Geför­derte Alters­vor­sorge

Ries­ter för­dert vor allem Gering­ver­die­ner beson­ders gut

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat zusammen mit der Freien Universität Berlin (FU Berlin) eine Studie zu den Verteilungswirkungen der Riester-Rente vorgelegt. Im Kern kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass vor allem Gutverdiener von der staatlich geförderten Altersvorsorge profitieren. Die Studie greift jedoch zu kurz, tatsächlich profitieren von den Riester-Zulagen vor allem Geringverdiener und Familien.

Die Autoren stellen fest, dass die oberen 20 Prozent der Einkommenspyramide 38 Prozent der aus Zulagen und Steuerersparnissen bestehenden Förderung der Riester-Rente in Anspruch nehmen. 62 Prozent kommen demnach den übrigen Einkommensgruppen zu Gute. Die unteren 20 Prozent profitierten nur von etwa 7 Prozent des gesamten Fördervolumens.

Gleichzeitig heißt es in der Studie (PDF) aber auch, dass sich die Förderung auf die verschiedenen Bevölkerungsgruppen insofern neutral verteilt, als die Förderanteile in etwa auch der Einkommensverteilung entsprechen: Die oberen 20 Prozent repräsentieren also auch ungefähr 40 Prozent der verfügbaren Einkommen. Die besonders Geringverdiener und Familien fördernde Wirkung der Riester-Zulagen kompensiert folglich die höhere Partizipationsquote der Haushalte mit höherem Einkommen.

Peter Schwark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, weist vor diesem Hintergrund auf die Besonderheiten der Riester-Rente hin. „Die Förderung war nie dafür gedacht, allein oder vor allem Geringverdiener bei der Altersvorsorge zu unterstützen“, sagt Schwark. Vielmehr gehe es darum, den Menschen, die von einem demographiebedingt sinkenden Rentenniveau betroffen sind, ein Angebot zu machen, das ihnen beim Schließen der neu entstandenen Lücken hilft.

Fördereffekt bei Menschen mit geringen Einkommen überproportional groß

Grundsätzlich sind die Riester-Zulagen so strukturiert, dass sie einen überproportionalen Fördereffekt bei Menschen mit geringen Einkommen und bei Familien haben. Die Studie analysiert jedoch nicht nur die Verteilungswirkung der Zulagen. Sie betrachtet auch die steuerliche Abziehbarkeit der Beiträge, die wegen der höheren Steuersätze Besserverdienende wie bei der betrieblichen Altersversorgung begünstigt.

Was die Zulagen angeht, sprechen die Zahlen der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) eine eindeutige Sprache:

  • 64,8 Prozent der Zulagen werden an Menschen ausgezahlt mit Einkommen bis 30.000 Euro. 25 Prozent der Zulagen gehen an Menschen mit Einkommen unter 10.000 Euro.

  • 1,87 Milliarden Euro der Grund- und Kinderzulagen werden an Frauen ausgezahlt, 820 Millionen Euro an Männer.

  • Ost-West-Vergleich: Ein größerer Anteil der Menschen in den neuen Bundesländern partizipiert bei Riester.

Vergleich mit den USA zeigt soziale Ausgewogenheit von Riester

Die Studienautoren vergleichen die Verteilungswirkungen bei der Riester-Förderung auch mit alternativen Fördersystemen etwa in den USA. Die Förderung beinhaltet dort eine ausschließliche steuerliche Förderung, die wegen des ebenfalls progressiven Steuersystems besonders den Besserverdienenden nutzt.

Da es in den USA jedoch keine der Riester-Förderung vergleichbare Zulagen gibt, die Geringverdiener und Familien besonders fördern, sind dort die Verteilungswirkungen in extremen Maße ungünstiger als in Deutschland: 70 Prozent des Fördervolumens in der Ansparphase entfallen dort auf die oberen 20 Prozent der Einkommenspyramide, die unteren 20 Prozent profitieren überhaupt nicht.

Riester-Rente unterliegt nachgelagerter Besteuerung

Schließlich wurden auch die Verteilungswirkungen der Riester-Rente in der DIW/FU-Studie nicht vollständig erfasst. Denn dazu muss auch die Rentenphase in Betracht gezogen werden. Ein Teil der Riester-Förderung, die steuerliche Abziehbarkeit der Beiträge, ist nur eine Steuerstundung. Wegen der mit dem Einkommen steigenden Steuersätze sparen Menschen mit höherer Steuerbelastung zwar zunächst mehr Steuern. Die Riester-Rente unterliegt jedoch der nachgelagerten Besteuerung und ist in der Rentenphase steuerpflichtig.

„Gerade Haushalte mit höheren Einkommen werden im Rentenalter einen Teil der steuerlichen Förderung in Form von höheren Steuerzahlungen wieder zurückzahlen müssen. Bei Beziehern geringer Einkommen sind in vielen Fällen durch die Grundfreibeträge im Alter gar keine oder nur geringe Steuern fällig“, erläutert Schwark.

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