Stei­gende Lebens­er­war­tung

Senio­ren bezie­hen immer län­ger Rente

Die Regelaltersgrenze klettert schrittweise auf 67 Jahre. Doch das stabilisiert die gesetzliche Rente wohl nur mittelfristig. Ohne weitere Anpassungen erwartet die Jüngeren sogar ein längerer Ruhestand als heutige Rentner. Denn die Lebenserwartung steigt weiter an. Von Karsten Röbisch

Die Lebenserwartung in Deutschland eilt schon heute absehbar dem Renteneintrittsalter davon. Trotz des um zwei Jahre späteren Ruhestands werden Rentner in 50 Jahren ihren Lebensabend voraussichtlich rund drei Jahre länger genießen können als heutige Pensionäre. Dies zeigt eine aktuelle Auswertung der Initiative „7 Jahre länger“ auf Basis der Generationensterbetafel des Statistischen Bundesamtes.

Die Zahlen stützen die Forderung nach einer weiteren Anhebung des Renteneintrittsalters. In der Vorwoche hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) angeregt, die Lebensarbeitszeit an die Lebenserwartung zu koppeln und die Altersgrenze weiter zu flexibilisieren. Zuvor hatte bereits die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Deutschland diesen Schritt nahe gelegt: „Durch eine Koppelung des Rentenalters an die Entwicklung der Lebenserwartung könnte die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen gestärkt werden”, so die OECD-Experten.

Altersgrenze steigt bis 2031 stufenweise auf 67 Jahre

Bislang ausgemacht ist der stufenweise Anstieg der Altersgrenze um zwei auf 67 Jahre. Für die nach 1946 Geborenen steigt das Eintrittsalter zunächst pro Jahrgang um einen Monat, ab dem Jahrgang 1959 um jeweils zwei Monate. Abgeschlossen ist die Anhebung mit den 1964 Geborenen, die 2031 als erste regulär mit 67 Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden werden. Männer, die dann in den Ruhestand wechseln, haben eine Lebenserwartung von durchschnittlich fast 86 Jahren. Ihre potenzielle Rentenbezugsdauer liegt somit bei knapp 19 Jahren.

Steigt die Lebenserwartung jedoch weiter in dem Tempo wie bisher, erwartet die nachfolgenden Generationen ein wesentlich längerer Ruhestand – sofern das Renteneintrittsalter nicht angepasst wird. Ein 2000 geborener Mann, der in knapp 50 Jahren mit 67 in den Ruhestand geht, hat nach der Prognose des Statistischen Bundesamts im Schnitt dann noch knapp 22 Jahre zu leben. Er bezöge somit fast drei Jahre länger Rente als der Jahrgang 1964. Ähnlich sieht die Entwicklung bei den Frauen aus.


Zwei Jahre länger arbeiten – dennoch fast drei Jahre mehr Ruhestand

Ohne eine weitere Anhebung der Altersgrenze würden die Jüngeren nicht nur länger Rente beziehen als ihre Eltern. Sie stünden auch besser da als heutige Rentner, von denen die meisten regulär noch mit 65 Jahren aus dem Beruf ausgeschieden sind. Als letzter kam der Jahrgang 1946 in den Genuss der Regelung.

Zum Renteneintritt 2011 hatten die Männer eine verbleibende Lebenserwartung von durchschnittlich 18,8 Jahren, die Frauen von 22,2 Jahren. Sie beziehen also knapp drei Jahre weniger Rente als die Ruheständler in 50 Jahren, obwohl sie zwei Jahre früher aufgehört haben zu arbeiten. Dies zeigt, wie dynamisch sich die Lebenserwartung entwickelt.

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