Die schönste Ver­si­che­rungs­sa­che der Welt

Kirsch­bäume - Früh­lings­bo­ten und Früch­te­lie­fe­ran­ten

Kirschbäume versetzen in diesen Tagen nicht nur Japan in einen kollektiven Blütenrausch. Auch die Deutschen feiern die zarte Pracht – deren Früchte ein delikates Versicherungsgut sind. Von Volker Kühn

Er ist ein Greis, der sich mühsam mit Hilfe von Krücken aufrecht hält. Und doch steckt er voller Kraft. Jedes Jahr im Frühling zieht er eine Show ab, für die Besucher von weither kommen: Yamataka Jindai Sakura ist ein gut 2000 Jahre alter Kirschbaum am Fuß der japanischen Alpen in Yamanashi. Zwölf Meter umfasst sein Stamm, seine Äste sind so schwer, dass sie von Pfählen gestützt werden müssen, und wenn er Ende März, Anfang April voll zartrosa Blüten steht, ist das Fernsehen live dabei.

Blütenmeer und kollektiver Taumel

Es ist Sakura, die Zeit der Kirschblüte – die Wochen, in der die sonst so zurückhaltenden Japaner in kollektiven Taumel fallen. Das ganze Land verfolgt gebannt, wie sich ein Blütenmeer über Millionen von Kirschbäume vom äußersten Südwesten bis zum hohen Nordosten ausbreitet. Reporter vermelden in aufgeregtem Tonfall, wie sich von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde neue Blüten entfalten.

Längst sind die Kirschbäume für den Tourismus wichtiger als für die Landwirtschaft, zumal viele Arten ohnehin keine Früchte tragen. Hotels an von Kirschen überzogenen Berghängen sind zur Blütezeit ausgebucht, aus der aller Welt kommen Menschen, um das Spektakel mitzuerleben.

Auch in Deutschland werden Kirschblütenfeste gefeiert

Japanische Gemeinden haben die Begeisterung auch ins Ausland getragen. Allein in Deutschland werden bis Ende Mai rund ein Dutzend Kirschblütenfeste gefeiert, angefangen vom Hana-mi am 10. April in Düsseldorf bis zum wohl größten Fest am 20. Mai in Hamburg samt Feuerwerk über der Alster. Die Stadt bedankt sich damit bei der japanischen Gemeinschaft, die in den Sechziger Jahren 5.000 Kirschbäume an der Alster pflanzen ließ. Rund 20.000 Besucher werden erwartet.

Damit übertrifft vielleicht auch hierzulande der touristische Wert von Kirschbäumen bald ihren wirtschaftlichen. Denn die Anbaufläche von Süß- und Sauerkirschen in Deutschland schrumpft laut Statistischem Bundesamt seit Jahren. Waren es 1992 noch 12.400 Hektar, wurden 2015 nur noch auf 7.200 Hektar Kirschen gezogen.

 10.000 Euro pro Hektar Süßkirschen

Der Kirschanbau ist damit eine Nische. Bis zu 6.500 Euro erwirtschaften Landwirte im Schnitt je Hektar mit Sauerkirschen für die Konservenindustrie, bis zu 10.000 Euro sind es bei Süßkirschen, die als Tafelware vermarktet werden. Einige Spezialbetriebe lassen ihre Bestände sogar mit 20.000 Euro je Hektar versichern, wie der Vorstandsvorsitzende der Vereinigten Hagelversicherung, Rainer Langner, GDV.DE erklärt.

Trotz der kleinen Anbaufläche ist die Produktionsmenge laut Welternährungsorganisation in Deutschland größer als in Japan. Mit einem 2000 Jahre alten Kirschbaum können die Deutschen allerdings nicht dienen. Der wohl dickste Baum, die Kirsche bei Blofeld in der Wetterau, bringt es auf höchstens 200 Jahre. Aber dafür hält sie sich ganz ohne Krücken aufrecht.

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