E-Sport Spon­so­ring

Das Geschäft mit Gaming

Das Zocken von Computerspielen hat sich zu einer eigenständigen Sportart entwickelt, die weltweit immer mehr Anhänger findet. Das wachsende Interesse der Jugend lockt Sponsoren an, zu denen auch Versicherer zählen. Es gibt sogar erste Policen speziell für Gamer.

Benedikt Saltzer alias „SaLz0r“ könnte vermutlich auch gut auf dem Bolzplatz  bestehen. Der 1,90 Meter große, athletisch wirkende Typ mit blonder „Marco-Reus-Frisur“ übt seinen Sport allerdings im Sitzen aus. Der 26-Jährige steht beim VfL Wolfsburg unter Vertrag und ist mehrfacher deutscher Meister in der Fußballsimulation FIFA, das seit Jahrzehnten zu den populärsten Fußball-Videospielen der Welt gehört. Dabei tritt er nicht selbst gegen den Ball, sondern steuert sein Team aus virtuellen Spielern per Gamepad über das Feld.

Zwar verpasste Saltzer in diesem Jahr die Meisterschaft. Dennoch haben die E-Wölfe in der virtuellen Liga in den vergangenen Jahren mehr Trophäen gewonnen als ihre Vereinskollegen auf dem grünen Rasen. Das ist nur einer der Gründe, weshalb sich CosmosDirekt dazu entschlossen hat, den virtuellen VfL Wolfsburg zu sponsern. „E-Sports und insbesondere die FIFA-Serien begeistern ein Millionenpublikum und bieten uns einen optimalen Zugang zu onlineaffinen Zielgruppen“, sagt Martin Schmidt-Schön, Digital- und Marketingverantwortlicher des Direktversicherers.

E-Sport lockt Sponsoren an – auch aus der Versicherungsbranche

Für die meisten Menschen über 30 fast unbemerkt, ist in den vergangenen Jahren eine neue Sportszene entstanden, bei der die Wettkämpfe mit Computer- und Videospielen ausgetragen werden. Längst ist E-Sport der Nische entwachsen, es gibt feste Regeln und etablierte Wettbewerbe. Die Spieler duellieren sich über das Internet oder treffen sich zu mehrtägigen Events, die live übertragen werden. Beim größten europäischen E-Sport-Turnier im polnischen Katowice verfolgten 232 Millionen zu Hause an den Bildschirmen, wie die Kontrahenten um 2,5 Millionen Dollar Preisgeld kämpften.

Es sind vor allem junge und technikaffine Menschen, die sich für E-Sport begeistern. Und das macht die Szene für Sponsoren interessant – auch aus der Assekuranz. „Für uns als Versicherer ist ein Sponsoring im E-Sport eine sehr gute Möglichkeit, unsere Marke gerade in einer jungen Zielgruppe noch bekannter zu machen“, sagt auch Jens Hasselbächer, Vertriebsvorstand bei R+V. Der Konzern unterstützt das E-Sport-Team von Schalke 04, das wie der VfL Wolfsburg in der virtuellen Fußball-Bundesliga spielt.

Wachstumsmarkt Deutschland

Dabei ist Fußball im E-Sport nicht einmal die beliebteste Disziplin. Eines der populärsten Spiele für E-Sportler ist seit fast 20 Jahren der Actiontitel Counterstrike. Ähnlich angesagt ist League of Legends, eines der besten deutschen Teams in dem Spiel wird beispielsweise von der LVM Versicherung unterstützt. Ansonsten wechseln die in der Szene favorisierten Spiele regelmäßig, aktuell steht das Survival-Game Fortnite hoch im Kurs. Wenn im Juli das Finale der Fortnite-Weltmeisterschaft in New York stattfindet, wird um insgesamt 30 Millionen Dollar gespielt.

Von solchen Preisgeldern ist Deutschland noch entfernt. Die Bundesrepublik ist der weltweit viertgrößte Absatzmarkt für E-Sport-Events – hinter den USA, Südkorea und China. Doch auch hierzulande wächst der Markt rasant, wie die Marktforscher von Price Waterhouse Coopers (PwC) ermittelt haben. Werbeerlöse auf Streaming-Plattformen oder Sponsoring-Verträge summierten sich 2017 auf knapp 51 Millionen Euro – 35 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Szene wächst und wird immer professioneller

Aus Sicht von PwC werden künftig vor allem Live-Events und Turniere zum Wachstum beitragen. Unter anderem gibt es im Norden Deutschlands ambitionierte Pläne: In Hamburg soll die erste E-Sport-Arena entstehen – einzig für elektronische Sportveranstaltungen. Der Bedarf scheint vorhanden: Im vergangenen Jahr lockte ein dreitägiges E-Sport-Turnier, das in einer Hamburger Mehrzweckhalle ausgetragen wurde, laut Veranstalter 10.000 Besucher pro Tag an.

Und so wie die Rahmenbedingungen immer besser werden, so verändert sich auch die Spieler-Szene. Für die besten ist der Sport kein Hobby mehr, sie sind Profis, die weltweit Turniere bestreiten und von Preisgeldern und Sponsorenverträgen leben. Und mit der Professionalisierung des Sports steigt der Absicherungsbedarf der Profi-Gamer – für sich selbst und ihr technisches Equipment. Das Kölner Insurtech Insurninja bietet bereits Versicherungen an, die sich speziell an den Bedürfnissen von Gamern orientieren.

Vorerst kein E-Sport bei Olympia

Obwohl E-Sportler Massen mobilisieren: Um die Anerkennung der großen Sportverbände müssen sie noch kämpfen. Das Internationale Olympische Komitee hat im Dezember 2018 verkündet, dass es E-Sport zwar nicht ablehne, aber vorerst nicht olympisch werden lassen will. Unter anderem weil – anders als die olympischen Werte es vorschrieben – E-Sport „zu kommerziell“ sei.

Zumindest im Breitensport Fußball hat Olympia aber ohnehin nicht die Bedeutung einer Europa- oder Weltmeisterschaft – Fußballfans werden das wissen. Und bei Weltmeisterschaften kann der virtuelle Fußballer „SaLz0r“bereits Erfahrung vorweisen. Mit seinen 26 Jahren gehört er nämlich schon zu den alten Hasen. Für den diesjährigen FIFA eNations Cup Mitte April  in London übernahm er bereits den Posten als  Bundestrainer der deutschen E-Nationalmannschaft. Den Titel konnten seine Schützlinge allerdings nicht nach Deutschland holen, die Mannschaft flog als Gruppendritter noch vor der K.O.-Phase raus. Saltzer blickt trotzdem nach vorne: „Wir kommen stärker zurück“, kündigte er nach dem Ausscheiden auf Instagram an.

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