Mille Mig­lia

Rol­lende Kul­tur­gü­ter - so sind Old­ti­mer ver­si­chert

Ob Nachkriegsmodell oder moderner Klassiker aus den 1970er-Jahren: Immer mehr Menschen begeistern sich für ältere Fahrzeuge, wie die am Donnerstag startende Oldtimerrallye Mille Miglia in Italien zeigt. Was Oldtimerfahrer beim Versicherungsschutz der rollenden Kulturgüter beachten sollten. Von Karsten Röbisch

Wer in nächsten Tagen durch Italien fährt, sollte sich nicht wundern, wenn ihm auf der Straße merkwürdig geformte Karossen begegnen. Rund 450 historische Ferrari, Jaguar, Alfa Romeo oder Mercedes-Benz starten am Donnerstag zur traditionsreichen Oldtimerrallye „Mille Miglia“, die über vier Tage von Brescia nach Rom und wieder zurückführt. Es ist ein automobiles Schaulaufen mit Exemplaren aus einer Zeit, als Autos noch brüllten wie Löwen und das Fahren Schwerstarbeit war.

Die Rennsportwagen auf der „Mille Miglia“ zählen zu den seltensten und teuersten Oldtimern überhaupt. Viel häufiger sind jedoch Fahrzeugklassiker jüngerer Baujahre, von denen etliche auch noch auf deutschen Straßen unterwegs sind. Seit Einführung des Historien-Kennzeichens 1997 hat sich die Zahl der offiziell als Oldtimer registrierten Pkw von knapp 170.000 auf rund 350.000 mehr als verdoppelt. Und gerade an den Wochenenden schwärmen die Besitzer zu Tausenden zu Spazierfahrten aus.

Für Oldtimer gibt es besondere Policen

Wie alle Fahrzeuge brauchen auch Oldtimer eine Kfz-Haftpflichtversicherung. Für sie gibt es spezielle Policen, die sich von normalen unterscheiden. „Die Haftpflichtprämien sind viel günstiger“, sagt Heidi Wörthmann, Inhaberin des Maklerhauses Oldtimer-Versicherungsdienst (OVD). Die Beiträge werden meist pauschal berechnet – abhängig vom Alter des Fahrzeugs. Dabei gilt: Je älter der PKW, desto niedriger ist der Beitrag. Einige Versicherer unterscheiden darüber hinaus nach der Leistung des Fahrzeugs. Schadenfreiheitsrabatte sowie Typ- und Regionalklassen spielen – anders als in der klassischen Kfz-Versicherung – dagegen keine Rolle.


Um eine Oldtimer-Versicherung abschließen zu können, müssen jedoch einige Voraussetzungen erfüllt sein. „Die Autos müssen zunächst einmal im Originalzustand und gut erhalten sein“, sagt Wörthmann. Zugleich dürfen die Besitzer ihre Oldtimer nur privat nutzen – und meist bloß als Zweitwagen. Fahrer oder Halter des Fahrzeugs müssen oft ein Mindestalter haben, die Versicherer verlangen zudem einen geschützten Stellplatz für das Auto. Auch die Fahrleistung ist begrenzt: „Die Obergrenze variiert je nach Anbieter zwischen 6000 und 9000 Kilometer pro Jahr“, sagt Wörthmann.

Fahrzeuge müssen in der Regel mindestens 25 Jahre alt sein

Auch das Fahrzeugalter ist entscheidend: Oldtimer-Policen gibt es in der Regel für Autos mit einem Mindestalter von 25 Jahren, mitunter auch für jüngere Fahrzeuge. Damit weichen die Versicherer von der allgemeinen Definition eines Oldtimers ab. Als solche gelten laut Fahrzeug-Zulassungsverordnung Autos, die mindestens 30 Jahre auf dem Buckel haben. Doch selbst für jüngere Fahrzeuge – den sogenannten Youngtimern – kann eine spezielle Police sinnvoll sein. Und zwar dann, wenn der Wert des Fahrzeugs den Preis für baugleiche, aber abgenutzte Modelle deutlich übersteigt.

Denn darum geht es den meisten Oldtimer-Besitzern: die Absicherung gegen Schäden am eigenen Wagen. Dafür brauchen sie einen Teil- oder Vollkasko-Schutz. Bei einer Oldtimer-Versicherung erstreckt sich der Deckungsumfang auf den Markt- oder Wiederbeschaffungswert. Auch die Beiträge orientieren sich daran. „Bei den Prämien handelt es sich um Festbeträge“, sagt Stephan Traut von TS-Assekuranzmakler Wolfgang Traut in München. Ein Schadenfreiheitsrabatt kommt nicht zum Tragen. Im Schadensfall müssten Versicherte jedoch auch keine Höherstufung befürchten, so Traut.

Fahrzeugwert regelmäßig überprüfen

Um die Kaskobeiträge ermitteln zu können, verlangen die Versicherer meist ein Wertgutachten. „Selbst wenn das nicht der Fall ist, empfehlen wir unseren Kunden, zumindest ein Kurzgutachten erstellen zu lassen“, sagt OVD-Chefin Wörthmann. Andernfalls könne es dem Versicherten im Schadenfall schwer fallen, den Wert seines Fahrzeugs zu belegen. War es nun ein wertvoller Oldtimer oder ein verschlissenes Altfahrzeug?

„Oldtimer-Fans sollten den Wert ihrer Liebhaberstücke auch regelmäßig überprüfen“, rät Traut. Andernfalls drohen Lücken im Versicherungsschutz. Bei weniger wertvollen Fahrzeugen reicht laut Traut eine Selbstbewertung aus. Besitzer sollten dafür die Entwicklung an den Preisbörsen verfolgen und Wertsteigerungen dem Versicherer melden – verbunden mit aktuellen Fotos vom Fahrzeug. Bei kostbaren Modellen sei jedoch ein aktuelles Gutachten erforderlich, so Traut. Es gibt auch Versicherer, bei denen ein zehnprozentiger Wertanstieg beitragsfrei mitversichert ist.

Oldtimerpreise steigen – aber nicht überall

Gerade in jüngster Vergangenheit sind die Preise für Oldtimer, aber auch für etliche moderne Klassiker deutlich gestiegen. Der Deutsche Oldtimer Index , der vom Automobilverband herausgegeben wird, hat sich seit 1999 mehr als verdoppelt. Der Index bildet die Wertentwicklung der 88 gängigsten Oldtimermodelle in Deutschland ab und ist damit repräsentativ für den Gesamtmarkt.

Doch nicht in allen Segmenten verläuft die Entwicklung gleich: „Der Oldtimer-Markt lässt sich nicht über einen Kamm scheren“, betont Mika Hahn, Center-Manager der Classic Remise in Düsseldorf. Während die Preise für gut erhaltene und seltene Modelle stark gestiegen seien, hätten uninteressante Oldtimer eher an Wert verloren. Entscheidend sind laut Hahn viele Faktoren, vor allem der Originalzustand und die Fahrzeughistorie: Handelt es sich um eine bekannte Marke? Und gab es gar berühmte Vorbesitzer? Auch Erstbesitzfahrzeuge seien interessant, so Hahn.

Für die Mehrheit der Oldtimer-Fans spielt der Wert ihres Fahrzeugs ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. Viele hätten eine emotionale Verbindung zu ihrem Fahrzeug, betont Hahn. „Und ihre schönste Rendite ist der Fahrspaß.“

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