Geschäfts­ent­wick­lung 2010

Kre­dit­ver­si­che­rer wie­der auf Wachs­tums­kurs

Die deutschen Kreditversicherer unterstützen den Aufschwung in Deutschland. Das bestätigen die aktuellen Zahlen der Branche: Das Deckungsvolumen in der Warenkreditversicherung betrug zum Ende des dritten Quartals 2010 über 312 Milliarden Euro – ein Anstieg um beachtliche 11 Prozent seit Jahresbeginn. Dabei stieg das Deckungsvolumen rasant seit dem zweiten Quartal; es spiegelt sowohl die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Auftragslage wider als auch die stabile Bonität der meisten Unternehmen.

„Die Geschäftsentwicklung der deutschen Kreditversicherer ist ein sensibler Gradmesser für gesamtwirtschaftliche Entwicklungen“, sagt der Vorsitzende der Kommission Kreditversicherung des GDV, Dr. Peter Ingenlath, am Dienstag in Köln. „Seit Anfang des Jahres erleben wir in Deutschland eine Konjunkturbelebung, die die Umsätze ankurbelt und damit das Volumen der Warenkredite nach oben treibt, die sich die Unternehmen gewähren. Die Kreditversicherer begleiten den spürbaren Anstieg der Warenkredite mit ihren Deckungen.“

Die Hochrechnung der deutschen Kreditversicherer zeigt für 2010 sehr erfreuliche Ergebnisse: Die Beitragseinnahmen in der Kredit-, Kautions- und Vertrauensschadenversicherung insgesamt werden voraussichtlich um 7 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro (Vorjahr 1,4 Milliarden Euro) steigen. Beim Aufwand für Geschäftsjahresschäden ist ein Rückgang um 30 Prozent auf rund 750 Millionen Euro (Vorjahr 1,1 Milliarden Euro) zu erwarten. Die Schaden-Kosten-Quote nach Abwicklung, die Combined Ratio, wird nach den Berechnungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in diesem Jahr voraussichtlich 63 Prozent (Vorjahr rund 91 Prozent) betragen.

Das Wachstum in Deutschland wird getragen sowohl vom starken Export als auch zunehmend von einer starken Binnennachfrage. Nach Einschätzung der Kreditversicherer erstreckt sich der Aufschwung dabei über nahezu alle Branchen. Die derzeitige positive Entwicklung der Exportmärkte, von denen auch die deutsche Wirtschaft stark abhängt, beurteilen die Kreditversicherer allerdings noch als labil. „Wir sehen erhebliche konjunkturelle Rückschlagsrisiken, auch wenn Deutschland derzeit gut unterwegs ist“, so Ingenlath.

Top-Up-Modell kaum nachgefragt
Die staatlichen Ergänzungsprogramme, die der Bund zur Unterstützung der inländischen und exportierenden Wirtschaft Ende 2009 aufgesetzt hatte, enden zum Jahresende 2010. Über das Top-Up-Modell konnte die versicherungsnehmende Wirtschaft ihren Versicherungsschutz aufstocken, wenn der Kreditversicherer im Hinblick auf die Bonität des Abnehmers seine Limite absenken musste oder beantragte Limite nur teilweise einräumen konnte. Die staatliche Ergänzungsdeckung wurde nur in geringem Umfang nachgefragt: Per Ende Oktober 2010 bestanden 497 Top-Up-Verträge mit einem Deckungsvolumen von rund 130 Millionen Euro.
Ingenlath: „Offenbar haben unsere Kunden doch eine ausreichende Deckung von ihren Kreditversicherern erhalten. Darüber hinaus zeigt die geringe Nachfrage, dass die Versicherungsnehmer der Kompetenz ihres Kreditversicherers vertrauen und kein Risiko eingehen wollen, auch wenn der Bund es gedeckt hätte.“

Rückzug des Bundes aus der kurzfristigen Exportkreditversicherung
Weiterhin hatte der Bund auf Basis einer Ermächtigung der EU-Kommission eine bis Ende 2010 befristete Ausweitung der bundesgedeckten Exportfinanzierung beschlossen. Ziel war es, die deutsche Exportwirtschaft mit der Absicherung kurzfristiger Exportkredite zu unterstützen, soweit der private Kreditversicherungsmarkt diese wegen des krisenbedingt erhöhten Ausfallrisikos nicht mehr zur Verfügung stellen konnte. Die privaten deutschen Kreditversicherer haben sich nun verpflichtet, alle vom Bund gedeckten kurzfristigen Exportforderungen gegenüber Abnehmern in Kern-OECD- und EU-Ländern für die Dauer von mindestens sechs Monaten zu marktüblichen Preisen zu übernehmen. Die Exporteure müssen sie ihnen lediglich antragen. Ausgenommen sind lediglich Deckungen für Lieferungen nach Bulgarien, Rumänien, Island, Lettland und Litauen.

“Der private Kreditversicherungsmarkt ist intakt und krisenresistent“, stellt Ingenlath fest. Nicht zuletzt das Auslaufen der staatlichen Ergänzungsprogramme ist dafür ein Indiz. Im Krisenjahr 2009 standen die Kreditversicherer ihren Kunden, kleinere, mittlere und Großunternehmen sowie deren Abnehmer, mit hohen Auszahlungen zur Seite. In vielen Fällen konnten die Kreditversicherer Insolvenzen vermeiden. „Die Kreditversicherer begleiten die Unternehmen in ihrem Wachstum und leisten ihren Beitrag zur Überwindung der Wirtschaftskrise“, so Ingenlath.

Ansprechpartner:
Kirstin Zeidler
Tel.: 030 / 20 20 – 51 11
k.zeidler@gdv.de

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