Pay­ment­dienste und Ver­si­che­rer

Digi­tal zah­len, bitte!

Einen gelben Pullover können Verbraucher bequem im Netz mit Paypal & Co. bezahlen, den Beitrag zur Lebensversicherung aber (meist) nicht. Warum das so ist – und wie Versicherer das ändern wollen.

Die Zeichen stehen auf Wandel. Immer mehr Kunden schließen ihre Versicherung im Internet ab. Vor allem bei einfachen Produkten zeigt sich dieser Trend. Entsprechend bauen Versicherer ihre Präsenzen und Angebote im Netz stetig aus. Dabei rücken zunehmend die Zahlungsmöglichkeiten in den Fokus. Denn wer als Kunde digital abschließt, will auch digital bezahlen.

Anbindung neuer Dienste meist nicht effizient

Deshalb beschäftigen sich viele Assekuranz-Unternehmen mit der Integration von Diensten wie beispielsweise Paypal, Sofortüberweisung oder Kreditkartenzahlung. „Große Versicherer arbeiten  heute schon mit Payment-Dienstleistern zusammen“, erläutert Mareike Lohmann, Expertin für Zahlungsverkehr beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Doch die Anbindung der Dienstleister ist aufwändig. Denn anders als bei den bankgestützten Verfahren wie Lastschrift und Überweisung gebe es bei den neu entstandenen Payment-Dienstleistern bislang keinen Kommunikations- und Abrechnungsstandard, so Lohmann. Jeder einzelne Anbieter habe seine eigenen Formate und Schnittstellen. In der Praxis kann das im schlimmsten Fall bedeuten: Der Dienstleister übermittelt Zahlungsinformationen als PDF – ein Dateiformat, das sich nicht in die vollautomatisierten Prozesse der Versicherer integrieren lässt. Die dann notwendige manuelle Bearbeitung ist teuer. „Die Anbindung der digitalen Payment-Dienstleister ist im Augenblick für die meisten Versicherer nicht effizient und kostendeckend möglich“, sagt Lohmann.

Nutzer würden für Bequemlichkeit zahlen

Eine unbefriedigende Situation: Schließlich sind Verbraucher im Online-Handel längst daran gewöhnt, Klamotten oder das neue Handy über Paypal zu bezahlen. Der Sommerurlaub? Der Wellness-Gutschein? Ohne Paypal, Amazon Pay oder andere ähnliche Payment-Dienstleister sind Anbieter praktisch nicht mehr konkurrenzfähig. Und den Versicherern könnte es mittelfristig genauso ergehen.

Nach einer Studie des Ibi-Research an der Uni Regensburg zahlen die Menschen zwar neun von zehn Policenbeiträge noch klassisch: per Lastschrift oder Banküberweisung. Doch ein Viertel der mehr als 2000 Befragten hätte gerne mehr Auswahl. Sie würden Online-Verfahren wie Paypal und Co. den Vorzug geben (14 Prozent) oder aber Karten zur Bezahlung einsetzen (neun Prozent). Jeder fünfte Nutzer (22 Prozent) würde gar mehr bezahlen, wenn er es bequem mit einem Klick tun könnte. Versicherungsunternehmen sollten sich deshalb „mittelfristig überlegen, ob es nicht sinnvoll ist, einige der Online-Bezahlverfahren für ausgewählte Produkte anzubieten“, meint Holger Seidenschwarz, einer der Autoren der Studie.

Payment-Dienstleister nicht vorbereitet

Aus Sicht der Versicherer sind es aber nicht nur die Mehrkosten, die eine hohe Verbreitung der digitalen Paymentdienste in ihrer Branche bislang behindern. Oftmals seien die Angebote der Dienstleister nicht auf die Besonderheiten der Assekuranz vorbereitet, schildert Lohmann die praktischen Herausforderungen. „Die prozessualen Abläufe bei der Bezahlung  von Versicherungsprodukten unterscheiden sich ja wesentlich von denen des klassischen Online-Handels.“

Will heißen: Eine Lebensversicherung ist kein gelber Pullover. Letzterer hat einen festen Preis, den der Kunde in einem einzigen Zahlungsvorgang bezahlt. Variierende wiederkehrende Zahlungen hingegen – wie sie bei der Lebensversicherung vorkommen können, etwa weil sich der Beitrag ändert – sind Optionen, die die Systeme ohne weiteres nicht abbilden können.

Kommunikation zum Kunden digital gestalten

Die Versicherer würden die neuen Bezahldienste zudem gern mit weiteren Angeboten verknüpfen. „Es geht auch darum, den Zahlungsverkehr weiterzudenken“, betont Lohmann. Warum sollte beispielsweise zukünftig nicht der Bezahlvorgang mit einer elektronischen Rechnungsstellung verknüpft sein? Statt per Post – wie heute noch überwiegend üblich – könnten sich Kunden ihre Dokumente elektronisch schicken lassen oder ihre Rechnung direkt im Online-Portal des Versicherers abholen und bezahlen. Bislang fehlen hier praktikable Lösungen der Payment-Dienstleister.

Unabdingbar für Assekuranzen sind künftig auch in die Zahlungsarchitektur integrierte Werkzeuge für eine sichere Identifizierung. Versicherungsunternehmen verwalten sensible Daten ihrer Kunden, Kundenvertrauen ist zentraler Bestandteil ihres Geschäfts. Sie müssen sicherstellen, dass etwa die Zahlung nach einem Schadensfall den Richtigen erreicht. Sichere eID-Tools sind daher beispielsweise für die Identitätsprüfung des Empfängers oder für eine effektive Betrugsprävention unerlässlich.

Open Banking könnte den Markt öffnen

Gespräche zwischen der Versicherungswirtschaft und den Anbietern digitaler Paymentdienste in den vergangenen Jahren haben noch nicht zum erwünschten Durchbruch, sprich einer Standardisierung, geführt. Sogenannte Mehrwertdienste existieren zwar bereits als Teillösungen am Markt, greifen jedoch noch nicht sinnvoll und effizient ineinander. „Unsere Zielvorstellung ist eine smarte Verknüpfung von Bezahlvorgängen mit weiteren digitalen Services, die unmittelbar unseren Kunden zu Gute kommen“, sagt Lohmann. „Wir können so etwas aber nicht alleine machen.“

Das sogenannte Open Banking könnte hier jedoch bald für Bewegung sorgen. Im Rahmen der Zahlungsdiensterichtlinie PSD 2 dürfen digitale Payment-Dienstleister und andere zugelassene Drittanbieter auf bestimmte Kontodaten der Banken zugreifen. Größere Vielfalt, mehr Wettbewerb. „Open Banking öffnet den Markt für Mehrwertdienstleistungen“, ist Lohmann überzeugt. Ein kürzlich veröffentlichter Appell des GDV an die Anbieter dieser Dienste trägt jedenfalls bereits erste Früchte. „Die Resonanz ist spürbar, wir bekommen viele Gesprächsanfragen.“

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