VAG-Novelle

Markt­werte, Modelle und Bewer­tungs­ver­fah­ren

Während das bestehende Aufsichtssystem auf HGB-Werten der Bilanzposten aufbaut, wird nun eine vollständige Marktwertbilanzierung eingeführt. Die auf den Marktwerten basierende Bilanz wird im Gesetzentwurf als „Solvabilitätsübersicht“ bezeichnet.

Viele Vermögenswerte (z. B. Anleihen oder Aktien) werden an den Finanzmärkten gehandelt, so dass ein Marktwert direkt bestimmt werden kann. Bei Vermögenswerten, für die kein aktiver Markt existiert, müssen die Werte anhand finanzmathematischer Modelle ermittelt werden.

Für die Verbindlichkeiten der Versicherer, die in der Solvabilitätsübersicht als Rückstellungen abgebildet werden, besteht ebenso kein Markt. Solvency II sieht für die Bewertung der Rückstellungen daher gleichfalls ein Modell vor.

Das Modell zur Ermittlung der Rückstellungen berücksichtigt sämtliche Einzahlungen der Versicherungsnehmer und sämtliche Auszahlungen der Unternehmen auf Grundlage bestehender Verträge über die kommenden Jahrzehnte. Zukünftige Zahlungsverpflichtungen müssen Versicherungsunternehmen bereits heute durch die Bildung von Rückstellungen abbilden. Aufgrund des Zinseffekts muss jedoch für eine in ferner Zukunft liegende Zahlungsverpflichtung heute weniger Geld zurückgelegt werden als für eine morgen fällige Zahlung. Entsprechend müssen zukünftige Zahlungen mit Blick auf eine Verzinsung diskontiert werden. Je weiter der Ein- oder Auszahlungszeitpunkt in der Zukunft liegt, desto größer ist der Zinseffekt.

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