VAG-Novelle

Sol­venz­ka­pi­tal im Fokus

Verändert sich das wirtschaftliche Umfeld, hat dies unmittelbar Folgen für die Solvabilität der Unternehmen. Besonders deutlich ist dieser Zusammenhang bei den Vermögenswerten: Sinkt z. B. der aktuelle Marktwert von Aktien, nimmt auch die Höhe der Vermögenswerte und die der Eigenmittel in der Solvabilitätsübersicht ab. Um trotz möglicher negativer Veränderungen für das Versicherungsunternehmen die Leistungen an die Versicherungsnehmer sicherzustellen, müssen Versicherungsunternehmen für bestimmte Risiken Kapitalpuffer (Eigenmittel) in vorgeschriebener Höhe vorhalten


Dabei wird zwischen den beiden aufsichtsrechtlichen Sollgrößen der Solvenzkapitalanforderung (SCR) und der Mindestkapitalanforderung (MCR) unterschieden. Sofern die Eigenmittel die Solvenzkapitalanforderung unterschreiten, kann die Aufsichtsbehörde vom Versicherungsunternehmen geeignete Gegenmaßnahmen verlangen, beispielsweise eine Erhöhung der Eigenmittel durch Kapitalerhöhung oder eine Absenkung des Risikoprofils durch Verkauf besonders riskanter Vermögenswerte. Beim Unterschreiten der Minimumkapitalanforderung muss die Aufsicht weitere, schärfere Maßnahmen einleiten.

Die wesentliche Kenngröße zur Beurteilung der Solvenzsituation eines Versicherungsunternehmens ist die Bedeckungsquote. Sie ist das Verhältnis von Eigenmitteln des Unternehmens zur aufsichtsrechtlich notwendigen Solvenzkapitalanforderung. Sind im Unternehmen Eigenmittel oberhalb der Solvenzkapitalanforderung vorhanden, ist die Bedeckungsquote größer als 100 Prozent und damit ausreichend. Sind hingegen weniger Eigenmittel verfügbar als die Solvenzkapitalanforderung verlangt, liegt die Bedeckungsquote unter 100 Prozent. Damit ist noch nicht sofort die Erfüllung der Verpflichtungen gegenüber den Versicherungsnehmern in Gefahr. Allerdings ist der aufsichtsrechtlich geforderte Kapitalpuffer zur Absicherung extremer Risiken nicht mehr in Gänze bedeckt.

Die Solvenzkapitalanforderung und daraus abgeleitet die Mindestkapitalanforderung werden mit Hilfe einer Standardformel oder eines internen Modells berechnet. Die Standardformel berücksichtigt neben Marktrisiken sowohl verschiedene versicherungstypspezifische Risiken als auch operationelle Risiken. Beispielsweise wird für Lebensversicherungen der Kapitalbedarf bei einer erhöhten Sterblichkeit berechnet. Marktrisiken bilden die Gefahr finanzieller Verluste aufgrund der Änderung von Marktpreisen (z. B. Aktienkurse, Zinsen, Wechselkurse, Immobilien) ab. Operationelle Risiken beinhalten mögliche Verluste aufgrund menschlichen Versagens (z. B. versehentliches Löschen von Daten), Unzulänglichkeiten interner Prozesse oder Systeme (z. B. Ausfall der Computer) sowie externer Ereignisse (z. B. Erdbeben zerstört Teile der Gebäude des Versicherungsunternehmens).

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