Höchst­stand bei Auto­ma­ten­spren­gun­gen

Die gefähr­li­chen Metho­den moder­ner Bank­räu­ber

Nie wurden mehr Geldautomaten gesprengt als 2018. Dabei verursachen sie hohe Schäden – und bringen sich und Unbeteiligte in Lebensgefahr. Der Blick ins Ausland zeigt: Es gibt wirksamen Schutz.

Maskierte Täter mit Waffe im Anschlag stürmen am helllichten Tage in eine Bank. Lautes Geschrei, Kunden und Mitarbeiter werden bedroht.

Das war einmal: So ein klassischer Bankraub verliert an Bedeutung: Gab es um die Jahrtausendwende noch über 700 Fälle pro Jahr, waren es zuletzt gerade einmal 100. Verbesserte Sicherheitsvorkehrungen der Banken haben den Tätern das Leben schwerer gemacht. Und in mehr als zwei von drei Fällen gelingt es der Polizei, die Täter dingfest zu machen.

Ein Ziel sind Banken jedoch nach wie vor. Massiv zugenommen hat die Sprengung von Geldautomaten. Meist bei Nacht betreten Tätergruppen Bankfilialen und leiten ein explosives Gasgemisch in den Automaten ein, das diesen per Fernzündung knackt. Allein im Vorjahr stieg die Zahl derartiger Angriffe um 38 Prozent auf 369 und erreicht damit einen neuen Rekordwert. Das geht aus dem „Bundeslagebild Angriffe auf Geldautomaten 2018“ hervor, welches das Bundeskriminalamt kürzlich veröffentlicht hat.

Dabei  hinterlassen die Täter ein Bild der Verwüstung. Zerstörte Geldautomaten, sowie teils hohe Schäden am Gebäude. Ein weiterer Leidtragender: Kunden, denen wegen Renovierungsarbeiten wochenlang der Zugang zu ihrer Bankfiliale versperrt bleibt. Und ein Fall für die Versicherung, weshalb die Branche das Phänomen intensiv beobachtet.

„Effektiver Schutz ist möglich“

Die VdS Schadenverhütung , eine Tochterfirma des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), empfiehlt in einer Richtlinie „VdS 5052“  zum Schutz von Geldautomaten eine ganze Palette an technischen und baulichen Schutzmechanismen. Eine ausgeklügelte Überwachung der Bankfiliale besonders bei Nacht, sowie Vernebelungssysteme sorgen demnach für mehr Sicherheit. „Ein effektiver Schutz von Geldautomaten ist möglich“ sagt Alexander Küsel, Experte für Schadenverhütung beim GDV. „Mit technischen Lösungen können Banken den Tätern das Handwerk legen.“

„Die Investitionen … in diesem Bereich sind erheblich“, heißt es bei der Deutsche Kreditwirtschaft (DK), dem Dachverband der Branche. Jedoch wird betont: „Eine pauschale Lösung gibt es nicht und wäre auch nicht sinnvoll, da sich einerseits die Gerätestandorte unterscheiden und andererseits sich seine Risiko- und Gefährdungssituation kontinuierlich ändert.“ Welche Maßnahmen an welchem Ort zum Erfolg führen, werden letztlich die weiteren Fallentwicklungen zeigen.

Deutliche regionale Unterschiede

Mit 108 Angriffen ist Nordrhein Westfalen das am stärksten betroffene Bundesland. Im vergangenen Jahr erweiterten die Täter ihren Aktionsradius allerdings spürbar: In Niedersachsen hat sich die Zahl der Fälle von 24 in 2017 auf 54 im Jahr 2018 mehr als verdoppelt. In Berlin fand im gleichen Zeitraum gar eine Verdreifachung, von 7 auf 23 Fälle statt. Bei den bisher gefassten Tätern handelt es sich laut Bundeskriminalamt meist um aus den Niederlanden kommende, marokkanisch-stämmige Banden.

Dass gerade Geldautomaten in Deutschland zum Ziel werden, ist kein Zufall: Im europäischen Ausland sind Bankautomaten mitunter deutlich besser geschützt. Zum Beispiel mittels Farbpatronen, die Geldscheine bei einem Angriff einfärben und unbrauchbar machen. In Frankreich und Belgien sind solche Patronen schon Pflicht.

Den Tätern ihr Vorgehen zu erschweren, dient dabei nicht allein dem Schutz der Banken. Immer wieder betonen Ermittler der Polizei, die Risiken für Dritte bei der  Sprengung von Geldautomaten. Durch die Wucht der Explosion werden häufig sogar umliegende Gebäude in Mitleidenschaft gezogen. In der Vergangenheit wurden gar schon Bankfilialen angegriffen, die im Erdgeschoss von Wohnhäusern liegen. Das rücksichtslose Vorgehen der Täter wird so zur Gefahr für Leib und Leben Unbeteiligter.

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