Kli­ma­wan­del

Extrem­wet­ter trifft Deutsch­land immer öfter

Die Erderwärmung wird hierzulande für mehr Niederschläge sorgen. Damit steigt die Gefahr von Sturzfluten und Überschwemmungen. Umso wichtiger wird ein umfassender Versicherungsschutz.

Was ein Jahrhundertereignis ist, haben die Einwohner von Münster noch gut in Erinnerung. Im Juli 2014 zog ein schweres Unwetter über die westfälische Stadt und brachte Unmengen an Regen. Rund 250 Liter pro Quadratmeter fielen innerhalb von zwei Stunden – statistisch passiert das nur einmal in 100 Jahren. Straßen verwandelten sich in Flüsse, Garagen und Keller liefen voll, der Sachschaden ging in die Millionen. 

Die Einwohner von Braunsbach und Simbach am Inn traf es 2016 noch schlimmer, als ebenfalls Regenmengen niedergingen, wie es sie nur einmal in 100 Jahren geben sollte. Bäche schwollen an zu reißenden Strömen, die mit zerstörerischer Kraft durch die Orte rasten. Das Ergebnis: aufgerissene Straßen, eingestürzte Häuser, zertrümmerte Autos. Selbst Menschen verloren ihr Leben.   

Wärmere Luft kann mehr Wasser aufnehmen 

Viel spricht dafür, dass sich solche Katastrophen in Deutschland künftig öfter ereignen werden. Grund ist der Klimawandel. Statistisch ist die Zunahme extremer Wetterereignisse zwar schwer nachzuweisen, da das Wetter seit jeher starken Schwankungen unterliegt. „Auf Basis der Beobachtungen ist es dennoch empfehlenswert, sich auf eine Zukunft mit mehr extremen Wetterphasen vorzubereiten“, warnt Thomas Deutschländer, Experte des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Das heißt: mehr und heftigere Stürme, häufigere Phasen von Trockenheit und vor allem mehr Regen. 

Die Erklärung dafür ist relativ einfach. Je stärker sich die Luft erwärmt, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Ein Grad Temperaturanstieg bedeuten rund sieben Prozent mehr Wasser. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1882 ist die Durchschnittstemperatur in Deutschland um 1,4 Grad Celsius gestiegen. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge hat seitdem um rund zehn Prozent zugelegt. 


Tiefdruckgebiete ziehen langsamer vorbei 

Die feuchtere Luft ist nicht das einzige Problem. Mit der Erderwärmung verändert sich zugleich der sogenannte Jetstream. Das ist ein Starkwindband, das in zehn Kilometern Höhe um den Planeten verläuft – ausgelöst durch die Temperaturunterschiede  zwischen Äquator und Arktis. „Je größer diese Differenz, desto mehr Wind weht in der Höhe. Jetzt wird es aber am Nordpol überproportional wärmer, das heißt der Temperaturunterschied nimmt ab“, sagt Meteorologe Sven Plöger. Die Folge: Die Luftmassen bewegen sich tendenziell langsamer. Tiefdruckgebiete ziehen nicht mehr so schnell ab, sondern verharren mitunter tagelang über einer Region. Wie bei einem kaputten Rasensprenger ergieße sich das Wasser dann auf eine Stelle, so Plöger. 

Und wo mehr Wasser vom Himmel fällt, sammelt sich auch mehr in Bächen und Flüssen. Überschwemmungen wie 2002 entlang der Elbe, der ebenfalls heftige Niederschläge vorausgegangen waren, dürften daher in Zukunft ebenfalls häufiger auftreten. Das legt die vom GDV veröffentlichte Klimastudie nahe. Demnach werden sich bis Ende dieses Jahrhunderts die Schäden durch Hochwasser verdoppeln. Je nach unterstelltem Klimamodell könnten sie sich sogar verdreifachen. 

Prävention und Anpassung werden wichtiger 

Umso wichtiger werden Schutz- und Vorsorgemaßnahmen. Das heißt: mehr Überflutungsflächen, sichere Deiche und ein Ende der andauernden Bodenversiegelung. Ohne solche Anpassungen werden bis 2040 noch mehr Menschen von ausufernden Flüssen betroffen sein, wie das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung jüngst errechnet hat. Die stärksten zehn Prozent der Hochwasserereignisse in Deutschland könnten demnach nicht mehr „nur“ 100.000 Menschen treffen, sondern 700.000. 

Die Verbesserung des technischen Hochwasserschutzes ist vor allem Aufgabe der Politik in den Ländern und Gemeinden. Aber auch jeder Einzelne kann es etwas tun, um sich vor Starkregen und Überflutungen zu schützen beziehungsweise die Folgen zu minimieren. Gebäude sollten beispielsweise mit druckwasserdichten Fenstern ausgerüstet sein, Keller- und Hauseingänge mit Aufkantungen geschützt werden. 

Elementarschadenversicherung schützt Gebäude vor allen Wetterrisiken 

Zur Prävention gehört auch ein umfassender Versicherungsschutz gegen erweiterte Naturgefahren wie Starkregen, Hochwasser, Schneedruck oder Erdrutsch. Erst vier von zehn Gebäuden hierzulande verfügen über eine sogenannte Elementarschadenversicherung, obwohl sie nahezu flächendeckend verfügbar ist. Und obwohl extreme Wetterereignisse jeden treffen können. „Hausbesitzer sind gut beraten, ihr Wohneigentum gegen alle Wetterrisiken abzusichern“, sagt Wolfgang Weiler, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Denjenigen, die darauf verzichten, kann man mit den Worten von Karl Valentin nur wünschen: Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist.

Zur Startseite
Auch inter­essant