Poli­ti­sche Posi­tio­nen 2015

Ver­si­che­rer als Inves­to­ren

Als großer Wirtschaftsstandort ist Deutschland auf funktionierende Verkehrswege und leistungsstarke Daten- und Stromnetze angewiesen. In der Vergangenheit wurde die Infrastruktur jedoch vernachlässigt. Zu dem Befund kommen nicht nur etliche Studien, der Substanzverlust ist vielerorts auch nicht mehr zu übersehen.

Die Bundesregierung will nun die Modernisierung der Infrastruktur vorantreiben. Das hat sie im aktuellen Jahreswirtschaftsbericht als eines ihrer Kernanliegen definiert. Die Aufgabe wird zu einem finanziellen Kraftakt: Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) müssen in den nächsten zehn Jahren 120 Milliarden Euro in die Infrastruktur fließen, davon 80 Milliarden in Fernstraßen und Brücken, der Rest in den Ausbau der IT- und Stromnetze.

Effizienzvorteile und Entlastung

Eine wichtige Rolle bei der Finanzierung von Infrastrukturprojekten sollen institutionelle Investoren spielen. Die Bundesregierung verspricht sich davon Effizienzvorteile und eine Entlastung von Projekt- und Kostenrisiken. Eine vom Bundeswirtschaftsministerium ins Leben gerufene Expertenkommission hat bereits Pläne präsentiert, wie unter anderem private Geldgeber sinnvoll eingebunden werden können.

Auch auf europäischer Ebene tut sich was. Mit dem sogenannten Juncker-Investitionsplan will die EU die Wirtschaft ankurbeln und die Arbeitslosigkeit bekämpfen. Kernstück der Initiative ist der europäische Fonds für strategische Investitionen (EFSI). Er soll ein Volumen von 315 Milliarden Euro haben und weitestgehend von Privatinvestoren gefüllt werden. Um Geldgeber anzulocken, will die EU sie teilweise von den Risiken entlasten.

Die deutschen Versicherer mit einem Kapitalanlagebestand von rund 1,4 Billionen Euro stehen als Partner bereit. Die Investitionszyklen der Infrastrukturprojekte von 20, 30 und mehr Jahren passen gut zum langfristig ausgerichteten Geschäftsmodell. Zugleich bieten die Nutzungsgebühren relativ planbare und stetige Rückflüsse, die die Versicherer benötigen, um die Leistungsversprechen gegenüber ihren Kunden erfüllen zu können.

Derzeit entfällt weniger als ein Prozent der Kapitalanlagen der deutschen Versicherer auf den Bereich Infrastruktur und Erneuerbare Energien. Würde die Branche den Anteil nur um einen Prozentpunkt ausbauen, käme ein Betrag von rund 14 Milliarden Euro zusammen. Dafür aber müssen die Bedingungen stimmen.

Versicherer brauchen Planungssicherheit

Am wichtigsten ist ein verlässlicher Rechtsrahmen. Versicherer brauchen Planungssicherheit. Einmal aufgestellte Regeln dürfen nicht rückwirkend geändert werden. Nötig sind auch regulatorische Verbesserungen. Mit der kürzlich verabschiedeten Änderung der Anlageverordnung wurde auf nationaler Ebene bereits ein wichtiger Schritt getan. Hilfreich wäre nun auch eine geringe Eigenmittelunterlegung für Infrastrukturinvestitionen.

Um eine Verbesserung der Investitionsbedingungen geht es auch bei der Kapitalmarktunion. Die EU-Kommission will bis 2019 einen grenzüberschreitenden Kapitalmarkt schaffen, der die bestehende Fragmentierung in Europa beseitigt. Die Politik verspricht sich davon eine bessere Kreditversorgung der Realwirtschaft und mehr Finanzierungsmöglichkeiten insbesondere für die kleinen und mittleren Unternehmen, die bislang noch stark von Bankkrediten abhängen. Die vorgestellten Pläne gehen aus Sicht der deutschen Versicherungswirtschaft in die richtige Richtung.

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