Risi­ken und Schä­den mini­mie­ren

Ern­te­be­ob­ach­tung aus dem Welt­raum

Lautlos umkreisen sie die Erde, machen Bilder von Feldern und messen Wetterveränderungen: Satelliten. Die Daten können Ernteversicherern helfen.

Mithilfe von Satellitenbildern lassen sich Schäden schneller ermitteln und genauer berechnen – zumindest in bestimmten Fällen. Ein Gutachter müsste etwa nach einem Hagelsturm nicht mehr alle Schäden vor Ort schätzen, beispielsweise indem er mit dem Bauern das beschädigte Feld abschreitet, um den genauen Schaden zu ermitteln. Er könnte vorab die Daten aus den Infrarotaufnahmen auswerten und anschließend die geschädigten Abschnitte der Anbauflächen gezielt untersuchen.

Bereits 2009 hatte die Agrarversicherung Vereinigte Hagel mit Sitz in Gießen in den damaligen Geoinformationsdienstleister RapidEye investiert, der heute nach der Übernahme durch ein kanadisches Unternehmen unter BlackBridge firmiert. Fünf Geosatelliten helfen hier bei der Einschätzung von Umweltschäden. Allerdings: Einfach ist die Nutzung dieser speziellen Satellitenpower nicht. Erst müssen die Daten mit aufwendigen Programmen bearbeitet werden, damit sich überhaupt Bilder erkennen lassen. Zudem dringen die optischen Kameras der Geosatelliten nicht durch Wolken. Und schließlich ist zumindest in Deutschland die Nachfrage nach Mehrgefahrenversicherungen gegen Ernteausfälle noch immer verhalten. Denn im Katastrophenfall können die Landwirte meist mit Hilfe des Staates rechnen.

Potenzial Schwellenländer

Ein lohnendes Feld für die neuen Satelliten könnten Schwellenländer bieten. Gerade in Regionen ohne ein Netzwerk von Gutachtern vor Ort lassen sich die Folgen von Naturkatastrophen nur schwer messen. Bislang können deshalb oft nur sogenannte parametrisierte Versicherungen angeboten werden. Aufgrund regionaler Erfahrungsdaten legt der Versicherer dabei einen Schwellenwert fest. Steigen die Temperaturen etwa in den ersten 30 Tagen nach der Roggen-Aussaat auf mehr als 30 Grad und bleibt gleichzeitig der Regen aus, tritt automatisch der Versicherungsfall ein – selbst wenn das Feld weiter gedeiht.

In den USA ist die Erntebeobachtung aus dem All längst Usus. Doch die reinen Satellitendaten können auch in die Irre führen. Bei der großen Dürre in den USA 2012 etwa nahm der Mais massiv Schaden. Doch die Satelliten lieferten eher unauffällige Daten. Der Mais wuchs offenbar nahezu normal. Was der Satellit nicht sah: Die größte Hitze war gerade in dem kleinen Zeitfenster der Befruchtung. Wegen der hohen Temperaturen flogen die Pollen nicht. Der Mais wuchs – ohne Kolben auszubilden.

„Ein weiter, aber vielversprechender Weg“

„Die Analyse von Satellitendaten ist enorm komplex“, resümiert Alexa Mayer-Bosse, Business Development Manager bei der Munich Re. Um aussagekräftige Ergebnisse zu bekommen, muss man eine Vielzahl von Parametern kombinieren, die nicht alle satellitenbasiert ermittelt werden können. Wie groß ist der Biomasseaufwuchs? Wie stressresistent sind die Samen? Wie viel Feuchtigkeit speichert der Boden und wie sind die Wetterbedingungen während der Vegetationszeit? Mayer-Bosse dazu: „Bis wir all diese Werte richtig für die Ernteerfassung interpretieren können, ist es noch ein weiter, aber vielversprechender Weg.“

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der neuen Ausgabe von POSITIONEN, dem gesellschaftspolitischen Magazin vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

   

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