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Kre­dit­ver­si­che­rer war­nen vor hohen Risi­ken für die Welt­wirt­schaft

Die deutschen Kreditversicherer warnen vor hohen Risiken für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft: Durch die steigende politische Unsicherheit könnten Investitionen unterbleiben und die Konsumlaune der Verbraucher sinken. „Das Brexit-Votum und die bevorstehenden Regierungswechsel in den USA und Italien haben die wirtschaftlichen Risiken bei wichtigen Handelspartnern Deutschlands erhöht“, sagte Thomas Langen, Vorsitzender der Kommission Kreditversicherung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beim Jahrespressegespräch der Kreditversicherer am Donnerstag in Köln.

„Renaissance des Protektionismus“

Langen beklagte zudem eine „Renaissance des Protektionismus“: „Während neue Freihandelsabkommen auf Eis liegen, schotten zunehmend Staaten mit neuen Zöllen und Einfuhrbeschränkungen ihre Märkte ab.“ Der ohnehin lahmende Welthandel werde so weiter geschwächt. Kritisch sehen die deutschen Kreditversicherer darüber hinaus die wirtschaftliche Schwäche in zahlreichen Schwellenländern. Insbesondere Exporteure nach China müssen immer länger darauf warten, dass die Abnehmer ihre Rechnungen begleichen – chinesische Handelspartner zahlen derzeit fast einen Monat später als der weltweite Durchschnitt. Die anhaltende Schwächeperiode des chinesischen Wachstums wirkt sich mittlerweile auch auf Singapur und Taiwan aus, wo die Zahl der Insolvenzen im zweistelligen Prozentbereich steigt.

Insolvenzen großer Unternehmen steigen deutlich

Sorgen vor einem ähnlichen Domino-Effekt bereitet den Kreditversicherern auch die weltweit steigende Zahl großer Insolvenzen. Während 2014 noch 94 Unternehmen mit einem Umsatz von über 100 Millionen Euro zahlungsunfähig geworden waren, stieg ihre Zahl 2015 auf 152 (+62%). Der Gesamtumsatz der betroffenen Großunternehmen verdreifachte sich von 28 Milliarden auf 87 Milliarden Euro (+210%). „Der Welthandel ist deutlich volatiler und störungsanfälliger geworden. Wer als Exporteur in einem solchen Umfeld erfolgreich sein will, braucht einen guten Risiko-Kompass“, sagte Langen.

In Deutschland rutschten im laufenden Jahr bislang vor allem kleine und mittlere Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit, darunter KTG Agrar, German Pellets, das Textilunternehmen Steilmann und die Modehäuser Wöhrl und Sinn Leffers. Die Kreditversicherer gehen davon aus, dass es 2016 bundesweit zu rund 22.200 Unternehmensinsolvenzen
kommen wird, das wären 4 Prozent weniger als im Vorjahr 2015. Im kommenden Jahr dürfte der seit 2009 positive Trend sinkender Insolvenzen allerdings zu einem Ende kommen: Für 2017 erwarten die Kreditversicherer, dass die Zahl der Unternehmenspleiten auf dem Niveau dieses Jahres stagniert.

Kreditversicherer tragen für ihre Kunden Risiken in Rekordhöhe

In einem zunehmend unsicheren politischen und wirtschaftlichen Umfeld tragen die deutschen Kreditversicherer für ihre Kunden derzeit Risiken in Rekordhöhe: Nach Hochrechnungen für das Gesamtjahr werden sie 2016 Ausfallrisiken in Höhe von 451 Milliarden Euro absichern, 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit einer Deckungssumme von 399 Milliarden Euro geben die Warenkreditversicherer fast 3,2 Millionen Lieferantenbeziehungen Sicherheit. Die Kautionsversicherer stellten über 4,2 Millionen Bürgschaften und Garantien in Höhe von 52 Milliarden Euro zur Verfügung. „Mit ihren Daten über Unternehmen in aller Welt begleiten die Kreditversicherer ihre Kunden als Risiko-Navigatoren, ermöglichen globalen Handel und sichern den Unternehmen Liquidität“, sagte Langen.

Wachsende Nachfrage nach Schutz vor Wirtschaftskriminalität

Eine stark wachsende Nachfrage verzeichnen in diesem Jahr die Vertrauensschadenversicherer. Sie schützen über 11 Prozent mehr Kunden vor den finanziellen Folgen von Wirtschaftskriminalität als noch im Vorjahr. „Offenbar beginnen mehr und mehr Unternehmen, die Gefahr ernst zu nehmen und sich entsprechend zu schützen“, sagte Langen. Dieses Umdenken sei auch notwendig: Jedes Jahr würden 15 bis 20 Prozent der Unternehmen Opfer von Kriminellen. Allein die Zahl der „Fake-President“-Fälle, bei der sich Betrüger als Entscheidungsträger eines Unternehmens ausgeben, wachse exponentiell. „Die Unternehmen sind gut beraten, in wirksame Kontrollsysteme zu investieren. Das schreckt Betrüger und kriminelle Mitarbeiter ab und ermöglicht, die Taten schnell zu entdecken. Die Kreditversicherer stehen ihren Kunden auch auf diesem Feld mit ihrer Vertrauensschadenversicherung und ihrem Wissen rund um die Vermeidung von Wirtschaftskriminalität zur Seite“, so Langen.

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