Die schönste Ver­si­che­rungs­sa­che der Welt

Fünf Mil­lio­nen für den Weih­nachts­mann

Weihnachten ist die Zeit von Glück und Glöckchenklang, von Nächstenliebe und Naschzeug. Doch all die Harmonie geht zum Teufel, wenn Santa Claus mal ein Kind vom Schoß rutscht. Von Carola Felchner

Kein Fest der Welt steckt so voller Traditionen wie Weihnachten. In manchen Ländern ist es das Christkind, das die Geschenke bringt, in den USA übernimmt dies Santa Claus. Im Advent begegnet man ihm in jeder Mall, im Fernsehen und Zeitungen ist er allgegenwärtig. Ziemlich oft verbirgt sich dabei hinter dem Rauschebart ein Mann aus Kalifornien: Tim Connaghan.

Fast 50 Jahre ist es her, dass er mehr durch Zufall an den Job kam, der zur Rolle seines Lebens werden sollte. Als Student half er 1970 in einem Einkaufszentrum in Lakewood aus und sprang ein, als der bestellte Santa Claus nicht auftauchte. 20 US-Dollar pro Stunde gab es dafür. Connaghan hatte seine Bestimmung gefunden.
Er erwies sich als so talentiert, dass er bald für immer mehr Veranstaltungen gebucht wurde und allmählich mit der Rolle verwuchs. Selbst seine eigene Tochter hielt ihn für den echten Weihnachtsmann, erzählt Connaghan. „Trotzdem musste sie sich erst an den Ganzjahresbart gewöhnen, als ich im Jahr 2000 Vollzeit-Santa wurde“, schmunzelt er.

Ohne Haftpflicht keine Besinnlichkeit

Bis dahin hatte er als Spendensammler für eine Wohltätigkeitsorganisation gearbeitet. Jetzt nutzte er sein Rentnerdasein, um ein regelrechtes Weihnachtsmannimperium aufzubauen. Mit RealSantas.com betreibt er eine Agentur, deren Mitglieder bis zu 1.300 Termine pro Saison absolvieren. Er führt eine Santa-Claus-Universität mit 200 bis 300 Studenten pro Jahr, hat ein Buch geschrieben („Behind the Red Suit“ – „Hinter dem roten Anzug“) und tourt mit einer Seminarreihe für angehende Weihnachtsmänner durchs Land. Sein vielleicht wichtigster Tipp an die Kollegen: „Man muss ziemlich viel trinken in dem Kostüm.“ All das neben 40 oder mehr eigenen Auftritten bei Paraden, im Fernsehen und auf Wohltätigkeitsveranstaltungen.

Er liebt es, die Kinder in ihrem Glauben an Santa Claus zu bestärken. Er weiß aber auch, dass selbst der Weihnachtsmann nicht ohne Versicherung auskommt. Nachdem es in den Achtzigern ein paar Klagen gegen Malls und Santa-Darsteller gegeben habe, werde man heute ohne Absicherung gar nicht mehr engagiert. Er hat deshalb eine Haftpflicht für Entertainer – und rät auch seinen Kollegen dringend dazu.


Verschluckter Süßkram, vom Schoß gefallene Kinder

Für einen Jahresbeitrag von 150 bis 200 Dollar deckt sie Schäden von bis zu fünf Millionen Dollar ab. Wobei „Schadensfälle“ bei einem Weihnachtsmann erstaunlich vielfältig sein können: Dazu zählt ein Kind, das sich an Süßigkeiten verschluckt oder von seinem Schoß fällt (hineinsetzen müssen es aus Sicherheitsgründen seine Eltern) genauso wie Erwachsene, die über die Weihnachtsdeko stolpern.

Das kann finanziell schmerzhaft werden, selbst wenn „ein guter Nikolaus in der Saison zwischen 5.000 und 10.000 US-Dollar verdienen kann“. Seinen Job macht Connaghan aber nicht nur wegen des Geldes. Er genießt, dass er zu Weihnachten „ein bisschen so was wie ein Rockstar“ ist.
Kein Wunder, dass er längst in die International Santa Claus Hall of Fame in – wo sonst? – Santa Claus, Indiana, aufgenommen wurde. Und jede Menge schöne Erinnerungen gesammelt hat wie die an eine alzheimerkranken Dame, der er mit seinem Auftritt nach Jahren des Schweigens das erste Wort entlockte: „Santy!“

Mehr Infos zu Santa Hollywood gibt es auf www.nationalsanta.com.

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