Poli­ti­sche Posi­tio­nen 2016

Kli­ma­wan­del – Anpas­sun­gen an ver­än­derte Risi­ken erfor­der­lich

Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Vom Anstieg der Temperaturen und des Meeresspiegels bis hin zu extremen Wetterphänomenen – immer stärker hat der Klimawandel Auswirkungen auf die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft. Nach dem Weltklimagipfel in Paris kann es ein „Weiter so“ ohnehin nicht geben.

Zuallererst spüren die Schaden- und Rückversicherer die finanziellen Folgen des Klimawandels. Naturkatastrophen haben im vergangenen Jahr einen weltweiten Schaden von rund 90 Mrd. USD verursacht (Munich Re 2016); hierzulande zahlten die Sachversicherer im vergangenen Jahr rund 2,1 Mrd. Euro für Stürme, Hagel und die Folgen von Naturgewalten. Immer mehr stellt sich die Aufgabe, durch Anpassung und Risikoprävention dem Klimawandel zu begegnen.

Die Beschlüsse der Pariser Weltklimakonferenz haben deshalb besondere Bedeutung – und weitreichende Implikationen: Zum ersten Mal hat die Staatengemeinschaft das Ziel völkerrechtlich verbindlich verankert, den Temperaturanstieg in diesem Jahrhundert auf 2°C gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Bis 2050 wollen die führenden Industrieländer die „Transformation“ ihrer Energiesektoren erreichen. Die Bundesregierung will noch in diesem Jahr in einem nationalen Klimaschutzplan 2050 den Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter in Deutschland skizzieren.

Dennoch müssen schon heute Maßnahmen ergriffen werden, die die Folgen des Klimawandels begrenzen. Denn der Wandel des Klimas findet bereits statt. Deshalb sind Anpassungen von Wirtschaft und Gesellschaft an die sich verändernde Umwelt und die sich ändernden Risiken erforderlich. Kluge Stadt- und Raumplanung nimmt diese Realität zur Kenntnis – das Bewusstsein in Bund, Ländern und Kommunen wächst, mehr zum Schutz vor Überflutung, Hitze und Trockenheit tun zu müssen: Deiche werden erhöht, versiegelte Straßen und Plätze in den Städten zu Grün- und temporären Auffangflächen umgestaltet. Was bei Starkregen hilft, kühlt und erfrischt das Stadtklima auch in Hitzeperioden.
 
Wie der öffentliche Raum müssen sich auch Gebäude dem Klima anpassen. Analog zum Hochwasserpass könnte ein „Resilienz-Pass“ die Fähigkeit und Eigenschaften eines Gebäudes bescheinigen, bestimmten Wetterereignissen zu widerstehen. Beide sind hilfreiche Instrumente, Risiken zu erkennen und daraus individuelle Schutzmaßnahmen abzuleiten und baulich umzusetzen. Solche Präventionsmaßnahmen sind immer auch der Schlüssel zu bezahlbarem Versicherungsschutz.
 
Wie bei der Sicherheit rund ums Auto gilt es, auch für Immobilien ein Bewusstsein für Sicherheit zu schaffen: Welche Sicherungssysteme und Baumaterialien sind geeignet, den Wetter-Folgen und Schadenpotenzialen des Klimawandels zu begegnen? Angepassten Raumordnungs- und Flächennutzungsplänen müssen angepasste Bauordnungen und Bauvorschriften folgen. Hier sind Wissenschaft und Politik in der Pflicht, die Risiken klar zu benennen, neue Regeln zu formulieren und neue Normen zu setzen – damit Ingenieure, Architekten und Bauherren solche Immobilien konstruieren und bauen, die sich an den Risiken des Standortes orientieren und Schutz vor den Folgen des Klimawandels bieten.

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