Natur­ge­fah­ren

Ist die Ver­si­che­rung für mein Haus wirk­lich zu teuer?

Mehr als die Hälfte der Hausbesitzer in Deutschland sind nicht gegen Starkregen und Hochwasser versichert. Warum? Zu teuer, glauben viele. Diese Haltung ist nicht nur fahrlässig, sondern auch falsch. Das bestätigen Forscher und auch die Stiftung Warentest. Tatsächlich gibt es den Rundumschutz in Form der zusätzlichen Elementarschadenversicherung für die meisten Häuser im Schnitt für unter 100 Euro im Jahr.

Ungeschützt gegen Wetterextreme

Der Klimawandel sorgt für zunehmend extremes Wetter. Die Schäden durch Hochwasser und Überschwemmungen gehen jedes Jahr in die hunderte Millionen. Dennoch haben viele Deutsche keine Wohngebäudeversicherung mit dem nötigen Schutz gegen Elementarschäden. Viele wissen nicht, dass ihre alten Verträge nicht gegen Starkregen und Hochwasser schützen. Andere verzichten leider sogar bewusst darauf. Denn ein Vorurteil hält sich hartnäckig: Der Elementarschutz sei zu teuer.

Schutz für unter 100 Euro im Jahr

Mit dem Mythos der zu teuren Versicherung hat die Stiftung Warentest in ihrem letzten Wohngebäudeversicherungs-Vergleich aufgeräumt. Die Stiftung Warentest hat dafür 108 Tarife von 45 Versicherern verglichen. Abgefragt wurden Angebote für zwei Modellhäuser, die beide in der Zürs-Zone 1 liegen. Diese Gefährdungsklasse deckt mehr als 90 Prozent aller Häuser in Deutschland ab. Wer sich die Mühe macht, einmal durchzurechnen, sieht: Für Neubauten kostet die ergänzende Elementarversicherung im Schnitt weniger als hundert Euro im Jahr. Das ist weniger als ein Kabelanschluss oder ein Netflix-Abo kostet.

Die Warentester raten vor allem Hausbesitzern mit alten Verträgen dazu, ihren Versicherungsschutz zu überprüfen. Alte Wohngebäudeversicherungen enthalten oft keinen Elementarschutz. Die Stiftung Warentest warnt zudem: „Starkregen kann überall niedergehen.“ Ein Warnung, die auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) teilt: „Insbesondere die ganz schlimmen Unwetter sind deutschlandweit gleich wahrscheinlich“, erläutert Andreas Becker vom DWD.

Sparen am falschen Ende

Warum sich die Deutschen trotzdem die Elementarschadenversicherung sparen, beschäftigt sogar die Wissenschaft. Der Risikoforscher Horst Müller-Peters hat als Professor an der Technischen Hochschule Köln die oft verzerrten Risikoeinschätzungen der Deutschen untersucht und dabei herausgefunden, dass vor allem existenzielle Risiken oft verdrängt oder unterschätzt werden.

Im Interview erklärt er, warum wir so oft falsch liegen mit unserer Wahrnehmung. Es ist aus seiner Sicht schwer nachzuvollziehen, wieso zwar so viele zum Vollkaskoschutz beim Auto greifen, aber beim Eigenheim sparen wollen. „Wenn ich mir die Versicherung – auch gegen Elementargefahren – angeblich nicht leisten kann, dann darf ich mir das Haus auch nicht kaufen“, bringt es der Risikoforscher auf den Punkt.

Anders als beim Auto geht es beim Haus nämlich meistens um das gesamte Hab und Gut: Der Starkregen im Juni 2016 verursachte für einen Hausbesitzer im bayrischen Simbach Schäden von bis zu 700.000 Euro. Nur die Elementarschadenversicherung hilft in einem solchen Fall: Sie übernimmt das Abpumpen und die Trockenlegung und – falls nötig – auch die Kosten für den Abriss und Wiederaufbau des Hauses.

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