Kli­ma­wan­del

GDV-Prä­si­dent: „Nach­hal­tig­keit ist Ker­n­ele­ment unse­res Geschäfts­mo­dells“

Der Klimawandel ist in vollem Gange, seine Bekämpfung eine Jahrhundertaufgabe, die wirklich jede und jeden betrifft. Versicherer leisten ihren Beitrag - für GDV-Präsident Wolfgang Weiler steht nachhaltige Kapitalanlage dabei im Mittelpunkt.

Die Flut an Ahr und Erft machte im vergangenen Jahr mehr als deutlich, dass der Klimawandel auch in Deutschland angekommen ist. Versicherte Schäden bei dieser Katastrophe: über acht Milliarden Euro. Drei Stürme im Februar dieses Jahres: Versicherte Schäden in Höhe von 1,4 Milliarden Euro.

Es ist offensichtlich: Naturkatastrophen nehmen auch bei uns zu, die volkswirtschaftlichen Schäden steigen rasant an. „Wir Versicherer können das nicht so hinnehmen“, sagt Weiler. „Risiken zu versichern ist unsere Kernkompetenz, und hier droht etwas unkalkulierbar und damit unversicherbar zu werden. Wir wollen und müssen daher unseren Beitrag leisten zur Bekämpfung des Klimawandels: Nachhaltigkeit ist Kernelement unseres Geschäftsmodells.“

Insgesamt 1,8 Billionen Euro haben die deutschen Versicherer an den Kapitalmärkten investiert. Jedes Jahr legen sie rund 300 Milliarden Euro neu an. „Unser wahrscheinlich stärkstes Mittel bei der Bekämpfung des Klimawandels und zur Verwirklichung von weiteren Nachhaltigkeitszielen sind die Kapitalanlagen des Versicherungssektors“, so Weiler, der am Mittwoch die Jahrestagung  des Deutschen Vereins für Versicherungswissenschaft moderiert hat.

Mit auf dem Podium saßen bei der Diskussion zum Thema Kapitalanlagen und Nachhaltigkeit der Exekutivdirektor Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht der Finanzaufsicht Bafin, Frank Grund, GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen sowie Gabriele Recke, Head of Sustainability der Allianz Lebensversicherung.

Wie auch der GDV selbst haben sich die Versicherer mit der Nachhaltigkeitspositionierung dazu verpflichtet, bis 2025 in den eigenen Geschäftsprozessen klimaneutral zu werden. Stand heute sieht es so aus, dass rund 90 Prozent der Unternehmen erwarten, dieses Ziel zu erreichen. Über den Stand der Umsetzung berichtet der Sektor jährlich in Nachhaltigkeitsberichten. Den ersten hat der GDV Ende letzten Jahres vorgelegt, als erster Verband in der EU.

„Unser Ziel ist, dass die Kapitalanlage bis 2050 vollständig klimaneutral ist“, so der GDV-Präsident. „Schon 2025 wird es dabei messbare Fortschritte geben. Ende dieses Jahres werden wir den ersten ‚Carbon-Footprint‘ der Kapitalanlagen vorlegen.“

Bisher bleibt das Potenzial der Kapitalanlagen aber noch weit hinter den Möglichkeiten zurück. Zwar werden 82 Prozent der direkt und indirekt gehaltenen Kapitalanlagen nach Nachhaltigkeitskriterien angelegt. Aber erst 0,7 Prozent der Anlagen sind als dezidierte Green-Bonds angelegt, erst 0,3 Prozent als Social-Bonds. Und Investitionen in erneuerbare Energien haben einen zwar steigenden, aber immer noch zu geringen Anteil von 0,6 Prozent der Anlagen.

Die Koalitionsparteien wollen Deutschland zu einem führenden Standort nachhaltiger Finanzierung machen. Zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten soll mehr privates Kapital mobilisiert werden. Grüne Bonds und Öffentlich-Private Partnerschaften sind dafür passende Instrumente, gerade für Versicherer als große und langfristig orientierte Investoren, meint der GDV-Präsident: „Hier braucht es dringend einheitliche Standards und vor allem auch ein größeres Angebot. Nachhaltige Kapitalanlage ist eine Riesen-Chance zur Bekämpfung des Klimawandels. Nutzen wir sie!“

Zur Startseite