Frag­wür­dige Unter­su­chung Bund der Ver­si­cher­ten

Lebens­ver­si­che­rer sta­bil auf­ge­stellt – trotz Nied­rig­zins wer­den alle Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen erfüllt

Wir erleben die Auswüchse einer verfehlten Zinspolitik, die ihren Zenit überschritten hat. Verständlich, wenn Kunden sich Gedanken über ihre private Altersvorsorge machen – erst recht, wenn große Tageszeitungen wie die „Bild“ titeln: „Lebensversicherer wackeln“ und behaupten „Jeder 4. von Pleite bedroht.“ Die Realität sieht anders aus.

Der Berichterstattung in den Medien liegt eine Untersuchung des Bundes der Versicherten (BdV) zugrunde, die insgesamt nicht überzeugend ist. Die ausgewerteten Berichte der Lebensversicherer richten sich an Fachleute. Sie wurden vom BdV teilweise falsch interpretiert. Auch die schlussendliche BdV-Bewertung wird nicht ausreichend begründet und bleibt - wie im Vorjahr - intransparent.

Richtig ist:

  • Lebensversicherungen sind nach wie vor geeignet für die Altersvorsorge und bieten lebenslange Sicherheit
  • Alle Lebensversicherer haben ausreichende Eigenmittel und Sicherheitspuffer im gesetzlich geforderten Umfang
  • Im Mittel stellen sie das Doppelte oder Dreifache der gesetzlich geforderten Eigenmittel bereit
  • Trotz des Drucks der Niedrigzinsen können sämtliche Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Versicherten erfüllt werden

Die Solvenzlage deutscher Lebensversicherer ist nachweislich besser, als vom BdV dargestellt. Zudem spricht die Beitragsentwicklung für die Attraktivität des Produktangebotes und das Vertrauen der Kundinnen und Kunden:

Die Lebensversicherer, Pensionskassen und Pensionsfonds verzeichneten im Jahr 2019 zusammen ein Beitragsplus von 11,3 Prozent auf 102,5 Milliarden Euro. Davon entfielen 64,3 Milliarden Euro auf das Geschäft gegen laufenden Beitrag (+0,1 Prozent) und 38,2 Milliarden Euro auf Einmalbeiträge (+37,1 Prozent).

Auch die Umstellung auf neue Produkte wird von den Kunden angenommen. Verträge mit modifizierten Garantien und höheren Renditenchancen machen in der Lebensversicherung inzwischen 60,3 Prozent am gesamten Neugeschäft aus (Vorjahr: 57,2 Prozent). Das ist auch eine der Innovationen, mit denen die Versicherer auf die neuen Zeiten reagieren.

Solvenzquoten liegen weit über dem von der Aufsicht geforderten Niveau

Maßgeblich für die Solvenzsituation der Lebensversicherer sind die gemeldeten Solvenzquoten – die sind ausschlaggebend für Aufsichtsmaßnahmen. Sie sind das Verhältnis aus anrechenbaren Eigenmitteln zu Kapitalanforderungen (SCR). Eigenmittel sind das Kapital, das der Versicherer zusätzlich zum Kapital für die Erfüllung der Versicherungsverträge bereit hält, etwa zum Puffern von Risiken. Alle deutschen Lebensversicherer haben eine Quote von über 100 Prozent und damit ausreichende Sicherheitspuffer, kein Unternehmen ist also in Schwierigkeiten. Die Quoten liegen zum Stichtag 31.12.2019 im Mittel bei 387 Prozent (254 Prozent ohne Übergangsmaßnahmen) und damit weit über dem von der Aufsicht geforderten Niveau.

Der BdV definiert eine eigene Kennzahl „Gewinnerwartung“. Dieser Wert hat an sich kaum Aussagekraft. Die Bezeichnung ist zudem irreführend, da die Kennzahl keine Aussage zu künftigen Gewinnen der Gesellschaft erlaubt. Die zugrunde gelegten Expected Profit included in Future Premiums (EPIFP; „Bei künftigen Prämien einkalkulierter Gewinn“) sind eine technische Kennzahl aus dem Aufsichtssystem Solvency II. Sie gibt an, welcher Teil der in den Modellen ermittelten künftigen Gewinne den künftigen Prämienzahlungen zugeordnet werden kann. Der Wert ist bereits in den Eigenmitteln berücksichtigt. Der Unternehmensgewinn und die Überschussbeteiligung für die Versicherten werden auch weiterhin nach der handelsrechtlichen Bilanzierung ermittelt. Im Branchenmittel werden die Versicherten zu über 95 Prozent an den Kapitalerträgen, Risiko- und Kostengewinnen der Lebensversicherer beteiligt.

Gibt es also „Riesige Probleme bei Lebensversicherungen“, wie die „Bild“ es behauptet?

Nein.

Lebensversicherer schichten ihre Kapitalanlagen um, was wegen ihres langfristig ausgelegten Geschäftsmodells und regulatorischer Vorgaben jedoch nur begrenzt möglich ist. Nennenswerte Verschiebungen gibt es aber durchaus: beispielsweise weg von Staatspapieren oder Pfandbriefen hin zu Unternehmensanleihen oder Schuldscheindarlehen. Auch Beteiligungen, Infrastruktur oder Aktien spielen heute eine größere Rolle als vor fünf Jahren.

Der Zins ist quasi abgeschafft

Wenn man berücksichtigt, dass der Zins quasi abgeschafft wurde, stehen Lebensversicherer mit einer laufenden Durchschnittsverzinsung ihrer Kapitalanlagen von drei Prozent im vergangenen Jahr noch relativ gut da, wie Sie hier nachlesen können.

Ganz unabhängig von diesen Fragen mag es individuell gute Gründe für eine Kündigung geben, sie sollte aber immer gut abgewogen werden und der letzte Schritt sein. Details dazu können Sie hier nachlesen.

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