Ver­si­che­rungs­tag 2014

Rede von Alex­an­der Erd­land


Die Rede von Alexander Erdland im Wortlaut:

Als am 5. Mai 1842 in der Deichstraße 42 am Hamburger Nikolaifleet bei dem Zigarrenmacher Cohen ein Feuer ausbrach, da ahnte noch niemand, welche verheerenden Folgen das haben würde. Die Hamburger Feuerwehr mit dem legendären Spritzenmeister Repsold musste schon wenige Stunden nach Ausbruch dieses Infernos ihre Arbeit einstellen. Auf dem Wasser des Hamburger Hafens brannte der Spiritus, und selbst der Himmel schien Feuer gefangen zu haben. Die Glocken der St.-Petri-Kirche läuteten bis der Glockenturm kollabierte und ganz Hamburg in Schutt und Asche fiel. Und dieses Unglück ging um die Welt und sorgte für Entsetzen. Und die Hamburger: Sie bauten ihre Stadt wieder auf – schneller und schöner als je zuvor. Bezahlt zu großen Teilen von der Hamburger Feuerkasse von 1676. Der bekannte deutsche Philosoph und Naturwissenschaftler Gottfried Wilhelm Leibniz hat in einer Veröffentlichung über die Assekuranzen die Feuerkasse in Hamburg als ein „trefflich Ding“ bezeichnet, als eine „herrliche Sach“ und er hat sie dem damaligen Kaiser Leopold I wärmstens zur Nachahmung empfohlen.

Warum erzähle ich Ihnen das, meine Damen und Herren? Die Versicherung ist als Prinzip ökonomischer Solidarität ein Kind der Aufklärung. Sie steht nicht nur ganz am Anfang der Moderne, sie hat unser modernes Leben und Arbeiten erst möglich gemacht. Wir sind bis auf den heutigen Tag Teil der Moderne. Die Wirtschaft des Teilens und des Teilhabens, zu neudeutsch die Sharing-Economy gilt derzeit als chic, ist in aller Munde, man teilt Autos, man teilt Software, man teilt Wohnungen. Das aber ist alles keine neue Erfindung. Wir Versicherer sind schon seit ein paar Jahrhunderten dabei. Versicherung verkörpert von ihren Anfängen her schon die Sharing Economy, und das in Bezug auf besondere Betroffenheit. Wir teilen keine Gegenstände, sondern wir teilen Risiken. Versicherungen sind als Teil der Aufklärung eine Kombination von rationaler Berechnung und persönlicher Solidarität. Bis heute überzeugen wir Millionen Menschen davon, Risiken gemeinsam zu teilen, sich zu versichern gegen Krankheit, gegen Tod und Unfall, ja inzwischen sogar gegen Rufmord im Internet.

Meine Damen und Herren,
es ist ein Grundbedürfnis der Menschen, Risiken zu begrenzen. Das Bedürfnis nach Absicherung ist daher groß und umfassend und gerade deshalb braucht es ein enges, ein starkes Vertrauensverhältnis zwischen den Versicherungen und den Kunden. Ich bin hier bei einem Leitmotiv unserer heutigen Veranstaltung. Wenn ich einem Versicherungsunternehmen Geld anvertraue, um vorzusorgen, damit ich auch schwierigste Zeiten überstehe, dann muss ich ihm vertrauen können. In kaum einem anderen Verhältnis, das unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft kennt, ist Vertrauen also derart unverzichtbar wie zwischen der Versicherungsgesellschaft und ihren Kunden. Daher sind wir an dieser Stelle so sensibel und wir müssen es sein.

Natürlich wissen Sie, wie wir alle, dass niemand und nichts frei von Fehlern ist, wie leicht sich einzelne Fehltritte zu einem Urteil über eine ganze Branche verfestigen. Und das nicht nur im Journalismus unserer Tage, der immer häufiger zu der Ware Skandalisierung greift. Nein, wir finden das insoweit ganz unverdächtig, selbst bei Thomas Mann – also in der Weltliteratur. In den Buddenbrooks ist der größte Bösewicht ein Versicherungsdirektor: Hugo Weinschenk, unsympathisch, glatt, neureich. Und er ist ein Betrüger. Er kommt am Ende ins Gefängnis.

Für manchen Knick in der Beliebtheitsskala sind wir selbst verantwortlich. Keine Frage – manche dieser unschönen Geschichten haben uns getroffen. Manche dieser Geschichten sind skandalös und wir stellen uns der Kritik. Vertriebsskandale – das geht gar nicht. Urteile zum Verbraucherschutz, die gar nicht oder erst auf den letzten Drücker umgesetzt werden, das geht gar nicht. Fehlberatung oder unverständliche Produkte – kein Pardon. Manchmal denke ich, an der einen oder der anderen Stelle wäre auch bei uns – wie etwa in der Automobilindustrie – eine Rückholaktion angebracht gewesen.

Wir werden solche Missstände weiter benennen, sie uneingeschränkt verurteilen und ihnen auf den Grund gehen. Und wir werden versuchen, Wiederholungen zu vermeiden, aus Fehlern zu lernen. Denn wenn wir uns an dieser Stelle etwas ins Stammbuch zu schreiben haben, dann den berühmten Satz von Warren Buffet: „It takes 20 years to build up a reputation and it takes only five minutes to ruin it“.

Meine Damen und Herren,
das ist nur eine Seite der Medaille. Ich bin weit davon entfernt, diese Rede als Beichtstuhlgespräch zu betrachten. Wir nehmen diese Geschichten nicht einfach hin, wir tun etwas, nicht erst seit gestern. Schritt für Schritt treiben wir die Erneuerung der Versicherungswirtschaft voran.
Wir kümmern uns, dass die Kunden ihre Verträge besser verstehen können. Deswegen haben wir viele unserer Musterbedingungen gründlich überarbeitet und uns dabei beraten lassen. Ein renommierter Sprachwissenschaftler hat unsere Musterbedingungen entschlackt und sprachlich veranschaulicht. Das Ziel ist klar: Verständlichkeit statt juristischer Bandwurmsätze.

Wir haben das Institut des Ombudsmanns geschaffen, denn Vertrauen braucht Verlässlichkeit und das Zutrauen, dass man im Fall von Meinungsverschiedenheiten einen Ausgleich sucht. Andere Branchen haben den Ombudsmann inzwischen kopiert. Wir können stolz darauf sein. Vom selben Geist getragen, ist unsere Weiterbildungsinitiative „gut beraten“. In Partnerschaft mit den Verbänden der Vermittler fördern wir die weitere Professionalisierung in der Versicherungsvermittlung.

Unserem Verhaltenskodex für den Vertrieb haben sich weitere Teile der Branche angeschlossen. Dass sich die Versicherer von unabhängigen Dritten hierbei auf den Zahn fühlen lassen, ist ein außerordentlicher Schritt, den bisher keine andere Branche gegangen ist. In wenigen Monaten werden die ersten Ergebnisse zu sehen sein.

Wir achten auf die Kritik und Ratschläge der Verbraucherschützer. In wichtigen Gremien arbeiten wir mit ihnen zusammen. Mit großem Interesse beobachten wir die neuen Aufgaben der sogenannten Finanzmarktwächter und bieten ihnen einen offenen und konstruktiven Dialog an. Im Ergebnis geht es um Transparenz, Qualität, Nachhaltigkeit in der Beratung, beim Abschluss und in der immer wichtiger werdenden weiteren Betreuung unserer Kunden. Deshalb ist der Weg der Erneuerung unverzichtbar. Entscheidend wird dabei sein, dass wir uns nicht nur neue Regeln geben und neue Einrichtungen schaffen, sondern, dass wir diese Werte auch täglich leben.

Ich bin in meinem Vortrag jetzt von der Geschichte kommend dort angelangt, wo wir heute stehen. Die Versicherungsbranche ist ein Wachstumsmotor. Die Versicherungen geben Rückhalt, damit Menschen und Unternehmen die mit ihrem Leben und mit ihrem Handeln zusammenhängenden Risiken eingehen können.

Die deutschen Versicherer leisten 568 Millionen Euro pro Tag an ihre Kunden. Das macht über 207 Milliarden Euro im Jahr. Wir geben Sicherheit, gerade auch den kleineren und mittleren Unternehmen. Das Engagement der Kreditversicherer für den Außenhandel ist so hoch wie noch nie. Sie decken bis zu 190 Milliarden Euro und damit 15 % der deutschen Ausfuhren insgesamt. Die Versicherungswirtschaft ist ein wichtiger Arbeitgeber und Ausbilder – direkt und indirekt. Für 1,3 Millionen Menschen schaffen wir Beschäftigung. Sie gehört zu den ausbildungsstärksten Branchen. Allein die Versicherer hatten zuletzt fast 13.000 Auszubildende, von denen übrigens mehr als 70 % dann auch übernommen werden. Und wir sind mit Kapitalanlagen von knapp 1,4 Billionen Euro einer der wichtigsten institutionellen Investoren.

Ich nenne diese Zahl nicht, um uns als Branche wichtig zu machen. Die Zahlen beweisen vielmehr, wie hoch in unserer modernen Gesellschaft der Bedarf an Absicherung ist und wie wichtig diese Dienstleistung ist für Fortschritt und Wachstum.

Meine Damen und Herren,
ich bin froh, dass diese Bedeutung des Prinzips Versicherung und unserer Branche insgesamt auch von der Bundesregierung gesehen wird. Denn es gibt Herausforderungen, die können wir nicht allein bewältigen – etwa die Niedrigzinsproblematik. Eine entscheidende Weichenstellung hat in diesem Jahr der Bundestag vorgenommen mit dem Lebensversicherungsreformgesetz. Gemeinsames Ziel von Politik und Versicherungswirtschaft war – und ich darf hier den Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zitieren – „die Attraktivität der Lebensversicherung als ein zentrales Instrument der Altersvorsorge der Menschen in unserem Land langfristig und nachhaltig zu wahren“.

In vielerlei Hinsicht ist das Gesetz gelungen. Bei einigen Maßnahmen haben wir aber bis heute Bauchschmerzen. Dennoch – ich weiß natürlich, dass es sich um ein außergewöhnlich schwieriges Gesetzgebungsverfahren gehandelt hat. Ich möchte daher allen Beteiligten danken, die sich für eine ausgewogene Lösung eingesetzt haben. Fest steht, dieses Gesetz ist ein Meilenstein für die Lebensversicherung. Es bestätigt die Lebensversicherung in ihrer gesellschaftspolitischen Bedeutung für die Altersvorsorge in Deutschland. Es öffnet uns den Rahmen, die Lebensversicherung an die neue Realität niedrigerer Zinsen anzupassen. Und es wird Innovationen fördern in Richtung Vertrieb, in Richtung Transparenz, in Richtung Produkte, Stabilität und Wettbewerb.

Die Regulierung schreitet weiter voran, meine Damen und Herren. Es gilt, das europäische Aufsichtsregime unter Solvency II klug umzusetzen und anzuwenden. Bei der Herausforderung der Zukunft brauchen wir eine gute Regulierung. Über die Anforderung an eine gute Regulierung kann man sich trefflich streiten, man kann das diskutieren. Doch 491 EIOPA-Leitlinien, allein im ersten Schritt zur Umsetzung, das ist definitiv ein Übermaß an Regulierungseifer. Viel Regulierung ist nicht gleich gute Regulierung. Wir sollten Solvency II erst starten und dann prüfen, ob überhaupt weiterer Regulierungsbedarf besteht. Wenn wir maßhalten in der Regulierung, dann wird ein hochmodernes Aufsichtssystem entstehen, das dem zentralen politischen Ziel entspricht, Vertrauen in die Branche zu stärken.

Denn gute Governance, gutes Risikomanagement, eine gute Sicht auf die Risiken, gute Compliance, das alles ist für unsere Kunden und für unser Ansehen als Versicherer wichtig. Gute Aufsicht trägt somit entscheidend zum Vertrauen in unsere Branche bei. Aber – damit Regeln funktionieren können – braucht es auch die Verlässlichkeit der politischen Rahmenbedingungen. Wir müssen uns ganz besonders auf die verlassen, die uns regulieren. Gerade hier – insbesondere auf europäischer Ebene – beobachten wir mit Sorge, dass immer mehr administriert und immer weniger parlamentarisch beschlossen wird. Parlamentshoheit und nationale Aufsichtsverantwortung müssen gewahrt bleiben.

Meine Damen und Herren,
der extreme Niedrigzins belastet unsere Lebensversicherer, wie die BaFin-Vollerhebung gerade gezeigt hat. Doch das ist längst nicht alles. Ich sehe eine viel schwerwiegendere Folge auf uns zukommen. Wir Deutsche, heißt es, hätten eine besondere Beziehung zum Geld. Und wir seien die Nation der Sparer. „Sparsamkeit in allen Dingen ist die vernünftige Handlung eines rechtsdenkenden Menschen“, so hat Immanuel Kant formuliert. Jahrzehntelang haben wir ihn in Deutschland beim Wort genommen und unseren Bürgern gesagt, Zinssparen ist richtig und gut. Wir haben uns das Prämiensparen ausgedacht, den Weltspartag, ja sogar den Sparfuchs als Werbeträger erfunden. So hat sich Sparkultur in Deutschland entwickelt. Und nun?

Die extreme Zinsentwicklung erschüttert das Vertrauen der Menschen. Familien, Arbeitnehmer, Rentner, sie alle fragen sich beim Blick auf die Zinsen und auf ihre Altersvorsorge: „Haben wir einen Fehler gemacht?“, oder „wurden wir getäuscht?“ Vor allem die jungen Leute, die also, die es angesichts der demografischen Entwicklung und den sich auftürmenden Zukunftslasten am Nötigsten hätten, ausgerechnet die verlieren das Vertrauen in die Vorsorge. Es hat noch keine Generation in der Bundesrepublik gegeben, die sich so wenig um die Altersvorsorge gekümmert hat, wie die heute 25- bis 40-Jährigen. Dies muss uns allen Sorge bereiten. Wir müssen die Weichen in die Zukunft so stellen, dass wir eine nachhaltige Entwicklung sicherstellen, damit die Menschen wieder das Vertrauen in den Sinn und die Sicherheit ihrer Altersvorsorge zurückgewinnen.

Meine Damen und Herren,
lassen Sie mich sechs politische Maxime formulieren. Die erste heißt: Europa stärken.

Die deutschen Versicherer sind vom Wert der europäischen Einigung überzeugt. Die Europäische Union ist eine Werte- und Friedensunion. Und sie muss auch eine Wohlstandsregion sein. Eine Wohlstandsgemeinschaft – und die Menschen müssen das auch so empfinden und mit Europa in Verbindung bringen. Europa steht für Demokratie, für Rechtsstaatlichkeit, für eine Wettbewerbsordnung und für soziale Sicherheit. Wir unterstützen den Ansatz der neuen Kommission unter Jean-Claude Juncker für eine Rechtssetzung mit Augenmaß und eine Politik, die immer wieder kritisch fragt: „Was muss europäisch geregelt werden und was sollte besser weiter national entschieden werden?“ Wir treten ein für ein Europa der Bürger.

Zweitens: Wachstum beleben.

Wie kaum eine andere Branche sind wir Versicherer in der Gesellschaft verwurzelt. Wir tragen zum Wachstum der Wirtschaft bei. Nach Berechnungen der Prognos AG lässt sich ein Achtel der gesamten deutschen Wertschöpfung im Jahr auf die Versicherungswirtschaft zurückführen. Um aber ganz Europa auf einen nachhaltigen Wachstumskurs zurückzubringen, ist es dringend erforderlich, durch strukturelle Reformen Voraussetzungen dafür wirklich nachhaltig zu schaffen. Dann kommt hoffentlich auch die EZB aus dem jetzigen Hamsterrad der immer lockereren Zinsen heraus. Denn die jetzige Strategie wird kein nachhaltiges Wachstum herbeizwingen, führt aber zu immer gravierenderen Fehlanreizen und Folgeschäden, nicht zuletzt für unsere Altersvorsorge.

Damit bin ich bei Punkt 3: Generationengerechtigkeit schaffen.

Den demografischen Wandel so zu gestalten, dass die Gesellschaft weiter zusammenhält, stellt Wirtschaft und Politik vor die vielleicht größte Herausforderung der kommenden Jahrzehnte. Sie wird nur gelingen, wenn wir alle drei Säulen unseres bewährten Systems der Altersvorsorge mit Weitsicht fortentwickeln, also gesetzliche, betriebliche und private Altersvorsorge. Dabei müssen die Maßnahmen ineinandergreifen. Keine Säule darf bevorzugt werden.

Viertens: Eigenvorsorge stärken.

Die Folgen des Klimawandels sind noch gar nicht absehbar. Bei der Bewältigung der Folgen von Naturgefahren setzen wir auf die Eigenverantwortung der Menschen. Auch hier, sie zu informieren und zu Selbstverantwortung zu befähigen, das ist unsere vornehmste Aufgabe. Mit aller Kraft unterstützen wir daher den Vorstoß der deutschen Umweltminister für ein nationales Naturgefahrenportal.

Fünftens: Gute Regulierung anregen.

Ich sage es an dieser Stelle noch mal: Wir Versicherer sind für gute Regulierung. Nationale Gesetzgebung muss europäische Vorgaben angemessen umsetzen und – wo nötig – sinnvoll ergänzen, aber auch nicht mehr. Und wir wehren uns, wenn das Provisionsverbot durch die Hintertür der Brüsseler Trilogverhandlungen zur Vermittlerrichtlinie eingeschleust werden soll. Das ist ein Irrweg, an dessen Ende schlechtere Beratung gerade für diejenigen steht, die sich keine teure Honorarberatung leisten können.
Sechstens: Infrastruktur entwickeln:
Unser Geschäftsmodell macht uns zu natürlichen Partnern der Investitionsoffensiven in Deutschland und auch in Europa. Wir wollen langfristig in Infrastruktur investieren. Dazu brauchen wir die richtigen Weichenstellungen, verlässliche Rahmenbedingungen, die geeigneten Projekte und die Beseitigung regulatorischer Hemmnisse. Dann stehen wir als Partner für die Politik bereit, um mit unserem Beitrag zur Finanzierung der Infrastruktur das Wachstum der Gegenwart und die Wachstumschancen der Zukunft gleichzeitig zu stärken.

Wo wollen wir hin, meine Damen und Herren?

Glaubwürdigkeit ist ein zentraler Wert, denn wir wollen, dass Politik und Gesellschaft unsere Anliegen ernst nehmen. Wenn Sie mich fragen, was die wichtigsten Qualitäten des guten Versicherers sind, so habe ich folgende drei parat. Erstens: Leistungsversprechen einhalten für Ihre Kunden, das heißt Verlässlichkeit. Zweitens: Produkte, die dem tatsächlichen Bedarf der Kunden entsprechen, das heißt Ehrlichkeit. Und drittens: Angebote, die unsere Kunden verstehen können, das heißt Transparenz. So verstehe ich im Alltag gelebte Verantwortung.

Klar ist, mit dem Erreichten können wir noch nicht zufrieden sein. Klar ist aber auch, dass die Erneuerung weitergehen muss. Ja, vielleicht stehen wir hier gar erst am Anfang. Aber wir meinen es ernst und wir beweisen es. Nehmen wir den Dialog mit der Gesellschaft. Vor wenigen Tagen haben wir zusammen mit dem Institut für Demoskopie in Allensbach unsere neue Studie über die Generation Mitte veröffentlicht. Das ist die Generation der Leistungsträger zwischen 30 und 59. Wir haben nach ihren Sorgen, nach ihren Hoffnungen, auch ihren Träumen gefragt und herausgekommen ist, eine Generation der Widersprüche.

Greifen wir den Megatrend Demografie auf: 90 % der von Allensbach Befragten, rechnen mit starken sozialen Folgen der Alterung in unserer Gesellschaft, doch nur ein Drittel glaubt, dass sich das auch auf das persönliche Umfeld auswirken wird. Ähnliches zeigt sich bei dem Thema Digitalisierung. Die Generation Mitte sorgt sich um die Folgen von Google und Co., treibt die Entwicklung aber gleichzeitig mit voran – oder andersrum, man kauft Bücher und Mode online und klagt im selben Augenblick darüber, dass die Buchhandlung oder die Buchboutique um die Ecke verschwindet. Sechs von zehn der Befragten, geben für Bonusprogramme oder Rabatte ihre Daten preis, gleichzeitig haben 90 % der Leute Angst vor Datenmissbrauch.

Die Umfrageergebnisse sind ein klarer Hinweis auf die Aufgaben – auch das hat sich gezeigt – vor denen unsere Branche steht. Wenn die Versicherungen ihren Anspruch ernst nehmen, nahe an den Kunden und den Menschen und an der Bewältigung ihrer Lebensrisiken zu sein, dann müssen wir auch im unternehmerischen Handeln auf die Veränderungen in der Gesellschaft reagieren – und genau das tun wir.

Die deutsche Assekuranz spürt die gewaltige Kraft und die Beschleunigung, die die Digitalisierung entfaltet. Mir gefällt der Begriff „zweites Maschinenzeitalter“, den das Massachusetts Institut for Technology geprägt hat. Die revolutionären Effekte dieser Entwicklung sind in Vielem noch gar nicht richtig oder vollständig zu ermessen. Digitalisierung verändert Vertriebswege, Produkte, Prozesse. Sie wird im Wettbewerb um Kunden gerade bei Service und Effizienz immer wichtiger. Und auf den Datenschutz kommt eine ganz neue Herausforderung zu.

Seit Jahren wächst die Zahl von Privat- und Kleinanbietern. Bei uns entstehen neue Märkte und neue Bedarfe an Kleingewerbeversicherungen, Kurzzeitpolicen, die Sie über Apps für ein paar Cents kaufen können. Daneben gibt es Produkte, die Sie je nach Temperament und Nutzungsdauer herunterladen laden – pay per use – heißt das Neudeutsch. So kommt es zu immer neuen mobilen Anwendungen für Kunden und Vertrieb. Ich las neulich den Satz: „Wir Versicherer müssen in der Agentur genauso daheim sein, wie im Social Web und der Cloud“.

Voraussetzung ist aber, wir müssen mit den Daten unserer Kunden korrekt umgehen. Es sind Daten, die sich immer mehr aus den verschiedensten Quellen speisen und zu uns kommen. Deswegen müssen wir auf vielen Ebenen zugleich aktiv und wachsam sein. Wir haben uns mit dem Code of Conduct strenge Regeln für das Datenmanagement gesetzt. Als eine der ersten Branchen, hat die Versicherungswirtschaft ein Krisenreaktionszentrum aufgebaut, quasi eine Branchenfeuerwehr für Hackerangriffe. Es gibt bereits seit 1993 ein speziell abgeschirmtes Branchennetz, das eine sichere Kommunikation zwischen Versicherungen, aber auch mit Behörden und Anwaltskanzleien ermöglicht. Und jetzt haben wir es geschafft, dass sichere Kommunikation auch mit einer Cloud zu erreichen ist. Wir können damit unsere Daten sicher und geschützt durch das Internet bringen. Unsere Versicherungscloud hat als erste Cloud überhaupt das Sicherheitszertifikat des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik erhalten.

Meine Damen und Herren,
beim Datenschutz fühlen wir uns unseren Kunden also besonders verbunden. Hier sind wir definitiv nah an den Menschen. Denn wir wissen nicht zu zuletzt aus unserer aktuellen Allensbach-Umfrage: Nichts beschäftigt die Menschen derzeit mehr als die Sorge um die Sicherheit ihrer persönlichen Daten.

Mit der digitalen Welt ändert sich das Verhalten unserer Kunden. Sie sind auf allen Kanälen aktiv, informieren sich digital, wollen analog gut bedient werden, suchen flexible Produkte, schnellen Service. Der Kunde will mitwirken und die Wahl der Produkte und der Dienstleistung selbstständig treffen. Es wird immer weniger nur vermittelt und immer mehr verglichen. Wir entwickeln unsere digitalen Angebote jeden Tag weiter. Ein positiver Nebeneffekt: Die Kunden nehmen uns als moderne Unternehmen wahr, die hellwach sind für neue Potenziale und Erwartungen.

Dabei haben wir alle gelernt, dass die Kunden so viel Marktmacht haben, wie nie zuvor. Rechtsprechung, verbraucherpolitische Interessenvertretung und Digitalisierung festigen diesen Trend. Das eröffnet auch neue Chancen im Wettbewerb über Qualität, über Präsenz und Kommunikation. Menschliche Qualitäten, wie persönliches Interesse, Respekt, Verantwortungsbewusstsein im Kern unseres Geschäftsmodells, bleiben gerade jetzt aber wichtiger denn je.

Meine Damen und Herren,
ich komme zum Schluss. Die deutsche Versicherungswirtschaft wird gleichzeitig von drei fundamentalen Kraftfeldern herausgefordert, von tief greifenden Veränderungen in unserer Gesellschaft, demografisch, kulturell, psychologisch. Von einem offenbar lang anhaltenden Niedrigzinsumfeld und von fundamentalen Veränderungen des Regulierungsrahmens. Wir müssen unserer unternehmerischen Verantwortung in diesen sich dramatisch verändernden Verhältnissen gerecht werden. Deshalb gibt es nur eine Antwort: Wir werden den Kurs der Erneuerung fortsetzen, ich meine sogar verstärken.

Meine Damen und Herren,
soziale Verantwortung und das ökonomisch verantwortlich handelnde Individuum sind für uns kein Gegensatz. Verantwortung in diesem übergeordneten Sinne heißt für uns Versicherer, dass wir gegenüber der Gesellschaft mit ihren vielfältigen Veränderungen besonders verpflichtet sind. Wir müssen unserer Aufgabe gerecht werden, Risiken abzusichern, auch unter den Rahmenbedingungen der Zukunft. Wir müssen stark genug sein, den Menschen, Unternehmen und Institutionen auch weiterhin überzeugende, tragfähige Möglichkeiten zu geben, alte und neue Risiken in einem solidarischen System miteinander zu teilen.

Verehrte Gäste,
Sie können darauf vertrauen: Die Versicherer werden dem Menschen auch in Zukunft Sicherheit geben. Wir tun das, weil wir wollen, dass unsere Kunden frei bleiben, mutig zu sein.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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