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Geflü­gel­ter Löwe chauf­fiert Prin­zen­paar sicher durch den Rosen­mon­tag

Zu Weiberfastnacht am Donnerstag geht die diesjährige Karnevalszeit ihrem Höhepunkt entgegen. Gegen den beißenden Spott der Karnevalswagen hilft zwar keine Versicherung, wohl aber bei etwaigen Unfällen des Prinzenpaars. Von Carola Felchner

Ob man sie nun mit Alaaf, Helau oder ganz anders begrüßt: In den Karnevalshochburgen sind die Narren in diesen Tagen wieder omnipräsent. Prunksitzungen flimmern auf allen TV-Kanälen, Umzüge in den Straßen. Der größte darunter ist der Kölner „Zoch“, doch auch der Rosenmontagszug in Düsseldorf mit seinen rund 70 Wagen braucht sich nicht zu verstecken.

Die meisten von ihnen hat Jacques Tilly gebaut, der für seine satirisch-brisanten Entwürfe bekannt ist. Auch der Prinzenwagen stammt in diesem Jahr wieder aus seiner Hand. Eine der Besonderheiten des Düsseldorfer Zuges ist es nämlich, dass er jedes Jahr aufs Neue auf das jeweilige Prinzenpaar abgestimmt wird. Prinz Christian III. & Venetia Alina bekommen ein besonders nobles Exemplar: einen geflügelten Löwen in Rot und Gold.

Geflügelter Löwe in Rot und Gold: Sechs Wochen lang hat ein Team des Wagenbau-Künstler Jacques Tilly an dem Wagen für das Düsseldorfer Prizenpaar Prinz Christian III. & Venetia Alina gearbeitet.

60 Kilogramm superleichtes Blumenpapier spannen sich über 400 Meter Hasendraht

„Die Farbe ist sehr edel“, verrät Tilly. Ein Eimer davon koste 300 Euro, zwei waren notwendig, um den Prinzenwagen zu bepinseln. Doch auch ohne Luxusfarbe sind die Eckdaten der königlichen Kutsche eindrucksvoll: Der Wagen ist elf Meter lang, vier Meter hoch sowie dreieinhalb Meter breit und wird auf einem Tieflader aufgebaut, mit dem sonst Achterbahnen zur Kirmes fahren. Sechs Wochen haben Tilly und sein siebenköpfiges Team daran gearbeitet – vom ersten Entwurf bis zum fertigen Wagen. Wie das Gesamtkunstwerk am Ende in voller Pracht aussieht, ist natürlich ein Geheimnis und wird am breiten Publikum erst zum Rosenmontag vorbeirollen.

Die Figuren sind aus 400 Metern Hasendraht geformt, 50 bis 60 Kilo superleichtes Blumenpapier spannt sich darüber, hauchdünn in nur einer Lage. „Dieses Papier ist das einzige, das nassfest ist. Andere würden sich auflösen, wenn wir sie in den Leim tunken“, so Tilly. Der Leim besteht ebenfalls aus einer besonderen Mischung: Tierknochenmehl und Kreide, weil dieser Mix „steinhart wird.“ Vor Regen schützt eine Schicht Acrylfarbe die empfindliche Papierhaut.

Eine mittlere fünfstellige Summe kostet der Wagen, den sich der Prinz mit nur acht weiteren Jecken teilt: das Prinzenpaar steht auf einem Podest in der Mitte, auf dem Löwen selbst. Die Adjudanten und die Familie des Prinzenpaars bekommen jeweils ein Podest auf einem der beiden Flügel. Außerdem ist noch ein Helfer an Bord, der dem Prinzenpaar die Kamelle anreicht.

Närrische Versicherung

Versichert ist das Prinzenfährt auch – genau wie der gesamte Zug. Würde der Prinz beispielsweise ausrutschen und sich verletzen, spränge eine spezielle Police ein, die das Comitee Düsseldorfer Carneval bei einem rheinischen Versicherer abgeschlossen hat. Allerdings musste die Versicherung bisher nie einspringen.

Nicht abgedeckt sind laut einiger neuerer Gerichtsurteile übrigens Unfälle mit Kamelle: Wer die süßen Wurfgeschosse ins Auge bekommt, ist mehr oder weniger selbst schuld, denn „das Werfen von Bonbons gehört zum Karnevalszug dazu und muss erwartet werden“.

Foto: Düsseldorfer Prizenpaar Prinz Christian III. & Venetia Alina Anfang Januar in Köln.

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