Star­kre­gen: Inter­view mit Feu­er­wehr­prä­si­dent Hart­mut Ziebs

Jetzt lie­ber ein Som­mer­re­gen als Gewit­ter

Nach wochenlanger Dürre kommt nun der Regen. Und der ist vielerorts heftig. Das Wasser fällt auf ausgetrocknete Böden. Und das erhöht die Gefahr von Überschwemmungen, warnt Hartmut Ziebs, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes.

Herr Ziebs, die ganze Republik leidet noch unter dem Jahrhundertsommer. Aber Sie warnen jetzt vor Starkregen und Überschwemmungen?      

Hartmut Ziebs: Das ist richtig. Momentan ist der Boden durch die lange Trockenheit extrem ausgetrocknet und hart. Wenn jetzt ein Starkregenereignis folgt, kann das Wasser gar nicht in den Boden eindringen. Es wird mit schneller Geschwindigkeit abfließen. Das kann zu Überschwemmungen führen. Mir wäre deshalb wohler, wir würden drei oder vier Tage lang einen schönen Sommerregen haben, anstatt Starkregenereignisse wie jetzt gerade in Hessen.

Ist das Thema nur ein ländliches oder tangiert es auch die stark versiegelten städtischen Zentren? 

Ziebs: Das ist durchaus auch ein städtisches Thema. Auch dort kann der Boden die Wassermassen gar nicht so schnell aufnehmen, vor allem, wenn die Verrohrung nicht groß genug dimensioniert ist. Es gibt Städte, von denen hätte ich nie im Leben gedacht, dass Starkregen dort mal zu Hochwasser führen kann. Aber einige Kommunen haben ja schon Vorsorge getroffen und ihre Abwasserleitungen sehr stark dimensioniert. Andere müssen noch nachsteuern.

Welche Regionen sind denn nach der Dürre besonders von Starkregen betroffen? 

Ziebs: Das kann man nicht vorhersagen, vollkommen gleich ob es im Süden, im Osten, im Norden oder im Westen der Republik passiert. Wenn es zu lokalen Unwetterereignissen kommt, sind Städte, wie auch die ländlichen Bereiche ganz plötzlich betroffen.

Was empfehlen Sie denn Eigenheimbesitzern, um ihr Haus vorsorglich vor Schäden durch Starkregen und Hochwasser zu schützen? 

Ziebs: In der Regel haben Häuser eine Rückschlagklappe, sodass das Wasser aus der Kanalisation nicht in das Gebäude gedrückt werden kann. Hausbesitzer sollten regelmäßig prüfen lassen, ob diese Klappe überhaupt da ist und ob sie auch funktioniert. Das macht in der Regel ein Gas-Wasser-Installateur. Wichtig ist auch zu schauen, wie man die Einläufe am Haus schützen kann. Da hilft manchmal schon ein ganz einfaches Brett. Das kann man vor ein Kellerfenster hängen, damit das Wasser gar nicht erst eindringt. Wenn keine Sandsäcke da sind, funktionieren auch mit Wasser gefüllte Plastiktüten hervorragend. Hochwertige Güter sollten möglichst nicht bodennah gelagert werden, sondern in etwa in etwa einem Meter Höhe. Und bezüglich der Versicherung sollte man einmal nachfragen, ob man überhaupt ausreichend geschützt ist.

Wenn das Unwetter dann kommt, kann die Feuerwehr ja nicht überall gleichzeitig sein. Wie priorisieren Sie Ihre Einsätze? 

Ziebs: Als erstes helfen wir dort, wo Menschenleben in Gefahr sind. Das kann leider passieren bei Starkregenereignissen. Wir haben das in Münster erlebt, wo jemand ertrunken ist, als er seine Kellerfenster vor dem Starkregen schließen wollte. Zweite Priorität haben Sachwerte, die geschützt werden müssen. In der Regel fährt die Feuerwehr die Einsatzstellen ab und entscheidet dann unmittelbar vor Ort.

Interview: Sara Friedrich


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