VAG-Novelle

Schritt­wei­ser Über­gang für Lebens­ver­si­che­rer

Je stärker die künftig zu beachtenden Regeln nach Solvency II von den bisherigen nationalen Gesetzen und Regulierungsvorschriften abweichen, desto komplexer ist die Umstellung für die betroffenen Unternehmen. Voraussetzung für die europaweite Vereinheitlichung des Aufsichtsrechts ist daher ein schrittweiser Übergang zu Solvency II.

Wie wichtig diese Übergangsfristen sind, verdeutlicht der Blick auf die deutschen Lebensversicherer. Lebensversicherungsverträge mit langfristigen Garantien (z. B. lebenslange Rentenzusage) sind ein Eckpfeiler des deutschen Altersvorsorgesystems. Um die Risiken dieser langfristigen Garantien angemessen abbilden zu können, müssen Annahmen über die zukünftige Entwicklung des Zinsniveaus getroffen werden. Diese Annahmen basieren auf der aktuellen Zinssituation und werden in der sogenannten Zinsstrukturkurve zusammengefasst.

Aufgrund des Zinseffektes führt die aktuelle Niedrigzinsphase bei der Bewertung der lang laufenden Lebensversicherungsverpflichtungen zu höheren Rückstellungen. Je höher diese Rückstellungen sind, desto geringer fallen die errechneten Kapitalpuffer (Eigenmittel) aus.

Solvency II trägt diesem Umstand durch Regeln zur Bewertung von Long-Term-Guarantees (langfristigen Garantien, kurz LTG) Rechnung. Die LTG-Maßnahmen beinhalten zum einen eine Übergangsfrist für die Anwendung der unter Solvency II vorgeschriebenen Zinskurve (Übergangsbestimmungen). So soll die neue Kurve nicht sofort nach dem Inkrafttreten von Solvency II greifen, sondern in den nächsten 16 Jahren schrittweise eingeführt werden. Zum anderen wird sichergestellt, dass bei langfristigen Kapitalanlagen kurzfristige Zinsschwankungen nur eingeschränkt ins Gewicht fallen (Volatilitätsanpassung).

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