iPhone, Galaxy & Co.

Die Glas­set­zer

Heute stellt Apple sein neuestes iPhone vor. Smartphones wie dieses sind teuer – ein Schaden für Besitzer umso ärgerlicher. Doch es gibt Werkstätten, die sich auf die Reparatur dieser Geräte spezialisiert haben. Oft werden diese von Versicherungen beauftragt.

Über den Dächern von Berlin-Kreuzberg sitzt Carsten Scheidt in der vollverglasten Werkstatt und bläst Druckluft über eine Platine. Über die Zeit sammelt sich so einiges an Staub in einem Smartphone. Mit einem kleinen Nylon-Spatel wird die Operation mit chirurgischer Präzision fortgesetzt: Schon ist das Kabel vom ehemals makellosen Display gelöst. Seit einem Sturz auf die Fliesen ist in der oberen rechten Ecke das gehärtete Glas in hunderte kleine Fragmente gesplittert. Tendenz bröckelnd.

„Die Geschichte mit dem Bagger, der übers Handy gerollt ist“

Wer sich im Wartebereich der iDoc-Werkstatt auf das ausrangierte Turnpferd setzt, hat fast immer das gleiche Problem: Irgendwas mit dem Handy. Display gesprungen, Knöpfe defekt, Wasserschaden – die vier Techniker haben hier schon fast jeden Defekt gesehen. „Den krassesten Schaden?“, fragt Chef Paul Blezinger und grübelt. Wahrscheinlich die Geschichte mit dem Bagger, der über das Telefon gerollt ist. „Das war total zersplittert“, erzählt er. Aber nach dem Tausch des Displays waren selbst die Techniker überrascht: „Sonst war das Telefon überhaupt nicht beschädigt.“

Seit 2010 repariert iDoc Smartphones aller namhaften Hersteller. Entstanden ist das Kreuzberger StartUp aus der Unzufriedenheit mit einer Reparatur: In einem Eckladen ließen Studienfreunde von Blezinger das Gerät eines Kunden reparieren. „Damit waren die beiden überhaupt nicht zufrieden“, sagt er. Und schon war die Idee von iDoc geboren. Gemeinsam mit seinen beiden Freunden Kaspar und Florian Padberg gründete Paul die Reparaturwerkstatt mit dem besonderen Qualitätsanspruch.

Bei der Reparatur achten die Techniker auf Kleinigkeiten. „War das Gerät schon mal in Reparatur?“, fragt Techniker Scheidt seinen Kunden. Der antwortet mit einem überraschten Ja. „Siehste hier? Da gehört normalerweise ein kleines Schwämmchen hin.“ Beim täglichen Gebrauch spielt dieses kleine Teil im Inneren des Geräts kaum eine Rolle. Trotzdem kommt hier wieder ein Schwämmchen hinein. „Der Austausch des Displays ist sicherlich die häufigste Reparatur“, erzählt Blezinger. Dass bei dem zersplitterten Glas zumeist der Touchscreen noch benutzbar ist, ist für viele nur ein schwacher Trost. Denn schon der Austausch des Displays kostet bei neueren Geräten schnell über hundert Euro.

In welchen Fällen die Herstellergarantie greift

Die Herstellergarantie deckt selbst verursachte Schäden nicht ab. Sie greift nur, wenn das Telefon wegen eines Herstellungsfehlers innerhalb der Garantiezeit seinen Geist aufgibt. Apple und Samsung geben zum Beispiel eine Garantie von zwölf Monaten ab Kaufdatum. Wer einen umfassenden Schutz haben will, kann gegen Einmalbeitrag oder eine monatliche Prämie eine spezielle Versicherung abschließen. „Gerade für junge Leute, die lange auf so ein Handy sparen, kann das schon sinnvoll sein“, sagt Michael Kirchhof von Handyrepair Berlin. Denn außerhalb einer Vertragsverlängerung kostet ein neues Smartphone gleich mehrere hunderte Euro. „Das bezahlt man nicht mal eben vom Taschengeld. Deshalb kann es gut sein, wenn man da vorgesorgt hat“, erklärt Kirchhof.

Daneben sind manche Reparaturen auch ein Fall für die private Haftpflichtversicherung . Sie springt ein, falls der Versicherte das Handy eines anderen beschädigt. Schnell ist das Smartphone auf dem Schulhof herumgereicht und knallt auf den Boden. Oder beim gemeinsamen Abendessen fällt dem Gast das Handy des Freundes beim Betrachten der Urlaubsfotos in die Suppe. In solchen Fällen rechnet Handyrepair Berlin direkt mit der Versicherung ab, wenn diese ihrem Kunden bereits das Go für die Reparatur gegeben hat.

Nicht jeder gemeldete Haftpflichtfall ist plausibel

Doch nicht jeder gemeldete Haftpflichtfall ist plausibel. Einer Untersuchung des GDV zufolge ist nur jeder zweite eingereichte Fall bei beschädigten Smartphones schlüssig nachzuvollziehen. Im Klartext: Unter den untersuchten 2000 Anträgen war eine große Zahl potenzieller Versicherungsbetrugsfälle. „Zum Glück sind die meisten Versicherungskunden ehrlich. Aber leider gibt es, wie überall, auch schwarze Schafe“, sagt Rolf Kretzschmar von der Zurich Versicherungsgruppe, der beim GDV auch in der Arbeitsgemeinschaft Haftpflicht-Kriminalität vertreten ist.

Auch die Handyreparateure hören zum Teil ganz abenteuerliche Geschichten. „Da wollte mir doch glatt jemand erzählen, dass sein total zersplittertes Display ohne Fremdeinwirkung kaputt gegangen ist“, erzählt Blezinger von iDoc. Hier wollen die Kunden aus Scham manchmal nicht so ganz zugeben, in welcher blöden Situation sie ihr Handy beschädigt haben.

Interessant seien vor allem die Erklärungsversuche bei den Wasserschäden. Meistens drucksten die Leute dann zunächst ein wenig herum. Am Ende, so erzählt Blezinger, stellt sich dann wieder heraus: „Die häufigste Ursache für Wasserschäden ist: ‚Ganz einfach ins Klo gefallen‘“.

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