Tier­seu­che

So sind Schä­den durch die Vogel­grippe ver­si­chert

Die Vogelgrippe ist wieder da: In mehreren europäischen Ländern wurde das H5N8-Virus nachgewiesen, Ende vergangener Woche erreichte das Virus einen Geflügelbetrieb in Schleswig-Holstein. Wie immer in einem solchen Fall werden nicht nur kranke Tiere, sondern sämtliches Geflügel des betroffenen Bestandes vorsorglich getötet. Die Tierseuchenkassen der Bundesländer erstatten den Geflügelzüchtern nur den Wert der Tiere, gegen weitere finanzielle Folgen einer Seuche können sich die Landwirte mit einer Versicherung schützen.

Über 700 Millionen Hühner, Enten, Gänse und Truthähne wurden in Deutschland im Jahr 2015 geschlachtet, mit Eiern und Geflügel erzielte die Branche einen Umsatz von mehr als 10 Milliarden Euro. Das H5N8-Virus bedroht also nicht nur das Leben von Millionen Hühnern, sondern auch die wirtschaftliche Existenz betroffener Geflügelzüchter. Sie erhalten bei einer Infektion oder einer behördlich angeordneten Tötung lediglich den Sachwert der gekeulten Tiere von den Tierseuchenkassen der Bundesländer.

Was leistet die Tier-Ertragsschadendeckung?

Die finanziellen Folgen einer Tierseuche gehen für die betroffenen Landwirte jedoch deutlich über den reinen Wert der Tiere hinaus. Gegen dieses Risiko können sie sich durch den Abschluss einer Tier-Ertragsschadendeckung schützen. Sie übernimmt den Ertragsausfall des Betriebes und kommt darüber hinaus auch für Kosten auf, die für die Desinfizierung der Ställe oder für die Entsorgung der Tierkadaver und belasteter Gülle anfallen.

Ebenso geschützt sind Betriebe, die nicht direkt von der Seuche betroffen sind, aber im behördlichen Sperrbezirk liegen und ihre Tiere daher nicht verkaufen dürfen. „Insbesondere BSE und die in mehreren Ländern Europas aufgetretene Maul- und Klauenseuche in den Jahren 2000 und 2001 haben sich nachhaltig auf den Markt ausgewirkt“, sagt Andreas Schindler, Experte für Agrar-Versicherungen im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Bei vielen Vieh- und Geflügelzüchtern sei seit dieser Zeit das Bewusstsein für das Risiko einer Tierseuche gewachsen, ebenso wie die Bereitschaft, sich präventiv vor dem Ausbruch einer Seuche zu schützen und für den Schadenfall eine Versicherung abzuschließen. Auch wenn der GDV Zahlen zur Tier-Ertragsschadendeckung nicht eigens erfasst, weiß Schindler, dass bislang jede neue Seuchengefahr die Zahl der Verträge weiter erhöht hat.

Das H5N8-Virus breitet sich aus

Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) breitet sich das Grippe-Virus H5N8 derzeit unter Wildvögeln in Westeuropa aus, wobei vereinzelt auch Nutztiere angesteckt werden. Hierher gelangt ist das Virus den Forschern zufolge wahrscheinlich mit infizierten Vögeln aus Russland, die im Winter nach Westeuropa ziehen. Da dieser Vogelzug erst begonnen habe, könne sich die Situation in den kommenden Wochen weiter verschärfen, so das FLI.

Um die Vogelgrippe einzudämmen und die weitere Übertragung des Virus von Wildvögeln auf Nutztiere zu verhindern, ordnen die Bundesländer derzeit in besonders gefährdeten Gebieten eine Stallpflicht für Geflügelbestände an.

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