Jah­res­be­richt Ver­si­che­rungs­om­buds­mann

Schlich­tungs­stelle zählt weni­ger Beschwer­den

Die Zahl der zulässigen Verbraucherbeschwerden beim Versicherungsombudsmann ist 2018 um rund fünf Prozent zurückgegangen – bei der Lebensversicherung gar um fast 20 Prozent. Nach elf Jahren zog der scheidende Ombudsmann Günter Hirsch zum letzten Mal Bilanz.

Der Vorgänger darf noch ein letztes Mal berichten. Günter Hirsch hat zwar den Posten des Versicherungsombudsmanns zum 1. April an seinen Nachfolger Wilhelm Schluckebier abgegeben, aber das vergangene Jahr fällt eben noch in seine Amtszeit. So lässt er es sich nicht nehmen, die Zahlen und Fakten für 2018 zu präsentieren – verbunden mit einer Bilanz seiner insgesamt elfjährigen Amtszeit.

 „Ich bin gerne noch einmal angereist“, beginnt Hirsch lächelnd. Sichtlich stolz verweist er auf die über 200.000 Beschwerden, die in seiner Zeit verhandelt wurden. Und er nutzt den Moment des Abschieds noch für eine Grundsatzrede, mit der er die Wichtigkeit der Schlichtungsstelle hervorheben will. „Ich bin überzeugt, dass sich der Rechtsstaat bei den kleinen Streits der Bürger beweisen muss“, es dürfe keinen Unterschied zwischen „Recht haben“ und „Recht bekommen“ geben, erklärt Hirsch.

Weniger Beschwerden vor allem in der Lebensversicherung

Der Rechtsstaat hat sich 2018 aber seltener beweisen müssen. Die Zahl der Beschwerden beim Ombudsmann ist insgesamt deutlich zurückgegangen. Noch gut 14.000 zulässige Beschwerden hat es gegeben, über fünf Prozent weniger als 2017.

Den größten Rückgang gab es mit fast 20 Prozent im Bereich der Lebensversicherung. Gemessen an den mehr als 400 Millionen Versicherungsverträgen in Deutschland bewegt sich die Zahl der Beschwerden nach wie vor auf einem verschwindend geringen Niveau.

Scheidender Ombudsmann sieht Unabhängigkeit in Gefahr

Für den scheidenden Ombudsmann hat es 2018 keine überraschenden Entwicklungen bei den Beschwerden gegeben. Ihn bewegt ein anderes Thema. Argwöhnisch betrachtet Hirsch einen Gesetzentwurf der Bundesregierung zur allgemeinen Verbraucherschiedsstelle, die der Politik seiner Meinung nach weitreichende Kontrollmöglichkeiten einräume.

Er befürchtet, dass sich das Bundesamt für Justiz bei der unabhängigen Schlichtungsstelle einmischen will. „Es besteht die Gefahr der staatlichen Überwachung der privaten Schlichtung“, warnt Hirsch. Das Amt könne künftig Schlichtungsentscheidungen infrage stellen. Der neue Ombudsmann Schluckebier meldete sich zum Schluss nochmal zur Wort und beschwichtigte: Das Verfahren sei ja noch nicht durch.

 

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