Die schönste Ver­si­che­rungs­sa­che der Welt

Der Focke-Wulf Fw 44 Stieg­litz – König der Lüfte

Er macht Loopings, fliegt auf dem Rücken oder fällt scheinbar unkontrolliert vom Himmel: Der Doppeldecker des Vereins Quax in Paderborn ist ein Oldtimer – aber der Star jeder Flugschau. Sollte es doch mal zu einer Bruchlandung kommen, haftet die Versicherung mit bis zu drei Millionen Euro. Von Volker Kühn

Als Charles Lindbergh 1927 nach seinem Nonstopflug über den Atlantik in Paris landet, empfängt ihn eine Menschenmenge, deren Zahl in die Hunderttausende geht. Die Piloten dieser Ära sind gefeierte Stars, tollkühne Helden, über deren Manöver auf Kunstflugmeisterschaften die Wochenschauen noch bis in die Kriegsjahre voll atemloser Bewunderung berichten.

Man muss das wissen, um zu verstehen, was Ulrich Thüer empfindet, wenn er den weißen Schal umlegt, die Lederkappe aufsetzt und ins Cockpit des „Stieglitz“ klettert. Der Doppeldecker, 1940 vom Bremer Flugzeughersteller Focke-Wulf gebaut, ist einer von derzeit 15 fliegenden Oldtimern des Vereins Quax, dessen Schriftführer Thüer ist.

Weltweit existieren nur gut ein Dutzend Exemplare

Tausende von Arbeitsstunden, viel privates Geld und ein unschätzbares Maß an Schweiß und Herzblut stecken die Mitglieder in die Pflege ihrer Flieger. In alten Archiven suchen sie nach Konstruktionszeichnungen, um jedes Einzelteil historisch genau restaurieren zu können.

Warum sie sich diese Mühe antun? „Weil nichts zu vergleichen ist mit dem Gefühl, das Sie haben, wenn Sie im Stieglitz bei klarem Wetter, schrägstehender Sonne und ein paar Schäfchenwolken über die Hügel des Sauerlands fliegen und Ihnen der Wind ins Gesicht bläst“, sagt Thüer.

Kaum mehr als ein Dutzend Exemplare existieren noch von dem Flugzeugtyp. Mit 160 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 350 Stundenkilometern ist die Maschine eher schwach motorisiert. Als umso bemerkenswerter gilt die Leistung des Deutschen Gerd Achgelis, der 1934 auf einem Stieglitz die Kunstflugweltmeisterschaft in den USA gewann.

Auch Thüer nutzt den Doppeldecker mit einer Spannweite von neun Metern für Kunstflüge. Während seine historischen Vorbilder manchmal nur zwei Meter über dem Boden auf dem Rücken geflogen seien, achtet der Vater dreier Kindern allerdings auf eine Mindesthöhe von 200 Metern.

100.000 Euro für die Restaurierung des Stieglitz

Es sind heute nicht mehr Massen wie zu Lindberghs Zeiten, aber wenn der Verein Quax seine Flieger präsentiert, ist das Interesse aber noch immer groß. Dass um historische Flugzeuge ein Hype entstehen könnte wie um alte Autos, die auf Auktionen Millionen erlösen, erwartet Thüer dennoch nicht.

„Es gibt keinen Markt für solche Flieger. Die ganze Szene ist sehr unkommerziell“, erklärt der 46-Jährige, der im Hauptberuf Unternehmensberater ist. Der Verkaufswert von Flugzeugen wie dem Stieglitz, in dessen Restaurierung über die Jahre „sicher 100.000 Euro“ geflossen seien, decke kaum die Kosten.

Ein kleiner Trost: Die Versicherungsbeiträge sind recht gering. Zwar liege die Deckungssumme für Kunstflieger bei drei Millionen Euro statt der bei Motorsportfliegern sonst üblichen 1,5 Millionen Euro. Allerdings komme es aufgrund der großen Erfahrung der Piloten nur äußerst selten zu Unfällen. Selbst wenn sie dabei rasant auf dem Rücken fliegen wie die tollkühnen Helden aus der Goldenen Ära der Fliegerei.

Mehr über den Stieglitz, den Verein Quax und die Möglichkeit, mit einem der historischen Flieger abzuheben, erfahren Sie hier: www.quax-flieger.de.

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