Insol­venz­ver­si­che­rung

Was sich bei der Pau­schal­reise-Absi­che­rung ändern muss

Verbraucher, die durch die Pleite von Thomas Cook nicht mehr in den Urlaub fahren konnten, können aufatmen: Sie bekommen den Teil ihrer Anzahlungen, der nicht vom Versicherer ersetzt wird, vom Bund erstattet, wie die Bundesregierung am Mittwoch ankündigte.

Der Pauschalreise-Markt und die Reisepreis-Absicherung funktionieren derzeit so, dass die Reisenden weit vor ihrem Urlaub eine Anzahlung, teilweise sogar den vollen Preis bezahlen. Dafür erhalten sie einen Sicherungsschein. Bei einer Insolvenz ist das Geld also über die Kautionsversicherung des Reiseveranstalters geschützt.

Dieses System hat lange Jahre gut funktioniert – bis die Insolvenz von Thomas Cook gezeigt hat, dass die bisherige Regelung nicht in jedem Fall ausreicht. Zwar wurden auch im Fall von Thomas Cook dank eines logistischen Kraftakts des betroffenen Versicherers alle Reisenden nach Hause geholt. Doch aktuell deckelt das Gesetz die Haftung des Versicherers bei 110 Millionen Euro – ist der Schaden größer, wird also nur ein Teil der gezahlten Anzahlungen erstattet.

Versicherer stehen als Risikoträger auch für größere Veranstalter bereit

Damit Reisende in der Zukunft nach einer Insolvenz den vollen Reisepreis erstattet bekommen, braucht es also eine geänderte Regelung. Die Bundesregierung hat dazu Gespräche unter anderem mit der Tourismusindustrie und der Versicherungswirtschaft initiiert. Die Versicherer bringen sich konstruktiv in diese Diskussion ein. 

Das heißt konkret, dass die Versicherungsunternehmen erstens auch für größere Reiseveranstalter als Risikoträger bereitstehen. Damit alle Veranstalter einen für sie passenden Insolvenzschutz erhalten könnten, könnte etwa statt des bisherigen Deckels in Höhe von 110 Millionen Euro ein mehrstufiges System geschaffen werden. Die Reiseveranstalter könnten dann je nach Umsatzhöhe ausreichenden Versicherungsschutz einkaufen.

Vorauszahlungspraxis sollte unter die Lupe genommen werden

Zweitens haben Zeitpunkt und Umfang der Vorauszahlungen der Kunden Einfluss auf die notwendige Absicherungshöhe, so dass dieser Punkt in der weiteren Diskussion näher analysiert werden sollte. Hier hat z.B. Österreich eine klare Regelung geschaffen, nach der Zahlungen frühestens 11 Monate vor Reiseende entgegengenommen werden dürfen und Anzahlungen von mehr als 20 Prozent grundsätzlich nicht früher als 20 Tage vor Reiseantritt verlangt werden können. 

Versicherer kann nicht „Ersatz-Reiseveranstalter“ sein

Drittens sollte der Versicherer nicht gezwungen sein, im Schadenfall selbst zum „Ersatz-Reiseveranstalter“ zu werden. Unterkünfte, Flüge und Transfers zu organisieren ist das Kerngeschäft der Tourismusbranche. Sie kann und sollte Reisenden nach der Insolvenz eines Veranstalters schnell helfen und dafür einen entsprechenden Notfall-Mechanismus schaffen. Die Kosten dafür trägt dann der Versicherer. Denn schließlich ist es seine Aufgabe und sein Kerngeschäft, für finanzielle Schäden aufzukommen.

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