Schwere Schä­den

Gas­ex­plo­sion in Lud­wigs­ha­fen - Ver­si­che­run­gen hel­fen Betrof­fe­nen

Eine schwere Explosion an einer Baustelle in Ludwigshafen hat am Donnerstag verheerende Schäden angerichtet und einen Menschen getötet. Weitere 23 Personen wurden verletzt. Beim Freilegen einer Gasleitung durch eine Baufirma war es aus bislang ungeklärten Gründen zu der Explosion mit einer mehrere Meter hohen Stichflamme gekommen. An den angrenzenden Gebäuden entstand ein hoher Sachschaden. Nach Angaben der Polizei sind 38 Wohnungen beschädigt und teilweise unbewohnbar. Das Unglück beschädigte auch rund 80 Autos, die in der Nähe der Unglücksstelle parkten. Der Gesamtschaden geht laut Polizei in die Millionen.

Wer haftet für die Schäden?

Grundsätzlich gilt das Verursacherprinzip. Wer vorsätzlich oder fahrlässig handelt, ist zum Ersatz der daraus entstandenen Schäden verpflichtet. Die Haftung schließt Personen- oder Sachschäden ein. Bei der Explosion einer Gasleitung ist unter Umständen auch zu prüfen, ob eine verschuldensunabhängige Haftung nach dem Umwelthaftungsgesetz infrage kommt. Die Ermittlungen stehen jedoch erst am Anfang.

Unabhängig davon, ob ein Verantwortlicher für das Unglück ermittelt werden kann, sind Betroffene über ihre eigene Versicherung geschützt. Die Versicherer machen gegebenenfalls ihre Ansprüche später beim Haftpflichtversicherer des Unfallverursachers geltend.

Wohngebäude

Explosionsschäden sind über eine Feuerversicherung abgedeckt. Diese ist normalerweise Bestandteil einer Verbundenen Wohngebäudeversicherung . Es gibt sie aber auch als selbstständige Police. Versichert sind das Gebäude selbst, fest eingebaute Sachen wie Einbaumöbel, das Gebäudezubehör wie Müllboxen oder Klingelanlagen und Grundstücksbestandteile wie Zäune oder Wege samt Beleuchtung. Je nach Vertragsausgestaltung können auch Photovoltaik-Anlagen in der Wohngebäudeversicherung enthalten sein.

Die Versicherung übernimmt die Kosten der Reparatur. Bei einem Totalschaden erhält der Versicherte den Betrag, der nötig ist, um das Gebäude in gleicher Art und Güte in neuwertigem Zustand zu bauen – einschließlich der Baunebenkosten wie Architektenhonorare oder Konstruktions- und Planungsgebühren. Den Neuwert gibt es allerdings nur, wenn der Betroffene innerhalb von drei Jahren mit dem Wiederaufbau beginnt, ansonsten erhält er den Zeitwert des Gebäudes.

Neben dem eigentlichen Schaden übernimmt die Versicherung auch viele Folge- und Nebenkosten, die mit dem Ereignis im Zusammenhang stehen. Dazu zählen beispielsweise die Kosten für die Aufräum- und Abbrucharbeiten, für den Abtransport des Schutts sowie die Ablagerung in einer Deponie. Auch sogenannte Bewegungs- und Schutzkosten werden ersetzt. So kann es nötig sein, für die Reparatur des Hauses oder den Abtransport des Bauschutts Hecken oder Zäune zu entfernen, die an sich unbeschädigt sind. Eventuell müssen auch Gegenstände abgedeckt oder beiseite geschafft werden, um sie vor den Auswirkungen der Bauarbeiten zu schützen.

Mietausfall

Die Wohngebäudeversicherung ersetzt in der Regel auch Einnahmeausfälle der Wohnungseigentümer, wenn Mieter infolge des Schadens zu Recht die Zahlung der Miete ganz oder teilweise einstellen. Bewohnt ein Eigentümer selbst die Wohnung oder das Einfamilienhaus, erhält er den ortsüblichen Mietwert von vergleichbaren Wohnräumen, sofern sein Heim durch das Unglück gänzlich unbewohnbar geworden ist. Damit kann er vorrübergehend eine Wohnung anmieten, bis der Schaden behoben ist.

Auch für gewerblich genutzte Räume im Wohngebäude kann die Versicherung des Mietausfalles oder des Mietwertes vereinbart werden. Die maximale Dauer der Zahlung von Mietausfall und Mietwert ist im Versicherungsvertrag geregelt.

Mietausfall und Mietwert werden so lange ersetzt, bis die Wohnräume wieder benutzbar sind. Das heißt aber nicht, dass sich der Eigentümer ewig Zeit lassen kann. Die Reparaturen müssen so schnell wie möglich durchgeführt werden. Verzögert der Versicherungsnehmer die mögliche Wiederbenutzung seiner Wohnräume, zahlt die Versicherung dafür nicht.

Fahrzeuge

Schäden an Fahrzeugen, die durch einen Brand oder eine Explosion ausgelöst wurden, sind von der Kfz-Teilkaskoversicherung abgedeckt. Dafür ist es nicht erforderlich, dass das versicherte Fahrzeug selbst Feuer gefangen hat. Versichert sind ebenfalls Schäden durch die unmittelbare Einwirkung eines Feuers oder einer Explosion.

Die Reparaturkosten werden in der Regel voll erstattet – abzüglich einer eventuell vereinbarten Selbstbeteiligung. Bei einem Totalschaden zahlt die Versicherung den Wiederbeschaffungswert oder – wenn vertraglich vereinbart – sogar den Neupreis. Der Restwert des Fahrzeugwracks wird von der Erstattung abgezogen.

Hausrat

Über die Hausratversicherungsind Schäden am Wohnungsinventar abgedeckt. Dazu zählen beispielsweise Elektrogeräte wie Computer oder Fernseher, nicht fest eingebaute Möbel oder Teppiche. Der Versicherer erstattet die Reparaturkosten oder zahlt bei irreparablen Schäden den Wiederbeschaffungspreis. Dieser muss nicht mit dem Kaufpreis identisch sein. Der Neupreis für einen gleichwertigen Gegenstand kann davon abweichen.

Für Wertgegenstände wie eine Briefmarkensammlung, Schmuck oder Kunst gelten besondere Entschädigungsgrenzen. Diese sind im Vertrag individuell geregelt. Der Versicherer ersetzt auch nur den tatsächlichen Wert, und keine ideellen Werte.

Was Betroffene jetzt tun sollten

Betroffene sollten ihren Versicherer unverzüglich über den Schaden informieren, am besten erst einmal telefonisch. Falls es gefahrlos möglich ist, sollten sie Maßnahmen ergreifen, um weitere Sachschäden zu vermeiden. So können sie beispielsweise einen provisorischen Schutz anbringen, um das Eindringen von Regenwasser in das Haus zu verhindern.

Alle Schäden müssen dokumentiert werden. Dazu helfen detaillierte Fotos und Listen beschädigter oder abhandengekommener Sachen. Der Versicherer sollte immer die Möglichkeit bekommen, den Schaden zu begutachten. Deshalb ist es ratsam, erst mit dem Aufräumen und der Entsorgung zu beginnen, wenn der Versicherer dem zugestimmt hat.

Das Vorgehen zur Behebung der Schäden sollte mit dem Versicherer abgestimmt werden. Ihm sollten auch alle Auskünfte erteilt werden, die für die Feststellung der Ursache und der Höhe des Schadens nötig sind.

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