Drei­kö­nigs­tag

Gold, Weih­rauch und Myr­rhe als lukra­tive Geld­an­lage?

Die biblische Erzählung von den „Heiligen drei Königen“ hat die Gläubigen seit je her beschäftigt. Erst ihre Phantasie machte aus den im Matthäus-Evangelium noch namenlosen „Sterndeutern aus dem Osten“ die drei morgenländischen Könige Caspar, Melchior und Balthasar. Auch von den Geburtsgeschenken Gold, Weihrauch und Myrrhe macht sich jede Zeit ihre eigenen Vorstellungen. Wie kostbar waren die Gaben und was wären sie heute wert? Und verliert Gold wirklich nie seinen Glanz?

Gold kennt jeder. Weihrauch haben viele wenn nicht gesehen, so doch schon einmal gerochen. Aber Myrrhe? Myrrhe, so weiß es Wikipedia , ist das Harz eines Balsambaumgewächses und wurde zur Einbalsamierung von Toten verwendet. Sowohl Myrrhe als auch Weihrauch sind noch heute käuflich erhältlich. Für Ware höchster Qualität rufen Internet-Shops Preise zwischen 120 und 190 Euro je Kilogramm auf. Durchaus nicht wenig, aber auch kein Vermögen. Wir dürfen annehmen, dass Weihrauch und Myrrhe zu Christi Geburt schwerer zu bekommen und dementsprechend weitaus teurer als heute waren. Denn immerhin wollten die heiligen drei Könige den künftigen König der Juden standesgemäß beschenken – dass sie der Stern zu einem Kind in einem ärmlichen Stall führen würde, konnten sie nicht ahnen.

Gold war zu Christi Geburt wertvoller

Wie viel Gold die morgenländischen Weisen verschenkten, ist nicht überliefert. Künstlerische Abbildungen der Szene lassen aber darauf schließen, welche Mengen nach zeitgenössischer Auffassung als angemessen gelten durften: Auf frühen Darstellungen (um 300 bis 400 n. Chr.) überreichen die Könige schalenähnliche Gefäße mit Deckel, rund 800 Jahre später zeigt der opulente Dreikönigenschrein im Kölner Dom aufwändig gefertigte Geschenkschatullen. Grob geschätzt würden die Behälter wohl bis zu 5.000 unserer Zehn-Cent-Münzen fassen. Eine Zehn-Cent-Münze hat in etwa die Maße eines Aureus, der zur Regierungszeit von Kaiser Augustus im ganzen römischen Reich verbreiteten Goldmünze.


Doch dürften die drei Könige kaum 5.000 Aurei verschenkt haben. Der reine Materialwert der eingeschmolzenen Münzen läge nach heutigem Marktpreis bei gut 240.000 Euro, im Jahre null war Gold jedoch ungleich wertvoller als heute: Ein Aureus entsprach in etwa dem Monatslohn eines einfachen Handwerkers oder eines Legionärs in der römischen Armee, 5.000 Aurei wären dementsprechend ein enormes Vermögen von über 400 (niedrigen) Jahreseinkommen gewesen. Die Bibel verrät uns nicht allzu viel über das Alltagsleben der Heiligen Familie. Es gibt aber keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass Jesus in einem Millionärshaushalt aufgewachsen wäre.

Die Frage nach dem materiellen Wert der Dreikönigsgeschenke muss also unbeantwortet bleiben. Für Matthäus und andere frühe Christen hat sich diese Frage offenkundig gar nicht gestellt. Bereits der Theologe Origines von Alexandria (185 bis 254 n. Chr.) kam zu dem Schluss, dass die Geschenke allegorisch zu deuten sind: Gold stehe für die Königswürde, Weihrauch für die Gottheit und Myrrhe für den vorbestimmten Tod. Ob die drei heiligen Könige nun eine Prise oder einen Sack, eine Münze oder einen Barren verschenkt haben mögen, ist aus dieser Perspektive vollkommen unerheblich.

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