Teil 5/5: Ver­brau­cher­schutz

Ver­bes­sern MiFID2, IMD2 und PRIIPS den Ver­brau­cher­schutz?

Die Kapitalmarktregulierung bildet einen Schwerpunkt der EU-Politik: Allein drei Initiativen befassen sich mit dem Vertrieb von Finanzprodukten – und betreffen auch die Versicherungsvermittlung. GDV.DE gibt einen Überblick.

Wenn in Brüssel Politik gemacht wird, hantieren Politiker gern mit Schlagworten. Aus sperrigen Begriffen werden Akronyme, hinter denen sich oft komplexe Gesetzesvorhaben verbergen – mit weitreichenden Auswirkungen in der Praxis. So ist es auch bei MiFID2, IMD2 und PRIIPS – drei aktuellen Initiativen, die auf einen besseren Verbraucherschutz in Europa abzielen. Und die auch den Versicherungsvertrieb verändern werden.

Am weitesten fortgeschritten sind die Arbeiten an der neuen Finanzmarktrichtlinie (Markets in Financial Instruments Directive, MiFID2), die im Juli 2014 in Kraft getreten ist. Einem generellen Provisionsverbot erteilten die Politiker eine Absage, stattdessen stellen sie es den Mitgliedstaaten frei, schärfere Regeln einzuführen. Berater, die sich unabhängig nennen, dürfen künftig keine Provisionen mehr annehmen. Zudem sollen alle Kosten und Gebühren offengelegt und der Einfluss der Gesamtkosten auf die Rendite eines Anlageprodukts dargestellt werden. Mit der konkreten Ausgestaltung der Richtlinie befasst sich aktuell die europäische Wertpapieraufsicht ESMA.

Neue Versicherungsvermittlerrichtlinie

Obwohl MiFID2 nur den Wertpapierhandel betrifft, wurden einige Regeln auch auf den Versicherungsvertrieb übertragen. Dazu wird die gültige Vermittlerrichtlinie (Insurance Mediation Directive, IMD) geändert. Vermittler und Versicherer müssen etwa geeignete Vorkehrungen treffen, um Interessenkonflikte zwischen ihnen selbst und ihren Kunden zu vermeiden. Ferner sollen sie redlich und im besten Interesse der Kunden handeln. Die Neuerungen – unter dem Stichwort IMD1,5 bekannt – gelten für Versicherungsanlageprodukte, also Policen, bei denen der Auszahlungswert von Marktschwankungen abhängt.

Für die Versicherungswirtschaft bedeutet IMD1,5 jedoch nur einen Zwischenschritt. Denn die aktuelle Vermittlerrichtlinie wird derzeit ohnehin grundlegend überarbeitet und soll von der sogenannten IMD2-Richtlinie abgelöst werden. Ergebnisse gibt es noch nicht, die Trilog-Verhandlungen starten erst in Kürze.

Einheitliches Produktinformationsblatt für Investmentprodukte

Abgeschlossen sind sie bereits für die Verordnung zu Basisinformationsblättern für Anlageprodukte (Packaged Retail and Insurance-based Investment Products, PRIIPs). Anbieter von Finanzprodukten sollen künftig ein einheitliches Produktinformationsblatt erstellen, auf dem die wichtigsten Merkmale in kurzer und verständlicher Form beschrieben sind. Das Dokument enthält auf drei Seiten etwa eine Darstellung der Chancen und Risiken sowie aller Kosten – der direkten und indirekten sowie der einmaligen und laufenden. Die PRIIPs-Verordnung gilt für Investmentprodukte wie Fonds und Zertifikate sowie für Versicherungsanlageprodukte.

Versicherungswirtschaft unterstützt im Kern die Reformen

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) steht hinter dem Ziel der EU, den Verbraucherschutz zu stärken. Die Lösungen müssen Kunden aber stets einen Mehrwert bringen. Einen Ausweis der konkreten Vergütung eines Vermittlers von Versicherungsanlageprodukten, der mit IMD2 kommen könnte, lehnt der Verband deshalb ab. Denn solche Zahlungen machen nur einen Teil der Abschlusskosten aus. „Sinnvoller ist bei Lebensversicherungen der Ausweis der Gesamtkosten“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürstenwerth. „Nur so können Kunden die Produkte miteinander vergleichen.“ 

Themenwoche „Versicherungsvertrieb 2015“

Der Finanzvertrieb steht im Fokus der Politik. Allein auf EU-Ebene gibt es drei Initiativen zum Verbraucherschutz, die auch die Versicherungsvermittlung betreffen. Für die deutsche Versicherungswirtschaft ist entscheidend, dass der etablierte provisionsbasierte Vertrieb erhalten bleibt. In einer fünfteiligen Serie beleuchtet GDV.DE den Vertriebsmarkt.


Kernanliegen der Versicherungswirtschaft ist, das Nebeneinander von Provisionsvertrieb und Honorarberatung sicherzustellen. Zwar enthalten die bisherigen Pläne zu IMD2 kein generelles Provisionsverbot, was der GDV begrüßt. Nach dem Willen des Rates sollen Provisionen bei Versicherungsanlageprodukten aber nur erlaubt sein, wenn sie keine nachteilige Auswirkung auf die Qualität der Beratung haben. Was das bedeutet, bleibt unklar. Somit könnte am Ende die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA bei der Konkretisierung von IMD2 den Begriff selbst auslegen.

Kein Provisionsverbot durch die Hintertür

Dabei besteht die Gefahr, dass politische Beschlüsse nachträglich von den Aufsichtsbehörden unterlaufen werden. Dies zeigte sich bereits bei der Umsetzung von MiFID2. In ihrem ersten Detailvorschlag hatte die ESMA die Zulassung von Provisionen an so umfangreiche Bedingungen geknüpft, dass dies in der Praxis auf ein faktisches Verbot hinausgelaufen wäre. Nach Protesten aus der Wirtschaft hat die Behörde inzwischen einen neuen Vorschlag gemacht.

„Ein Provisionsverbot durch die Hintertür darf es bei IMD2 nicht geben“, fordert von Fürstenwerth. Deshalb sollte der Gesetzgeber die Koexistenz von Provisions- und Honorarberatung im Richtlinientext unmissverständlich verankern, so der GDV-Hauptgeschäftsführer. Und auch wenn die Politik ein möglichst einheitliches Regelwerk für den europäischen Finanzmarkt anstrebt, so muss jede Regulierung die Besonderheiten der einzelnen Sektoren berücksichtigen. Eine pauschale Übernahme der Regeln aus dem Kapitalmarktbereich lehnt der GDV deshalb ab.

Zur Startseite