Wet­ter­ver­si­che­run­gen

Per­fekt ist das Wet­ter nie

Der Sommer hat Bauern große Einbußen beschert, Getränkehersteller hingegen profitierten. Das Geschäft vieler Branchen hängt vom Wetter ab. Mit speziellen Policen lassen sich Schwankungen ausgleichen. Von Karsten Röbisch

Dieser Sommer wird vielen in guter Erinnerung bleiben: Er war warm, trocken und es gab viel Sonne. Super-Laune-Wetter eben. Nur die Landwirte werden mit Graus an die Zeit zurückdenken. Ihnen bescherte die lange Dürre hohe Ernteausfälle. Im Schnitt ein Fünftel weniger Getreide fuhren sie ein. In manchen Betrieben summierten sich die Einbußen auf bis 70 Prozent.

Dieser Sommer verdeutlicht einmal mehr, welchen Einfluss das Wetter auf die Erträge haben kann – besonders in der Landwirtschaft, aber auch in anderen Wirtschaftszweigen wie der Baubranche oder dem Energiesektor. Und was dem einen ziemlich ungelegen kommt, ist dem anderen gerade recht. Während die Landwirte unter der Hitze der vergangenen Monate litten, konnten sich Getränkehersteller und Freizeitbäder über steigende Umsätze freuen. Perfektes Wetter gibt es für die Wirtschaft also nie. Irgendeiner hat immer etwas zu meckern.

Policen basieren auf Wetterdaten

Doch das Klagen muss nicht sein: Denn mit Versicherungen können sich Firmen oder Bauern gegen wetterbedingte Umsatzschwankungen absichern. Diese sogenannten Indexpolicen garantieren dem Kunden eine vereinbarte Summe, wenn über einen bestimmten Zeitraum –  zumeist ein Jahr – ein vertraglich definiertes Wetterszenario eintritt. Wenn beispielsweise die Regenmenge oder Temperatur einen vorher fixierten Wert über- oder unterschreitet, bekommt der Kunde Geld – völlig unabhängig von seinem tatsächlichen wirtschaftlichen Schaden. Auch die Kombination von mehreren Messwerten ist möglich. Das Wetterrisiko lässt sich also komplett aus der Unternehmensbilanz verbannen.

In der Praxis besetzen die Produkte gleichwohl nur eine Nische – aus mehreren Gründen. Den Landwirten, die am stärksten den Kräften der Natur ausgesetzt sind, geht es oft um die Absicherung ihrer gesamten Ernte, weniger um den Ausgleich von Ertragsschwankungen. Doch während einer Saison kann viel schief gehen: Frost in der Blütezeit, Dürre in der Wachstumsphase oder Nässe zur Ernte. Die vielen Risiken machen die Absicherung letztlich sehr teuer, denn der Preis richtet sich nach der Eintrittswahrscheinlichkeit. Auch das Kumulrisiko, also die Gefahr, dass beispielsweise eine Dürre die Ernten vieler Bauern ruiniert, wirkt sich auf den Preis aus.

Fehlende Messstationen erschweren Marktdurchbruch

Wetterversicherungen sind zudem keine Standardprodukte. Beratung und Kalkulation sind sehr aufwendig. Schließlich muss die Absicherung zu den Bedürfnissen des Kunden passen. Und die sind von Unternehmen zu Unternehmen ganz unterschiedlich. Erschwerend kommt hinzu, dass das Netz an Wettermessstationen in Deutschland noch nicht engmaschig genug ist, um jedem Interessenten eine geeignete Police anbieten zu können. Konkret: Was nützt einem Biergartenbetreiber eine Versicherung gegen zu viele Regentage, wenn die nächstgelegene Wetterstation 25 Kilometer von ihm entfernt ist?

Unternehmen setzen darüber hinaus auf Strategien jenseits der Assekuranz, um wetterbedingte Umsatzschwankungen auszugleichen. Baufirmen etwa schruppen an guten Tagen Überstunden, um Phasen des Stillstands zu kompensieren. Stadtwerke wälzen das Wetterrisiko auf die Energieversorger ab und vereinbaren mit ihnen garantierte Preise, solange sich die Abnahmemenge innerhalb eines Korridors bewegt. Die großen Versorger wiederum sichern sich oft über Wetterderivate ab. Die funktionieren im Grunde genauso wie eine parametrische Versicherung, nur dass sie börsennotiert sind.

Vor allem kleinere Firmen nutzen die Absicherung

Genutzt werden Wetterversicherungen daher bislang vor allem von kleineren Unternehmen: Konzertveranstalter, Filmproduktionsfirmen, Freizeitparks oder Betreiber von Windkraftanlagen. Auch Winterdienste schließen Verträge ab, um sich gegen zu wenig Schnee abzusichern. Oder umgekehrt gegen zu viel Schnee, falls sie mit ihren Kunden eine Pauschale vereinbart haben – unabhängig von der Zahl der Einsätze.

Anfragen erhalten Versicherer auch von Einzelhändlern, die solche Policen als Marketinginstrument nutzen wollen. So könnten sie ihren Kunden beispielsweise im Weihnachtsgeschäft eine Geld-zurück-Garantie geben, falls es am 24. Dezember schneien sollte. Und das wäre doch auch eine schöne Erinnerung an Weihnachten.

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