Pro­gnos-Stu­die

Kauf­kraft der Rente vari­iert um bis zu 50 Pro­zent

Rente ist nicht gleich Rente: Was sich Ruheständler davon leisten können, hängt entscheidend von ihrem Wohnort ab. Teuer ist das Leben für Senioren vor allem in Süddeutschland – und allen voran in und um München. Von Elena Bause

Um bis zu 50 Prozent variiert die Kaufkraft der Renten in Deutschland regional. Das zeigt eine aktuelle Studie des Forschungsunternehmens Prognos im Auftrag der Initiative „7 Jahre länger“. So müssen Rentner im niedersächsischen Landkreis Holzminden – dem bundesweit günstigsten Altersruhesitz – für Miete, Strom, Nahrungsmittel oder Kleidung nur rund 860 Euro zahlen, wofür im Bundesdurchschnitt 1000 Euro fällig würden. Und in München, dem teuersten Wohnort, kosten die gleichen Leistungen sogar rund 1300 Euro und damit gut die Hälfte mehr als in Holzminden.

„Was man sich im Ruhestand leisten kann, hängt nicht nur von der Rentenhöhe ab, sondern auch vom Standort“, sagt Prognos-Chefökonom Michael Böhmer. Vor allem die Kosten für das Wohnen sind für das Preisgefälle zwischen den Regionen verantwortlich. In den boomenden Städten mit hohen Mieten können sich Rentner für das gleiche Geld deutlich weniger leisten als auf dem Land. „Am härtesten trifft es diejenigen, bei denen niedrige Rentenansprüche und hohe Lebenshaltungskosten zusammenkommen“, so Böhmer.

Teurer Süden, preiswerter Osten und Norden

Besonders kostspielig ist das Leben für Rentner in Bayern. Gleich sieben der bundesweit zehn teuersten Altersruhesitze liegen im Freistaat. Für das Leben dort zahlt man zwischen 15 und 30 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. Generell zählt der wirtschaftsstarke Süden der Republik zu den kostenintensivsten Regionen: 40 der 50 teuersten deutschen Kreise verteilen sich auf Bayern, Baden-Württemberg und Hessen.

In ganz Nord- und Ostdeutschland schaffen es hingegen nur vier Kreise in die Top-50: Hamburg, Berlin, Potsdam und – durch den „Sylt-Effekt“ – der Kreis Nordfriesland. Hier liegt auch das günstigste Bundesland: Sachsen-Anhalt. In 11 von 14 Kreisen sind dort die Lebenshaltungskosten um mehr als zehn Prozent niedriger als im Bundesdurchschnitt. Kein anderes Land hat einen ähnlich hohen Anteil besonders preiswerter Regionen. Auch Niedersachsen ist für Rentner vielerorts erschwinglich. Insgesamt finden sich hier zehn der 50 günstigsten Kreise.

Kostenvergleich berücksichtigt Konsumverhalten der Senioren

Das Preisgefälle zwischen Nord und Süd zeigt sich auch im Vergleich der Landeshauptstädte – obwohl die Lebenshaltungskosten dort generell höher sind als auf dem Land. Während in München 1000 Euro Rente tatsächlich nur 767 Euro wert sind, liegt die Kaufkraft in Magdeburg bei 1067 Euro. Die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt ist somit am günstigsten, wie auch das Bundesland generell ein sehr preiswertes Pflaster für Senioren ist.

Für die Auswertung hat Prognos die Lebenshaltungskosten der Rentner in 402 Landkreisen und kreisfreien Städten verglichen. Eigens dafür passte das Analysehaus den allgemeinen Warenkorb des Statistischen Bundesamtes an das Konsumverhalten der über 65-Jährigen an. Ausgaben für die Gesundheit erhielten beispielsweise ein höheres Gewicht. Die Kosten für Verkehr spielten dagegen eine geringere Rolle, weil Senioren gewöhnlich nicht mehr zur Arbeit pendeln.

Interaktive Karte mit Rentenkaufkraft aller Kreise unter: www.7jahrelaenger.de

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