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Fanta 4: Mil­lio­nen im Todes­fall eines Band­mit­glieds

Auch Hip-Hopper denken nicht nur an den nächsten Auftritt. Die Fantastischen Vier haben schon lange vor der Einführung des Euro eine Versicherung abgeschlossen, die im Todesfall eines Bandmitglieds den verbliebenen Dreien je eine Million Mark auszahlen würde - fast wäre es einmal so weit gekommen.

Ein graues Fabrikgelände, ein rotes Cabriolet, vier Typen, die in übergroßen Kapuzenpullis herumstaksen wie Störche durch den Salat und etwas von einer Frau rappen, die „freitags nicht kann“: Mit dem Video zu ihrem Song „Die da?!“ schlugen die Fantastischen Vier („Fanta 4“) 1992 ein wie eine Bombe.

Eigentlich hatten sie die Band gegründet, um Mädchen kennenzulernen. Doch ganz nebenbei wurden sie zu Wegbereitern des deutschen Sprechgesangs – und zu einer großen Nummer im Musikbusiness.

„Anfangs hatten wir noch kein Gefühl dafür, in welcher finanziellen Position wir waren“, erinnerte sich Michael Bernd Schmidt alias Smudo kürzlich in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Wir wohnten in unseren Jugendzimmern.“

2004 gerät Thomas D in einen Tsunami

Doch bald schon spielte Geld eine wichtige Rolle. Und im Gegensatz zu so manch anderem Musiker, der nach den rauschhaften Anfangstagen seiner Karriere finanziell abgebrannt dasteht, haben sich die Fantastischen Vier früh Gedanken über ihre Finanzen gemacht: Sie schlossen schon lange vor der Einführung des Euro eine Versicherung ab, die im Todesfall eines Bandmitglieds den verbliebenen drei jeweils eine Million Mark auszahlen würden.

2004 wäre es fast dazu gekommen: Thomas D geriet mit seiner Familie im thailändischen Khao Lak in einen Tsunami und wurde vier Kilometer weit mitgerissen. Seine Frau, die Tochter und der Hip-Hopper selbst überlebten nahezu unverletzt. „Beinahe eine Million bekommen, ha-ha-ha“, waren die Worte, mit denen Thomas D sich nach der Katastrophe schließlich telefonisch meldete. „Da musste ich vor Erleichterung flennen“, erinnert sich Smudo.

Schließlich waren die vier Jungs aus Schwaben nicht bloß Bandkollegen. Schon vor ihrem Aufstieg verband sie eine echte Freundschaft. Darin sehen sie auch einen wesentlichen Baustein ihres Erfolgs. „Die Band ist ein soziales Phänomen. Eine gemeinsame Identität, die unabhängig von Ort und Zeit besteht“, heißt es auf ihrer Webseite.

Hits wie „Sie ist weg“ machen die Vier zu Millionären

Inzwischen sind die Deutschrapper Euro-Millionäre, die Versicherung aus D-Mark-Zeiten gibt es aber noch immer. Auch wenn sich natürlich keiner den Fall wünscht, in dem sie ausbezahlt werden muss.

Denn die Band hat noch viel vor. Sie geht nach wie vor auf Tour, oft spielt sie vor mehreren Zehntausend Fans. Warum sie sich das nach all der Zeit noch antun? „Weil es läuft“, sagt Smudo. „Was sollen wir denn sonst machen?“

Fast drei Jahrzehnte nach ihrer Gründung bringt die Band in diesem Jahr ihr zehntes Studioalbum heraus. Es soll an die großen Erfolge von Hits wie „MfG“, „Sie ist weg“ oder „Die da?!“ anschließen. Die Chancen stehen gut, denn Fanta-Fans sind treu. Auch wenn die Vier inzwischen ein wenig grauer daherkommen als damals, als sie in ihren Kapuzenpullis über das Fabrikgelände gestakst sind.

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