hilft die Feuerwehr. Und bei Wasser? Immer mehr Gemeinden setzen auf die Wasserwehr – sie kann bei Starkregen und Hochwasser die Katastrophe verhindern.

In Havelberg proben sie den Ernstfall. Rund 20 Freiwillige, einmal im Jahr, zuletzt im April. Damals errichteten sie unter anderem eine mobile Spundwand, um die Hansestadt in Sachsen-Anhalt gegen Hochwasser zu schützen, wenn die Havel über die Ufer tritt. Seit 2017 gibt es dort eine Wasserwehr.

Allein gegen alle Elemente – da ist so manche Feuerwehr überfordert. Nicht nur in Havelberg haben das die Gemeindevertreter erkannt. Vielerorts bekommen die Brandbekämpfer deshalb Unterstützung durch ehrenamtliche Wasserwehren, die einschreiten, wenn Hochwasserkatastrophen drohen.  Im Fall der Fälle müssen sich die Gemeinden so nicht mehr allein auf Hilfe durch das Technische Hilfswerk (THW) oder die Bundeswehr verlassen.    

 

Hochwasser verursacht im Schnitt höhere Schäden als Feuer

Wie sinnvoll Wasserwehren als Ergänzung zu Feuerwehren sein können, untermauern Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zu Hochwassschäden: Allein 2013 erlitten Versicherte im Schnitt einen Schaden von 9.100 Euro durch Hochwasser. Mit durchschnittlich 4.620 Euro kosteten Brände in Wohngebäuden etwa halb so viel. Und auch 2014 und 2016 überstiegen die Durchschnittskosten für Schäden durch Starkregen und Hochwasser jene für Brände.

Länder helfen Kommunen beim Ausrüsten der Wasserwehren

Dass die Hansestadt  Havelberg überhaupt eine Wasserwehr einsetzen kann, hat sie nicht zuletzt der finanziellen Förderung durch das Land zu verdanken, die jede hochwassergefährdete Kommune beantragen kann. Ein paar zehntausend Euro kann es bestenfalls vom Land geben. Im benachbarten Sachsen gehört zur Grundausstattung der Wasserwehr neben 50 Schaufeln, 20 Paar Stiefel und ebenso vielen Wathosen genau ein Schlauchboot. Jedenfalls für hochwassergefährdete Gemeinden mit einem wenigstens zehn Kilometer langem Ufer. 

In Leutersdorf an der tschechischen Grenze wurde erst im vergangenen Jahr eine eigene Wasserwehr gegründet, die der örtlichen Feuerwehr untersteht. Neben der üblichen Schutzkleidung konnte die Gemeinde zusätzlich technisches Gerät anschaffen. Den Hochwasserschutzanhänger mit Stromerzeuger und Wasserpumpe hätte es ohne Geld vom Land nicht gegeben.

Unwetter und Starkregen früh erkennen

Eine der wichtigsten Aufgaben der Freiwilligen im sächsischen Leutersdorf ist es, zu Hause am Computer Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes zu beobachten und sich so frühzeitig auf den Einsatz vorzubereiten. Doch nicht nur in Gemeinden mit fließenden Gewässern wie Leutersdorf ist der Blick aufs Wetter unerlässlich: Fernab von Flüssen sind unwetterartige Starkregen die Ursache für Überschwemmungen: „Starkregenereignisse kommen lokal begrenzt vor und treten plötzlich und sehr schnell auf“, erklärt Frank Altenbrunn vom THW. „Durch das viele Wasser können sogenannte Sturzfluten entstehen, in denen sich das Wasser einen Weg jenseits von Flüssen und Kanalisation bahnt.“

Ohne Vorwarnung in die Katastrophe

Weniger als 100 Kilometer von Havelberg entfernt, kam es 2017 deshalb zur Katastrophe ohne Vorwarnung: Die Regenmassen trafen die Gemeinde Leegebruch überraschend und überschwemmten Straßen und Keller in kürzester Zeit. Auslöser für das katastrophale Hochwasser war kein überlaufender Fluss, sondern ein Jahrhundertstarkregen. „In knapp zehn Stunden sind etwa 260 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen“, erinnert sich Bürgermeister Martin Rother, „es führte dazu, dass die komplette Abwasseranlage überflutet war.“

Über Wochen herrschte in Leegebruch Ausnahmezustand, viele Bewohner kämpfen noch immer mit den Folgen. „Von Alltag konnten wir sehr, sehr lange nicht reden. Viele Eigentümer haben bis heute Schwierigkeiten wieder ihre Grundstücke herzurichten.“ Für hunderttausende Euro wurden seitdem Regenläufe und Durchlässe gebaut sowie Personal zur Pflege der Wassergräben eingestellt.

Und egal, ob nun bei der örtlichen Feuerwehr oder bei der neuen Wasserwehr – Freiwillige Helfer sind in allen Gemeinden immer herzlich willkommen.

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