Ver­si­che­rungs­ver­trieb

Pro­vi­si­ons­ab­ga­be­ver­bot sichert Bera­tungs­qua­li­tät

Das Angebot hört sich verlockend an: Beim Abschluss der Versicherung erhält der Kunde sofort einen Bonus – gezahlt vom Versicherungsvermittler, der einen Teil seiner Provision an den Kunden weiterreicht. Das ist bislang verboten. Und sollte es auch bleiben: Was zunächst vorteilhaft erscheint, wird sich nach Meinung des GDV vor allem langfristig negativ für die Kunden auswirken. Deshalb fordert der Versicherungsverband eine Stärkung des sogenannten Provisionsabgabeverbots. Auch die großen Vermittlerverbände pochen auf die Beibehaltung.

„Mögliche Kunden sollten nicht mit Rabatten oder Sondervergütungen der Vermittler, sondern mit dem besten Versicherungsangebot überzeugt werden“, sagt Axel Wehling, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Boni und Sondervergütungen seien zwar aus dem Bereich der Konsumgüter bekannt. „Zu einem Produkt wie einer Versicherung, die für Langfristigkeit und Sicherheit steht, passen solche Versprechungen eines Sofortbonus aber nicht“, sagt Wehling.

So soll auch vermieden werden, dass bei der Beratung der Versicherungskunden der Blick der Versicherungsvermittler weg vom langfristigen Bedarf der Kunden geht. Ein Wegfall des Verbots könnte Vermittler ermutigen, potenzielle Kunden zu übereilten Vertragsabschlüssen zu animieren. „Gerade im Bereich von Lebens- und Rentenversicherung wären solche Anreize fatal. Provisionsgeschacher ist da nicht angebracht“, sagt Wehling. Das Provisionsabgabeverbot beuge dem vor – und stärke somit auch die Beratungsqualität.


Das sieht auch der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) so. „Eine Möglichkeit zur Weitergabe der Provision dient weder den Versicherungsvermittlern noch den Kunden“, sagt BVK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Eichele. Ein Wegfall des Provisionsabgabeverbots gefährde zudem den Grundsatz der Gleichbehandlung der Versicherten. Nicht einzelne „clevere“ Kunden sollten einen finanziellen Vorteil durch Verhandlungsgeschick gegenüber dem Vermittler erreichen, sondern die gesamte Versichertengemeinschaft gleiche Bedingungen für einen Vertragsabschluss vorfinden, erklärte Eichele.

Auch der Verband Deutscher Versicherungsmakler (VDVM) setzt sich für eine klare gesetzliche Regelung zum Schutz des Verbrauchers im Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) ein. Der Verband unabhängiger Finanzdienstleistungsunternehmen in Europa (VOTUM) unterstützt diese Forderung. Zwar ist eine gesetzliche Abschaffung des Provisionsabgabeverbots nicht in der Diskussion. Zuletzt gab es aber Unsicherheit darüber, ob ein Verstoß gegen das Verbot noch weiterhin sanktioniert wird. Weil zurzeit durch die europäische Versicherungsaufsichtsreform Solvency II sowieso das gesamte Versicherungsaufsichtsgesetz reformiert wird, setzt sich der GDV für eine Stärkung des Provisionsabgabeverbots im neuen VAG ein. „Ein Bußgeld für einen Verstoß sollte direkt im VAG geregelt werden, um die Rechtssicherheit zu stärken“, sagt Wehling.

Kritiker sehen das Provisionsabgabeverbot nicht vereinbar mit dem Grundgesetz und europäischem Recht. Diese Kritik kann Wehling nicht verstehen. „Der europäische Gerichtshof hat bereits 1993 für den Bereich der Kranken- und Schadenversicherung ausdrücklich festgestellt, dass ein Verbot der Provisionsabgabe mit dem EWG-Vertrag vereinbar ist“, erklärt der GDV-Geschäftsführer.

Neben dem direkten Schutz der Verbraucher hat das Provisionsabgabeverbot noch eine weitere wichtige Funktion: Es regelt klar das Verhältnis zwischen Versicherungsnehmern, Vermittlern und Versicherungsunternehmen. Würde dem Kunden die Möglichkeit gewährt, um einen möglichst großen Anteil an der Provision zu feilschen, so verlagerte dies den Wettbewerb weg vom besten Versicherungsprodukt hin auf den Vermittler, der am meisten von seiner Provision abgeben kann. Dies ist nicht nur schlecht für den Markt der Versicherungsvermittler. Genauso wenig liegt eine Verlagerung des Wettbewerbs im Interesse der Versicherungsunternehmen, die viel Aufwand in Forschung und Entwicklung neuer Produkte investieren. Den Preis für diese Verschiebung müsste am Ende der Kunde bezahlen.

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