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Raus aus der Sta­gna­tion in der Alters­vor­sorge

Die Mehrheit der Deutschen erwartet, dass sie sich im Alter einschränken muss. Trotzdem ist die Bereitschaft, für das Alter vorzusorgen, unverändert niedrig. Nur 26 Prozent der Bundesbürger sind bereit, „einiges“ für ihre Altersvorsorge auszugeben. 2001 waren es noch 45 Prozent. Das zeigt eine repräsentative Allensbach-Umfrage für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Trotz eines Rekordhochs bei der Beschäftigung stagniert die Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung (bAV), und gibt es nur noch geringe Zuwachsraten bei der Riester-Rente. Um die bestehende Vorsorgeblockade zu lösen, plädieren die deutschen Versicherer für eine Vereinfachung der bAV und eine Weiterentwicklung der privaten Vorsorge.

Die betriebliche Altersversorgung muss einfacher …

„Die betriebliche Altersversorgung in Deutschland ist heute schon zu komplex. Das ist ein wesentlicher Grund, warum ihre Verbreitung vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen stockt“, erläuterte Frank-Henning Florian, Vorsitzender des Sozialpolitischen Ausschusses des GDV und Vorstandsvorsitzender der R+V Lebensversicherung AG. In dem vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) vorgeschlagenen Tariffonds („Neues Sozialpartnermodell Betriebsrente“ ) sieht er deshalb nicht das Potential, um die Verbreitung der bAV anzustoßen.

Die Einführung eines freiwilligen Opting-Out würde einen echten Impuls für mehr bAV geben. Beim Opting-Out würde im Arbeitsvertrag eine automatische Gehaltsumwandlung zum Betriebsrentenaufbau verankert werden. Arbeitnehmer müssten sich dann aktiv gegen eine betriebliche Altersvorsorge entscheiden. In anderen Ländern, etwa den USA oder Großbritannien, konnten die Beteiligungsquoten in der bAV dadurch spürbar erhöht werden.

Für Arbeitgeber sollte außerdem die Möglichkeit geschaffen werden, ihre bAV möglichst nur über einen Durchführungsweg anbieten zu können. Es wäre für sie eine erhebliche Entlastung, wenn sie nicht mehrere Durchführungswege mit unterschiedlicher sozialversicherungs- und steuerrechtlicher Behandlung und jeweils eigenen Schnittstellen zu Anbietern verwalten müssen. Dazu müsste der steuer- und sozialversicherungsrechtliche Dotierungsrahmen pro Durchführungsweg erweitert werden.

… und attraktiver werden

Um die bAV für Beschäftigte attraktiver zu machen, sollte die Belastung der bAV-Leistungen mit Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen gesenkt werden. Aktuell müssen auf die Betriebsrenten dauerhaft Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge gezahlt werden. Angesetzt wird dabei der volle Beitragssatz. Das bedeutet für Betriebsrentner eine Leistungskürzung von rund 20 Prozent.

Die heutige steuerliche Förderung in der bAV geht zudem an Arbeitnehmern mit geringen Einkommen oft vorbei. Ein einfaches Zuschussmodell für die betriebliche Altersversorgung würde diese Einkommensgruppe gezielter erreichen. Denkbar wäre zum Beispiel auch ein pauschaler steuerlicher Zuschuss an den Arbeitgeber, um den Aufbau einer bAV für Geringverdiener besonders zu fördern.


Abbau der kalten Progression bei Riester

Mit betrieblicher Altersversorgung können nicht alle Bevölkerungsgruppen erreicht werden. Gerade für Menschen mit häufig wechselnden Beschäftigungsverhältnissen ist die Riester-Rente die bessere Alternative. Für Geringverdiener ist sie aufgrund der Zulagenförderung ohnehin die erste Wahl. Allerdings ist die staatliche Förderung im Verhältnis zum Eigenanteil der Sparer bei der Riester-Rente seit 2002 um fast 25 Prozent gesunken.


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