D&O-Ver­si­che­rung

Unbe­schwer­ter mana­gen

Die Haftungsregeln für Führungskräfte gehören in Deutschland zu den weltweit strengsten. Wie Versicherer dabei helfen können, trotzdem den unternehmerischen Handlungsspielraum zu bewahren.

Unternehmen können Versicherungen zugunsten ihrer Geschäftsführer, Aufsichtsräte oder leitenden Angestellten abschließen. In der Fachsprache heißen sie „Directors and Officers Liability Insurance“ oder kurz D&O-Versicherungen. Firmen schützen damit ihre Führungskräfte vor Schadensersatzforderungen von Kunden, Aktionären oder Behörden – und eigenen Klagen. Sie werden immer wichtiger, weil geschäftliche Auseinandersetzungen heutzutage meist sofort juristisch ausgefochten werden. Und Geschäftsführer, Vorstände, Aufsichts- oder Beiräte haften persönlich für ihre Entscheidungen. Darum können sie schnell mal vor Gericht landen, wenn sie Fehler machen, die Geld kosten – von nachlässiger Auftragsvergabe bis zum Versäumen von Fördermöglichkeiten.

Die D&O-Versicherung springt ein bei fahrlässigen Pflichtverletzungen. Dann zahlt die Versicherung dem Manager zunächst einen Anwalt, um Klagen abzuwehren. Wenn das keinen Erfolg hat, kommt sie für den Schaden auf. Sie deckt aber keine herkömmlichen kaufmännischen Risiken ab, etwa Schäden durch eine geplatzte Fusion oder eine missglückte Produktstrategie. Ebenso wenig schützt sie bei vorsätzlichen Regelverstößen und Gesetzesbrüchen.

D&O-Policen sind also eine Versicherung zugunsten Dritter: Die Prämien zahlt zwar das Unternehmen, geschützt ist aber die Führungskraft. Auf diese Weise sichert die Firma allerdings auch die eigene Bilanz ab. Denn trotz teils üppiger Gehälter könnten viele Manager für drohende Schäden nicht aufkommen. Die Firma bliebe auf den Schadensersatzforderungen sitzen. Stattdessen profitieren meist beide Seiten – dementsprechend schnell verbreiten sich die Policen inzwischen in der gesamten Geschäftswelt. 

Meist diskret und außergerichtlich

Prominente D&O-Fälle landen immer wieder in den Medien. Aktuelles Beispiel: Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff, dessen Versicherung kürzlich für einen Vergleich 3,4 Millionen Euro Schadensersatz an den Insolvenzverwalter des Konzerns zahlte. Der Top-Manager und drei andere ehemalige Vorstände hatten, so ein Gerichtsurteil, beim Verkauf einiger Karstadt-Warenhäusern ihre Sorgfaltspflichten verletzt.

Auch der Fall des Ex-Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking, der sich demnächst wegen des Verdachts der Marktmanipulation vor Gericht verantworten muss, wird öffentliches Interesse erregen. In dem Prozess geht es darum, ob er die Anleger bewusst getäuscht hat, als er 2008 offiziell die Absicht zur Übernahme von Volkswagen bestritt. „Die meisten Schadensfälle werden aber nach unserer Beobachtung außergerichtlich und absolut diskret zur Zufriedenheit aller Beteiligten reguliert“, sagt Patrick Smolka, Leiter Financial Lines bei HDI-Gerling und Vorsitzender der GDV-Arbeitsgruppe D&O-Versicherung. Die Öffentlichkeit bekomme davon im Detail meist nur wenig mit.

Genaue Statistiken zum Geschäftsvolumen gibt es nicht – alle Zahlen beruhen auf Schätzungen. Sicher ist, dass alle großen Industrieversicherer und auch viele kleinere Anbieter Schutzpakete für das Top-Management von Unternehmen im Programm haben. Wie viel eine Police kostet, hängt dabei von der Versicherungssumme sowie der Größe, Branche und wirtschaftlichen Lage des jeweiligen Unternehmens ab.

Im Mittelstand angekommen

Diederik Sutorius, Geschäftsführer des auf D&O-Versicherungen spezialisierten Anbieters VOV, schätzt, dass mehr als 95 Prozent der Konzernvorstände quer durch alle Branchen heute eine D&O-Police haben. Bei mittleren Unternehmen seien es 60 Prozent der Chefs, in kleinen 40 Prozent. Der Markt entwickelt sich von börsennotierten Konzernen hin zu mittleren und kleinen Unternehmen. Das bestätigt auch eine Studie der Bonner INTES Akademie für Familienunternehmen. Schon vor fünf Jahren hatte fast jedes zweite von 209 befragten Familienunternehmen eine D&O-Police für seine Manager abgeschlossen. Heute lassen sich auch niedrige Deckungssummen von ein oder zwei Millionen Euro kaufen.

Damit wird der Familienfrieden gewahrt, wenn etwa die Mutter oder der Onkel mit Schludrigkeiten Verluste produziert. Und wenn Private-Equity-Investoren oder angestellte Geschäftsführer von außerhalb involviert sind, kommt es auch bei familiären Mittelständlern schnell mal zum Prozess. Die Versicherung schützt in solchen Fällen nicht nur das Privatvermögen – sondern auch das persönliche Schicksal.

Der vollständige Artikel erscheint in der nächsten Ausgabe des Verbandsmagazins POSITIONEN am 13. März 2015.

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