Absi­che­rung

Schnaps­zahl­hoch­zei­ten sind die schwie­rigs­ten

Der August ist im Jahr 2018 der Hochzeitsmonat schlechthin. Was aber, wenn das Ja-Wort kurzfristig ausfallen muss? Hier kann eine Hochzeitsversicherung helfen. Von Sara Friedrich

Was für die einen der schönste Tag im Leben werden soll, bedeutet für die anderen Schwerstarbeit: Mit dem 8., 18. und 28.8.18 wartet der August in diesem Jahr mit gleich drei absoluten Wunschterminen für Heiratswillige auf. Und obwohl viele Standesämter Extraschichten einlegen, wird es für so manches Paar aus Termingründen nicht für die ersehnte Schnapszahlhochzeit reichen.

Wenn der Druck steigt, steigt auch das Risiko für einen Ausfall

Vielleicht ist das aber auch gar nicht schlecht, meint Marco Fuß, Hochzeitsplaner und Freier Trauredner in Berlin. „Aus meiner Erfahrung heraus sind gerade die ‚Schnapszahlhochzeiten‘ die schwierigsten. Hier dreht es sich nicht nur um das perfekte Datum, auch sonst muss alles absolut perfekt sein.“ Der selbstgemachte Druck und die Erwartungen seien besonders hoch. „Und wenn dann nicht alles klappt, wie gewünscht und erhofft, sind deswegen Hochzeiten leider auch schon ausgefallen.“ Gut, dass es da Menschen wie ihn gibt. „Der Hochzeitsplaner behält immer einen kühlen Kopf und beruhigt im Ernstfall die Gemüter“, berichtet Fuß.

Doch was geschieht, wenn das lange geplante und in der Regel nicht ganz günstige Fest unvorhergesehen ausfallen muss? Sei es, weil einer der Brautleute plötzlich schwer erkrankt, der zukünftige Schwiegervater unerwartet verstirbt oder der Opa aus dem Ausland wegen eines Unwetters nicht anreisen kann. Hier kann eine Hochzeitsversicherung helfen. „Bei Ausbruch des isländischen Vulkans konnten zum Beispiel die Eltern eines Bräutigams nicht rechtzeitig aus Amerika anreisen“, erzählt Mathias Kloth, der bei den Helvetia Versicherungen den Bereich Firmenkunden MultiRisk leitet. In einem solchen Fall übernimmt die Versicherung die Kosten, die mit der Absage oder Verschiebung der Feier verbunden sind – vorausgesetzt, das Brautpaar hat rechtzeitig eine solche Police abgeschlossen. Die Fristen variieren.

Versicherung greift nur, wenn Ehepartner nicht kneifen

Im Grunde ist es ähnlich wie bei einer Reiserücktrittsversicherung. Kann die Reise ins Glück nicht angetreten oder muss sie verschoben werden, ersetzt die Hochzeitsversicherung die Kosten. Und die können erheblich sein: Der Saal muss – zumindest anteilig – bezahlt werden, der Fotograf verlangt eine Kompensation und auch die Band bekommt ein Ausfallhonorar. Auch der Caterer bekommt eine Entschädigung, wenn er das Hochzeitsmenu schon eingekauft hat. Je nach Versicherer sind auch andere Ausfälle mit eingeschlossen. Einen wichtigen Ausschlussgrund gibt es aber – die Gefühle: Wenn es sich die Braut oder der Bräutigam anders überlegt, greift die Hochzeitsversicherung nicht. Vielleicht ein Trost: Einige Versicherer übernehmen wiederum die Psychotherapie für den zurückgelassenen Partner.

Ob sich der Abschluss einer Police lohnt, hängt vom Einzelfall ab. „Es kommt auf das Verhältnis zwischen Aufwendungen und Lebensstandard an“, sagt Michaele Völler vom Institut für Versicherungswesen an der TH Köln. Wer jahrelang auf die pompöse Hochzeit sparen müsse, sollte eher überlegen, wie viel ihm eine Absicherung wert sei. Würde ein zweiter Termin nur noch in kleinem Rahmen stattfinden können, weil das ursprüngliche Hochzeits-Budget von den Storno-Gebühren aufgefressen wurde, könne sich der Blick auf eine solche Police lohnen, sagt Völler. Aber auch mit guter Planung ließen sich die meisten Risiken minimieren.

Prämie ist abhängig von den Gesamtkosten

Die Prämie einer Hochzeitsversicherung hängt von den Gesamtkosten der Feierlichkeiten ab. Für Prinz Harry und Herzogin Meghan Markle war eine solche Police mit Sicherheit nicht günstig: Otto-Normalverbraucher könnten von der Prämie allein wohl eine pompöse Hochzeit ausrichten. Hochzeitsplaner gehen in Deutschland von durchschnittlichen Kosten um die 13.000 Euro pro Paar aus.  Die durchschnittliche Gästezahl liegt bei etwa 60 Personen.

Für eine Hochzeitspolice interessieren sich vor allem jene Paare, deren Feierlichkeit 5.000 Euro oder mehr kostet. Barbara Köster vom Versicherungsmakler Aon weiß: „Die klassische Hochzeit, die bei uns versichert ist, kostet zwischen 10.000 und 15.000 Euro.“ Ganz im Gegensatz zu den USA. Dort kostet eine Hochzeit nicht selten mehr als 30.000 US-Dollar. Ein Grund, warum Hochzeitsversicherungen dort auch viel gängiger sind, als hierzulande.

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