Duale Aus­bil­dung

Ver­si­che­rungs­kauf­mann wird „digi­ta­li­siert“

Die Anforderungen an Versicherungskaufleute verändern sich rasant, getrieben vor allem von der Digitalisierung. Daher wird die Ausbildung umgekrempelt. Die Reform könnte nicht nur neue Lehrinhalte bringen, sondern auch eine neue Berufsbezeichnung.

Die duale Ausbildung in der Versicherungswirtschaft wird von Grund auf modernisiert. Das Bundeswirtschaftsministerium hat Anfang Juli das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) mit dem Start eines sogenannten Neuordnungsverfahrens beauftragt und damit den Weg für die Reform der Lehrinhalte freigemacht. Ziel ist es, die neue Ausbildungsordnung zum Ausbildungsstart im August 2022 einzuführen. Dann könnte der Beruf mit dem offiziellen Titel Kaufmann für Versicherungen und Finanzen auch einen neuen Namen bekommen.

Zuvor hatten sich bereits die Sozialpartner der Arbeitgeberseite, der BWV Bildungsverband, und der Arbeitnehmerseite, die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, auf Eckpunkte des neuen Berufsbildes geeinigt. Hintergrund ist die Digitalisierung und damit verbunden insbesondere neue IT-spezifische Anforderungen an den Beruf, die in der aktuellen Ausbildungsordnung von 2006 nicht berücksichtigt werden. „Die zunehmende Digitalisierung der Geschäfts- und Arbeitsprozesse erfordert eine Modernisierung der Ausbildung“, sagt Frank Walthes, Vorstandsvorsitzender des BWV Bildungsverbands.

Im Fokus: Stärkung digitaler Kompetenzen

Die neuen Lehrinhalte orientieren sich an den Ergebnissen einer breit angelegten Studie, mit der der BWV 2016 die künftigen Tätigkeitsprofile in der Versicherungswirtschaft ermittelt hatte. So sollen vor allem die digitalen Kompetenzen der Azubis gestärkt werden – verbunden mit einer Förderung der kommunikativen Fähigkeiten. Zudem soll es mehrere Wahlqualifikationen geben, in denen die jeweiligen Anforderungen der späteren Tätigkeit besonders berücksichtigt werden können. Als Novum in der dualen Berufsausbildung ist eine sogenannte „hybride Wahlqualifikation“ angedacht: Sie soll Versicherungsfachwissen mit IT-Know-how verbinden, damit die Berufsanfänger an der IT-Schnittstelle der Versicherer eingesetzt werden können.

Die Ausarbeitung der neuen Inhalte beginnt ab Herbst und zieht sich über mehrere Fachrunden hinweg, die vom BIBB moderiert werden. Daran nehmen neben den Sozialpartnern auch der DIHK, Bundeswirtschafts- und Bundesbildungsministerium sowie die Kultusministerkonferenz als Vertreter der Länder teil. Es gilt das Konsensprinzip, alle Partner müssen den Neuerungen zustimmen. Anfang 2022 soll nach aktuellem Plan die novellierte Ausbildungsverordnung im Bundesanzeiger veröffentlicht werden, damit sie zum Lehrjahresstart im August in Kraft treten kann.

Text: Karsten Röbisch

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