Wet­ter­pa­ten­schaf­ten

Peter und Petra – Tief ver­eint

Sie heißen Gabi, Günther oder Oldenburgia: Seit den 1950er-Jahren verteilt die FU Berlin Namen für die Hochs und Tiefs über Deutschland. Nur selten denken die Meteorologen sich diese selbst aus – sie verkaufen Namenspatenschaften.

An dieser Statistik hätte Trio seine Freude gehabt. "Anna, Anna, oh Anna”, sang Stephan Remmler 1982 als Frontmann der Band, die mit ihren absurd-dadaistischen Texten die deutsche Schlagerwelt aufmischte. “Dieter, Dieter, oh Dieter / Lass mich rein, lass mich raus” – mit der Liste des Instituts für Meteorologie an der Freien Universität Berlin könnte Remmler den Song 20 Jahre am Stück singen, problem- und pausenlos. 

Auf der Homepage des Instituts finden sich nämlich die Namen aller Hochs und Tiefs seit 1999. Macht bis Ende Mai dieses Jahres insgesamt 1102 unterschiedliche weibliche und 1020 unterschiedliche männliche Vornamen. 

Lange tragen Tiefs nur Frauennamen, erst seit 1999 wechselt das Geschlecht

 

Reichte die Statistik noch länger zurück, könnten es sogar noch deutlich mehr sein. Das Institut vergibt bereits seit 1954 Namen für Wetterereignisse. Allerdings hat sich seitdem die Systematik mehrfach geändert. In den ersten Jahrzehnten tragen beispielsweise alle Tiefdruckgebiete weibliche und alle Hochdruckgebiete männliche Namen. Erst 1999 ändern die Berliner diese Praxis – nach einer breiten Debatte über Diskriminierung von Frauen. Seither wechselt das Geschlecht von Hochs und Tiefs. In ungeraden Jahren bringen die Frauen die Sonne, in geraden die Männer. 

Abgeschaut haben sich die Berliner den Trend zu namhaften Druckgebieten in den USA, wo schon in den 1940er-Jahren damit begonnen wurde. Lange führt das meteorologische Institut seine Namensliste aber nur für die eigene Statistik. Für den Rest des Landes spielt es keine Rolle, ob Gabi Regen oder Günther Sonnenschein bringt. Erst die heftigen Tiefs Vivian und Wiebke im Frühjahr 1990 sorgen durch massive Schäden für so große Aufmerksamkeit, dass Medien in der gesamten Bundesrepublik die Praxis des Berliner Instituts übernehmen.   

Ein Hoch kostet mehr als ein Tief

Seit 2002 kann sich übrigens jeder seinen ganz persönlichen Regenbogen zaubern. Oder besser gesagt, kaufen. Ein Hoch kostet 299 Euro. Wer sparen will, nimmt ein Tief – für 199 Euro. Der günstigere Preis hat nichts mit dem schlechten Wetter zu tun, sondern erklärt sich daraus, dass Hochs eine deutlich längere Lebensdauer haben. Nach Erfahrung der Berliner Wetterforscher stehen so jährlich Patenschaften für 50 bis 60 Hochs und 130 bis 150 Tiefs zum Verkauf.  

 

Die Namen besonders übler Wettergebiete werden nicht erneut vergeben. So ist vom Namensgeber des 2007 aufgetretenen Orkantiefs Kyrill, einem damals 65-jährigen Mann, überliefert, dass er sehr betrübt ob des Ausgangs war. “Wir behalten uns bei jedem Namen das Recht vor, diesen abzulehnen”, erläutert Institutsmitarbeiter Dominik Dietzel. Auch Elvira und Friederike sind seit den verheerenden Starkregen-Ereignissen in Braunsbach und Simbach am Inn im Frühjahr 2016 vorbelastet. Und zumindest Friederike dürfte spätestens seit dem gleichnamigen Wintersturm zu Beginn 2018 ein für alle Mal unten durch sein. Der Schaden damals: rund eine Milliarde Euro.  

Großes Interesse an Wetterpatenschaften

 

Der Erlös aus den Patenschaften kommt direkt der Wetterstation in Berlin-Dahlem zu Gute. Schwierigkeiten, die Druckgebiete an den Mann oder die Frau zu bringen, haben die Meteorologen nicht. Zwischenzeitlich seien Hochs und Tiefs auch schon mal bei Ebay versteigert worden, berichtet Dietzel. “Inzwischen hat das Projekt einen so hohen Bekanntheitsgrad, dass sich selbst für ‘Ladenhüter’ mit Q, Y oder X immer Bewerber finden.” 

Nennen die Deutschen ihre Hochs nach ihren Kindern? Wohl eher nicht. In der “Ewigen Tabelle” der weiblichen Hochs rangiert Xenia (achtmal) ganz weit vorn, gefolgt von Doris, Helga (je sechsmal), Katja und – Achtung – Oldenburgia (je fünfmal). Männliche Hochs heißen meist Peter (siebenmal), Axel, Klaus, Volker und Wolfgang (je sechsmal). Mit den beliebtesten Vornamen (2017: Marie, Sofie, Maria, Sofia, Emilia / Maximilian, Alexander, Paul, Elias, Ben; Quelle: Gesellschaft für deutsche Sprache) gibt es keine Schnittmenge.

Nun aber keine Angst, liebe Kinder: Auch bei den Tiefs sind aktuelle Namen kein Thema. Petra gibt bei den weiblichen Schlechtwetterbringern mit 16 Nennungen klar den Ton an, bei den männlichen ist es – ganz analog – Peter (15). Doch auch wer diesen Namen trägt, muss sich nicht grämen. Für ihn gibt’s einen Platz in der musikalischen Hall of Fame der Deutschen: Peter, Peter, oh Peter!

Zur Startseite
Auch inter­essant