Jah­res­kon­fe­renz Volks­wirt­schaft und Finanz­märkte

Ver­si­che­rer bewer­ten Geschäfts­ent­wick­lung posi­tiv

Der Konjunkturaufschwung verliert an Kraft, die Stimmung der Assekuranz-Manager bleibt davon jedoch relativ unberührt. Die Mehrheit rechnet im nächsten Jahr mit besseren Geschäften.

Ungeachtet der wachsenden Konjunkturrisiken blicken die deutschen Versicherer optimistisch auf das kommende Jahr. Laut Ifo-Geschäftsklimaindex für die Versicherungswirtschaft hat sich die Stimmung in der Assekuranz im dritten Quartal erheblich aufgehellt. Eine große Mehrheit der befragten Unternehmen erwartet, dass die Geschäfte in den nächsten sechs Monaten deutlich besser laufen werden als derzeit. „Die Erwartungshaltung hat sich überproportional verbessert“, sagte Klaus Wiener, Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), auf einer Konferenz am Mittwoch in Berlin.

Rückenwind für ihr Geschäft versprechen sich die Unternehmen vor allem von der Digitalisierung. Rund drei Viertel der Versicherer erwarten daraus positive Effekte. „Wir diskutieren die Digitalisierung sehr oft als Herausforderung. Die Unternehmen sehen sie jedoch nicht als Bedrohung, sondern als Chance“, betonte Wiener. Auch von der Umstellung ihres Produktportfolios erhoffen sich die Versicherer zusätzliche Wachstumsimpulse. „Die Unternehmen passen ihr Geschäftsmodell an das Niedrigzinsumfeld an“, sagte Wiener. Ein Beispiel dafür seien die neuen Lebensversicherungen mit flexiblen Garantien.

Konjunkturzyklus neigt sich seinem Ende 

Der stützende Effekt durch die Konjunktur verliert nach Ansicht der Versicherungsmanager dagegen an Bedeutung. Auch für Ökonomen geht der lang anhaltende Boom langsam zu Ende. „Wir befinden uns im Konjunkturzyklus am Übergang von der Mittel- zur Spätphase“, konstatierte Elga Bartsch, Chefvolkswirtin der Investmentgesellschaft Blackrock. „Was relativ sicher ist, ist eine Wachstumsrezession“, urteilte auch Thomas Mayer, Direktor des Flossbach von Storch Research Institute in Köln. Chinas Wirtschaft verliere an Momentum, und in den USA werde sich die geldpolitische Straffung langsam bemerkbar machen.

Ein weiteres Risiko für die Konjunktur ist der wachsende Protektionismus. „Die Zahl der restriktiven Maßnahmen nimmt deutlich zu“, sagte Gabriel Felbermayr vom Ifo Institut für Wirtschaftsforschung in München. Der Trend sei weltweit zu beobachten, besonders stark würden derzeit aber die USA Zölle oder andere Handelsbarrieren einsetzen, um die heimische Wirtschaft zu schützen. Seit 2016 seien dort 379 neue protektionistische Maßnahmen eingesetzt worden – so viel wie in keinem anderen Land. Zum Vergleich: China, das im Westen als sehr protektionistisch gilt, hat in der Zeit „nur“ rund 100 solcher Maßnahmen eingesetzt. Umgekehrt ist es das Land, das am stärksten von den Maßnahmen anderen Staaten betroffen sei, wie Felbermayr betonte.

Zinsen in Europa bleiben weiterhin niedrig

Ein Belastungsfaktor für die Assekuranz bleiben auch weiterhin die niedrigen Zinsen. Während die Renditen von US-Staatsanleihen in diesem Jahr zum Teil spürbar angestiegen sind, hat sich bei Bundesanleihen kaum etwas getan. „Der transatlantische Zinsverbund ist gestört“, konstatierte Wiener. Der erwartete Sogeffekt sei ausgeblieben. Auch für 2019 glaubt der GDV-Chefvolkswirt nicht an eine Trendwende – angesichts der anhaltenden Flucht der Anleger in sichere Anlagen und der sich eintrübenden Konjunkturaussichten: „Stellen Sie sich darauf ein, dass die Kapitalmarktzinsen extrem niedrig bleiben.“

Autor: Karsten Röbisch

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