Geflü­gel­pest

So sind Schä­den durch die Vogel­grippe ver­si­chert

Die neuen Vogelgrippe-Infektionen in England und den Niederlanden versetzen auch die Landwirte in Deutschland in Alarmbereitschaft. Im Fall einer Infektion werden nicht nur kranke Tiere, sondern sämtliches Geflügel des betroffenen Bestandes gekeult, also vorsorglich getötet. Die Tierseuchenkassen der Bundesländer erstatten den Geflügelzüchtern nur den reinen Wert der Tiere, gegen weitere finanzielle Folgen einer Seuche können sich die Landwirte mit einer Tier-Ertragsschadendeckung schützen.

Über 700 Millionen Hühner, Enten, Gänse und Truthähne wurden in Deutschland im Jahr 2013 geschlachtet, mit Eiern und Geflügel erzielte die Branche einen Umsatz von mehr als 10 Milliarden Euro. Das H5N8-Virus bedroht also nicht nur die Tiere, sondern auch die wirtschaftliche Existenz betroffener Geflügelzüchter. Sie erhalten bei einer Infektion oder einer behördlich angeordneten Tötung lediglich den Sachwert der gekeulten Tiere von den Tierseuchenkassen der Bundesländer.

Schaden geht über den Sachwert der Tiere hinaus

Die finanziellen Folgen einer Tierseuche gehen für die betroffenen Landwirte jedoch deutlich über den reinen Wert der Tiere hinaus: Der Betrieb ist über längere Zeit eingeschränkt oder liegt ganz lahm, Erträge fallen schnell über längere Zeit aus. Zudem müssen Ställe desinfiziert, Tierkadaver und belastete Gülle entsorgt werden. Die Kosten für Desinfektion und Entsorgung sowie den Ausgleich des Ertragsausfalls übernimmt eine Tier-Ertragsschadendeckung.

Ebenso geschützt sind Betriebe, die nicht direkt von der Seuche betroffen sind, aber im behördlichen Sperrbezirk liegen und ihre Tiere daher nicht verkaufen dürfen. „Insbesondere BSE und die in mehreren Ländern Europas aufgetretene Maul- und Klauenseuche in den Jahren 2000 und 2001 haben sich nachhaltig auf den Markt ausgewirkt“, sagt Andreas Schindler, Experte für Agrar-Versicherungen im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Bei vielen Vieh- und Geflügelzüchtern sei seit dieser Zeit das Bewusstsein für das Risiko einer Tierseuche gewachsen, ebenso wie die Bereitschaft, sich präventiv vor dem Ausbruch einer Seuche zu schützen und für den Schadenfall eine Versicherung abzuschließen. Auch wenn der GDV Zahlen zur Tier-Ertragsschadendeckung nicht eigens erfasst, weiß Schindler, dass bislang jede neue Seuchengefahr die Zahl der Verträge weiter erhöht hat.

Hintergrund: Das H5N8-Virus

Das Grippe-Virus H5N8 kursierte seit Anfang des Jahres zunächst ausschließlich in Korea, die Angaben über die Zahl der dort mittlerweile getöteten Tiere schwankt zwischen mehreren Hunderttausend und einigen Millionen. Anfang November wurde das Virus erstmals in Europa festgestellt: Nach dem Befall eines Betriebes in Mecklenburg-Vorpommern wurden 31.000 Puten gekeult und ein Sperrbezirk von drei Kilometern Umfang eingerichtet. Im Umkreis von 50 Kilometern darf Geflügel zudem nicht draußen gehalten werden. Der Sperrbezirk bleibt noch mindestens bis zum 1. Dezember bestehen, auch wenn vom betroffenen Betrieb nach Einschätzung des Bundeslandwirtschaftsministeriums keine Gefahr mehr ausgeht.

Ende vergangener Woche traf das Virus dann zwei weitere Betriebe in Europa, diesmal in den Niederlanden und in England. Die Bilanz hier: In den Niederlanden mussten 150.000 Hühner, in England rund 6.000 Enten gekeult werden, zudem verfügten die Behörden für die gesamten Niederlande ein 72-stündiges Verbot aller Transporte von Geflügel und Eiern, die Ukraine hat am Mittwoch einen Importstopp für Geflügel und Geflügelprodukte aus den bisher betroffenen Ländern verhängt.

Wildvögel als Überträger?

Wie sich das Virus genau verbreitet, ist derzeit noch nicht geklärt. Die rasche Ausbreitung in Europa lässt den Verdacht auf Wildvögel fallen, nach Einschätzung von Experten ist aber auch eine Übertragung durch kontaminierte Waren, Lebensmittel oder Menschen nicht auszuschließen. Eine unmittelbare Gefahr für Menschen besteht derzeit nicht. Auch wenn das Robert-Koch-Institut eine Übertragung auf Menschen nicht gänzlich ausschließt, sei sie doch unwahrscheinlich – lediglich Personen, die direkten Kontakt mit befallenen oder verendeten Tieren haben, sollten sich adäquat schützen. Ein erhöhtes Risiko für die Allgemeinbevölkerung sei nicht erkennbar, so das Fazit der Wissenschaftler.

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